Zwischen Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und der Fridays-for-Future-Bewegung von Schülern scheinen die Fronten verhärtet. Die Aktivisten fordern vom Minister gar eine Entschuldigung für seine Kritik - zu Recht? Ein Kommentar.

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Demonstrierende Schüler mit Megaphon

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Auch ein Kultusminister hat Sommerferien, wenn auch nur kurze. Die jüngste Forderung der Klima-Demonstranten, Kultusminister Alexander Lorz (CDU) müsse sich für die jüngsten Zeitungsäußerungen entschuldigen, wird auch aus diesem Grund keine Antwort finden. Auch inhaltlich ist von Lorz keine Entschuldigung zu erwarten.

Entspannung angebracht

Dass ein Kultusminister, dazu noch ein Jurist, mit dem Recht, also auch mit der Schulpflicht winkt, wenn er die Freitags-Demonstrationen kommentieren soll, ist Teil seines Jobs. Vermutlich erwarten auch Lehrer und Eltern, dass der oberste Schul-Mann des Landes hier eindeutig ist. Da kommt die Schüler-Forderung nach einer Entschuldigung etwas albern daher. Aber damit alles nicht weiter eskaliert, ist ein wenig Entspannung im Urlaub angebracht.

Richtig ist, dass Lorz in dem von den Demonstranten angeprangerten Interview unglücklich argumentiert hat, etwas sehr altväterlich unter dem Motto "Jetzt habt Ihr schön demonstriert, aber jetzt ist es auch mal gut" daherkam. Das verkennt, dass es den meisten jungen Leuten auf der Straße sehr ernst ist. Und man darf sich nicht wundern, wenn die Demonstranten Politikern nicht vertrauen möchten, die so - etwas von oben herab - die Dinge kommentieren. Lorz hat da nicht die richtigen Worte gefunden. Und der Verweis auf mögliche Bußgelder wäre auch entbehrlich gewesen – zumindest aus politischer Sicht.

Auch die Eltern haben Verantwortung

Eine Lösung des Konflikts ist aber am allerwenigsten vom Kultusminister zu erwarten. Er ist an das Recht gebunden, kann höchstens zu kreativen Lösungen an den Schulen raten. Und darum muss es wohl gehen: Vor allem Schulen mit ihrer ganz unterschiedlichen Betroffenheit – mal mehr, mal weniger Demonstranten – müssen sich Gedanken machen, wie man das Thema und die Demos zum Teil des Schulalltags machen könnte. Da ist auch schon viel passiert.

Aber auch die Eltern haben ihre Verantwortung. Sie könnten ihren Heranwachsenden ja eine Entschuldigung schreiben. Das hieße aber, dass sie sich selbst mit der Bewegung, aber auch mit den Folgen an den Schulen, auseinandersetzen müssen. Es gibt ja auch Schülerinnen und Schüler, die wollen nicht demonstrieren, sondern Unterricht, um sich auf Klausuren vorbereiten zu können.

Konflikt ohne Härten lösen

Ich hielte es allerdings für angemessen, wenn der Kultusminister nach Rückkehr aus dem Urlaub noch einmal signalisieren würde, dass er den Konflikt ohne Härten lösen möchte. Nach den Sommerferien. Wenn dann wieder demonstriert werden sollte.

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Dialogangebot

Lorz will den Gesprächsfaden mit den Schülern nach eigenen Worten nicht abreißen lassen. Er müsse zwar als Kultusminister schon von Amts wegen auf die Einhaltung der Schulpflicht hinweisen, erklärte er am Donnerstag in Wiesbaden. Er stehe den Schülern aber nach der Sommerpause für einen weiteren Dialog zur Verfügung. Lorz zeigte Verständnis für die anhaltende Kritik, dass die Politik die Klimaschutzziele noch nicht umgesetzt habe. Mit seiner Äußerung, dass der Klimaschutz auf der politischen Bedeutungsskala einen Riesensatz nach oben gemacht und als zentrales Thema in Politik und Medien angekommen sei, habe er die Debatte nicht beenden wollen.

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Sendung: hessenschau kompakt, 18.7.2019, 13.00 Uhr