Nach einer AfD-Veranstaltung in Hanau werfen sich die Partei und Gegendemonstranten gegenseitig Gewalt vor: Ein Ordner der Gegenkundgebung soll von AfD-Anhängern bewusstlos gewürgt, ein AfD-Anhänger blutig geschlagen worden sein.

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Ein Vorfall bei einer AfD-Veranstaltung am Freitag in Hanau sorgt für gegenseitige Beschuldigungen zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der AfD: Auf einer Kundgebung gegen die AfD-Veranstaltung soll ein Gewerkschafter von AfD-Anhängern massiv attackiert und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden sein. Der DGB sprach von "roher und brutaler Gewalt".

Am Dienstag konterte der AfD-Landesvorstand mit dem Gegenvorwurf: Es handele sich vielmehr um eine Gewerkschaftskampagne gegen die AfD. Gewalt lehne die AfD "kategorisch" ab, Demonstranten seien gewalttätig gewesen.

Rund 400 Menschen hatten am Freitag vor der Kulturhalle in Hanau-Steinheim gegen eine AfD-Veranstaltung demonstriert. Gastrednerin war die Vize-Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, Beatrix von Storch.

DGB: Ordner gewürgt und am Boden traktiert

Der DGB beschreibt den Vorfall wie folgt: Auf der Gewerkschaftskundgebung soll ein AfD-Anhänger versucht haben, DGB-Regionsgeschäftsführerin Ulrike Eifler das Mikrofon zu entreißen. Ein DGB-Ordner, der den Mann daraufhin zum Verlassen des Platzes aufforderte, sei wenig später am Rande der Veranstaltung von dem Randalierer und einem zweiten AfD-Mann von hinten angegriffen worden. Der Ordner sei bei der Attacke gewürgt worden und innerhalb von Sekunden zusammengesackt.

Als der Mann bewusstlos am Boden lag und weiter traktiert wurde, sei ein Zeuge "hart dazwischengegangen", sagte Eifler zu hessenschau.de. Laut DGB war das die Rettung für den Betroffenen. Er wurde mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen und einer kurzzeitigen Amnesie ins Krankenhaus gebracht.

Mittlerweile stellte der Betroffene - ein 43-Jähriger - Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung. Mehrere Zeugen, die den Vorfall beobachteten, hätten sich bei der Polizei gemeldet. Dem verletzten Gewerkschafter gehe es inzwischen besser, sagte Eifler.

AfD: Anhänger blutig geschlagen

Aus dem AfD-Landesvorstand hieß es auf hessenschau-Nachfrage, man kenne den mutmaßlichen Angreifer nicht und müsse erst die Ermittlungen abwarten. Co-Vorsitzender Klaus Herrmann sagte, dass derartige Gewalt nicht toleriert würde: "So ein Verhalten ist in keinster Weise akzeptabel". Er kündigte an, "geeignete Maßnahmen" zu ergreifen, sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem Angreifer um ein AfD-Mitglied handelte.

Auch die AfD warf den Gegendemonstranten Gewalt vor: "Verbale und körperliche Gewalt erfolgte durch Demonstranten gegen Besucher der AfD-Veranstaltung", hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Der DGB toleriere das. "Das einzige Opfer von körperlicher Gewalt, dass ich an diesem Abend gesehen habe, war ein etwa 60 Jahre alter Mann, der mit zerschlagener Brille und Blutspuren im Gesicht in den Saal kam und sagte, er sei von einem Demonstranten vor der Halle unvermittelt geschlagen worden", sagte AfD-Landesvorsitzender Robert Lambrou.

Die Partei wies zudem darauf hin, dass die Polizei in einer Mitteilung lediglich von "wechselseitigen Handgreiflichkeiten" berichtete, wegen der ein Rettungswagen gerufen wurde und in deren Folge nun gegen alle Beteiligten wegen dem Verdacht der Körperverletzung ermittelt werde.

Zeugen weiterhin gesucht

Die Polizei verwies am Dienstag auf den Polizeibericht und teilte mit, es gebe dazu bisher nichts Neues: Wegen einer "Handgreiflichkeit" zwischen einem 74-Jährigen, einem 71-Jährigem und einem 43-Jährigen habe es zwei gegenseitige Anzeigen wegen Körperverletzung gegeben.

Ob darunter auch derjenige sei, der laut AfD-Sprecher Lambrou blutend im Saal auftauchte, sei nicht bekannt. Zeugen seien weiterhin aufgerufen, sich zu melden.