Blick ins Innere einer U-Bahn, in der ein Mensch mit medizinischer Kleidung steht. Im Bildvordergrund ist ein Plakat an der Wand der U-Bahn zu sehen, auf dem in mehreren Sprachen "Corona-Impfung hier" steht.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann war im Namen seiner Stadtbewohner "stinksauer auf Berlin": Die Stadt hatte wegen nicht gelieferter Biontech-Impfdosen Aktionen wie den "Impfexpress" streichen müssen. Dabei hätte sie mehr Serum bestellen können - von Moderna.

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hr-Reporter: "Feldmanns Kritik auch irgendwie berechtigt"

OB Feldmann erhält eine Corona-Impfung.
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Es war wohl der Tiefpunkt der Impfkampagne in Frankfurt: Der "Impfexpress" - eine Straßenbahn, in der die Stadt kostenlos und ohne Termin Corona-Schutzimpfungen gibt - wurde von Impfwilligen regelrecht überrannt und musste schon nach zwei Impfstopps zumachen.

Das war am Montag, und seitdem sind alle Sonderimpfaktionen in Frankfurt bis auf Weiters gestoppt. Die Schuld daran schiebt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) jetzt in schrillem Ton dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu. 

OB beschuldigt Bundesgesundheitsminister

"Ganz Frankfurt ist stinksauer auf Berlin - und mir fehlen ehrlich gesagt die Worte", ließ Feldmann mitteilen und setzte dann bei "Bild-TV" nach: "Das Desaster hat einen Namen: Jens Spahn." Der Bund habe beim Impfstoff nicht die zugesagten Liefermengen eingehalten. Frankfurt habe von knapp 20.000 bestellten Impfdosen von Biontech nur 6.000 bekommen, und dazu nur 4.000 Dosen Moderna.

Er sei "richtig angefasst", hatte Feldmann zuvor schon im hr erklärt und lasse sich nur beruhigen, wenn Spahn persönlich Nachschub liefere. 

Nur 4.000 Moderna-Impfdosen bestellt

Auf hr-Nachfrage stellt sich nun heraus: Frankfurt hätte durchaus mehr Impfstoff haben können. Allerdings das Präparat "Spikevax" von Moderna. Von diesem Impfstoff hatte Frankfurt in der vergangenen Woche 4.000 Dosen bestellt und auch 4.000 bekommen - also eine Quote von 100 Prozent, wie das Gesundheitsamt einräumt.  

Mehr habe man nicht bestellen wollen, erklärt eine Sprecherin des Amtes. Begründung: Zum einen habe man ja mit einer größeren Menge Biontech gerechnet. Zum anderen: "Nach unserer Erfahrung wird 'Spikevax' in der Bevölkerung weniger angenommen." Es bestehe die Gefahr, dass der Impfstoff im Lager verfalle.  

Biontech-Engpässe waren bekannt

Diese Begründung stößt im Bundesgesundheitsministerium auf Unverständnis. Minister Spahn hatte schon vor zehn Tagen angekündigt, dass es bei Biontech vorübergehend zu Engpässen kommen werde.

Stattdessen sollten Arztpraxen und öffentliche Impfstellen mehr Moderna spritzen. "Zumindest Moderna war nicht kontingentiert", wird ein Ministeriumssprecher im Internetportal t-online zitiert.

Andere Städte boostern vor allem mit Moderna

Mehrere Städte und Kreise sind dem gefolgt und boostern derzeit vor allem mit Moderna, die Stadt Offenbach zum Beispiel. Ein Sprecher der Stadt berichtete auf hr-Nachfrage: "Mit Moderna haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht."

Auch der Landkreis Kassel setzt, außer bei Schwangeren und Menschen unter 30, "Spikevax" für die Auffrischung ein. In 70 Prozent der Fälle hätten die Impfwilligen keine Bedenken, bei 20 Prozent müsse man Überzeugungsarbeit leisten und nur zehn Prozent wollten den Impfstoff gar nicht, schätzte ein Kreissprecher. 

Frankfurt vervielfacht Moderna-Bestellungen

Auch die Kassenärztliche Vereinigung hatte schon vor einer Woche die Mitteilung herumgeschickt: "Hessen boostert mit Moderna", denn dieser Impfstoff sei "immunologisch vollkommen gleichwertig" mit Biontech.

Inzwischen hat die Stadt Frankfurt ihre Haltung zum Impfstoff von Moderna geändert: Man habe nun wieder 19.380 Impfstoffdosen von Biontech bestellt - "und zusätzlich 30.000 Impfstoffdosen 'Spikevax' von Moderna", teilte eine Sprecherin am Mittwochabend auf hr-Nachfrage mit.

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