Auto steht vor einer Ampel am Berliner Platz in Gießen.

Gießen hat sich ein ambitioniertes Umweltziel gesetzt. Die Stadt will bis 2035 klimaneutral sein, 15 Jahre früher als das Land. Ob das gelingt, hat die Stadt nicht nur selbst in der Hand.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Plan für klimaneutrales Gießen 2035 vorgestellt

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Das Land Hessen will dafür sorgen, dass deutlich weniger Treibhausgase in die Luft gepustet werden. Das längst beschlossene Ziel: Hessen soll bis 2050 klimaneutral werden. Einige Kommunen in Hessen wollen noch eins drauflegen und schon früher ihren CO2-Ausstoß deutlich reduzieren:

Kassel etwa bis 2030, Darmstadt und Gießen bis 2035.

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Hessen: Klimaneutral bis 2050

Hessen will bis 2050 klimaneutral sein. Dafür hat das Land verschiedene Förderprogramme aufgelegt, auch für Städte und Gemeinden. Es gibt ein Bündnis von "Klima-Kommunen", die vom Land unterstützt werden.

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In Gießen hat die Stadtverordnetenversammlung schon vor einem Jahr für das Ziel gestimmt. Jetzt gibt es auch einen Bericht, in dem steht, wie das Ziel erreicht werden könnte. Die wichtigsten Ideen:

  • mehr Fahrräder
  • weniger Autos in der Innenstadt
  • weniger schlecht gedämmte Häuser
  • mehr effiziente Heizungen

Außerdem wird deutlich: Allein kann Gießen es gar nicht schaffen: "Entscheidende Weichenstellungen werden außerhalb Gießens getroffen" steht im Nachwort.

FDP: Plan unrealistisch

Deshalb kommt auch Kritik aus der Opposition im Stadtparlament, zum Beispiel von der FDP. Ihre Abgeordneten hatten sich bei der Abstimmung zum Plan enthalten. Fraktionschef Klaus Dieter Greilich sagt, auch seiner Partei sei Klimaschutz wichtig, aber "vernünftig und ausgewogen" müsse er sein.

Der aktuelle Plan sei einfach unrealistisch: "So viel CO2 kann in der Zeit, die bleibt, gar nicht einfach so eingespart werden. Auch wie die Maßnahmen finanziert werden sollen, ist unklar." Und jetzt auch noch die Corona-Krise. "Da könnten zusätzlich Arbeitsplätze verloren gehen", befürchtet Greilich.

Die Stadt sieht das anders. "Eine ganz wichtige Maßnahme, die sich nicht berechnen lässt, ist überhaupt Bewusstsein zu schaffen bei der Bevölkerung, dass wir unser Verhalten ändern müssen, wenn wir klimaneutral werden wollen", sagt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD).

Umweltschützer: Klimaschutz vor Ort umsetzen

Ähnlich sieht das die Umweltschutzorganisation BUND: "Natürlich kann eine Kommune das nicht alleine stemmen, es braucht Unterstützung von Land und Bund", sagt Werner Neumann, einst Chef des Energiereferats der Stadt Frankfurt und jetzt im BUND-Landesvorstand. "Die Bundesregierung kann fördern was sie will, es muss vor Ort umgesetzt werden."

Jede Stadt könne etwa ihre eignen Gebäude energetisch sanieren oder in den Schulen alte Lampen durch moderne LED-Technik austauschen. "Überall sind noch reichlich Möglichkeiten vorhanden."

Ob Gießen sein Ziel auch konkret weiterverfolgt, entscheidet sich am 24. September. Dann stimmt das Stadtparlament darüber ab, ob das Projekt ein Startbudget von 500.000 Euro bekommt.

Sendung: hr4 für Mittelhessen, 15.09.2020, 15.30 Uhr