Foto der Auszählung der Stimmen zur Kommunalwahl in Messe Frankfurt.

Rund 1.300 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer haben in einer Frankfurter Messehalle am Sonntagabend bis spät in die Nacht hinein Kommunalwahl-Stimmen ausgezählt. Beteiligte kritisieren mangelnden Corona-Schutz, die Stadt widerspricht.

Videobeitrag

Video

zum Video Wahlhelfer in der Frankfurter Messehalle

Wahlhelfer bei der Auszählung der Briefwahlunterlagen in der Frankfurter Messe
Ende des Videobeitrags

Schon vor der Kommunalwahl war klar: Besonders viele Menschen in Hessen würden dieses Jahr per Brief wählen - und das würde Städte und Gemeinden vor logistische und personelle Herausforderungen stellen. Im Nachhinein gibt es nun deutliche Kritik an der Organisation der Auszählung der Stimmen in Frankfurt am Sonntagabend. Eine städtische Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte, beschrieb die Zustände:

Bis um drei Uhr morgens habe sie mit schätzungsweise 1.300 Menschen in einer Messehalle gesessen und Briefwahlunterlagen ausgewertet. An den Tischen habe es nicht ausreichend Abstand gegeben. Viele Wahlhelfer hätten den Mund-Nasen-Schutz nicht konsequent getragen oder nach einiger Zeit abgezogen. Es habe auch nicht geholfen, dass ein Security-Mitarbeiter die Helfer an das Tragen der Maske erinnert habe.

Besonders kritisierte sie, dass keine Schnelltests angeboten worden seien. Auch die praktische Versorgung der Helferinnen und Helfer sei ungenügend gewesen: Das Catering habe um 18 Uhr geschlossen, viele hätten nicht genügend Essen und Trinken dabei gehabt.

Ähnliches berichtete hr-Redakteurin Alina Leimbach, die als ehrenamtliche Wahlhelferin bei der Auszählung dabei war.

Kita-Erzieherinnen krankgemeldet

Bei der Auszählung in der Messehalle 3 wurde hauptsächlich städtisches Personal eingesetzt, das ehrenamtlich im Einsatz war, darunter auch Kita-Erzieherinnen. Eine Mutter kritisierte in einer E-Mail an den hr, dass am Montag ihre Kita aus Personalmangel nicht habe öffnen können. Nach nur drei bis vier Stunden Schlaf seien die Erzieherinnen am nächsten Tag nicht arbeitsfähig gewesen.

Die Mutter schrieb: "Hätte man mindestens diese Berufsgruppe nicht zeitig nach Hause schicken können - vor allem vor der dem Hintergrund, dass Eltern in den letzten Monaten schon einiges an Eigenbetreuung leisten mussten?"

Wahlamt weist Kritik zurück: Schnelltests nicht notwendig

Das Wahlamt der Stadt Frankfurt wies die Kritik an den Zuständen auf hr-Nachfrage zurück. Das Hygienekonzept sei mit dem Gesundheitsamt abgestimmt gewesen, die Messehalle 3 sei mit 18.000 Quadratmetern groß genug für die 1.300 Wahlhelfer gewesen, um Abstände einzuhalten. Die Lüftungsanlage mit 100 Prozent Frischluftzufuhr sei im Einsatz gewesen. Auch der verpflichtende Mund-Nasenschutz sei kontrolliert worden, man habe Masken zur Verfügung gestellt.

Zur Frage, warum so viele Leute in einem Raum sein mussten, hieß es vom Wahlamt: Es sei am Sonntag "ablauforganisatorisch nicht möglich" gewesen, das Verfahren auf viele kleine Räume aufzuteilen. Und weiter: "Schnelltests waren aus infektiologischer Sicht nicht notwendig." Die Versorgung durch den Caterer habe "zeitlich begrenzt" stattgefunden. Später habe man noch Wasser nachbestellt.

Noch nie so viele Briefwahlanträge

Dass die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zum Teil bis spät in der Nacht in der Halle waren, habe an der extrem hohen Anzahl der Wahlbriefe zu den drei Wahlen gelegen. Viele der 141.000 abgegebenen Briefe seien erst am Sonntag abgegeben worden und hätten zunächst den für die Auswertung zuständigen Briefwahlvorständen zugeordnet werden müssen. "Noch nie gab es in Frankfurt so viele Briefwahlanträge." Im Vergleich zu 2016 habe sich die Zahl etwa verdreifacht.

Das dreifache Personal war jedoch offenbar nicht im Einsatz: Laut Wahlamt wurde die Zahl der Briefwahlvorstände von 117 auf 140 erhöht, die Mitgliederzahl der Vorstände sei gesetzlich auf neun Personen begrenzt.

Die Auszählung lief am Mittwoch immer noch, allerdings nicht mehr in der großen Messehalle, sondern dezentral.