Die Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen fand digital und in der Frankfurter Messehalle 3 statt.

Bettina Hoffmann wird die hessischen Grünen in den Bundestagswahlkampf führen. Die Nordhessin wurde wie erwartet in der Präsenz-Abstimmung am Sonntag bestätigt. Vor der Frankfurter Messehalle gab es Proteste von Umweltschützern.

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Am Samstag hatten die hessischen Grünen sie bereits digital zur Spitzenkandidatin gewählt, am Sonntag folgte dann die offizielle Bestätigung: Bettina Hoffmann aus dem Schwalm-Eder-Kreis wird die Partei in den Bundestagswahlkampf führen.

Auch in der endgültigen Präsenz-Abstimmung der Landesmitgliederversammlung konnte die 61 Jahre alte Bundestagsabgeordnete von sich überzeugen, wie die Grünen mitteilten. Außen- und Verteidigungspolitiker Omid Nouripour übernimmt den 2. Listenplatz für die Bundestagswahl im kommenden Herbst. Auch seine Wahl wurde am Sonntag von den in der Frankfurter Messehalle 3 anwesenden Mitgliedern abgesegnet.

Online-Wahl war nur vorläufig

Denn die Wahl der rund 1.700 online zugeschalteten Mitglieder am Samstag war zunächst vorläufig. Das hessische Wahlgesetz erlaubt die Abstimmung der "Vornominierungsliste" nur in Präsenz. Auf den vorderen der insgesamt 30 Listenplätze landeten zudem Kordula Schulz-Asche, Wolfgang Strengmann-Kuhn, Anna Lührmann, Philip Krämer und Deborah Düring. Derzeit gibt es fünf hessische Bundestagsabgeordnete der Grünen.

Rund 140 der insgesamt 8.300 Parteimitglieder hatten sich für die endgültige Abstimmung am Sonntag angemeldet. Um das Corona-konform zu ermöglichen, erwartete die Teilnehmer vor Beginn ein Corona-Schnelltest. Darüber hinaus sollte die 20.000 Quadratmeter große Halle das Abstandsgebot zwischen den Mitgliedern gewährleisten. Am ersten Tag der weitgehend digital abgehaltenen Landesmitgliederversammlung waren bereits einige Dutzend Kandidaten in der Messehalle vor Ort.

Attac-Proteste vor Messehalle

Am Sonntag hatten sich auch einige Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac vor der Messehalle versammelt. Sie hatten im Vorfeld angekündigt, mit lauten Motorsägengeräuschen unter anderem gegen den Weiterbau der A49 und die damit verbundenen Rodungen demonstrieren zu wollen. Letztlich fand sich bei starkem Schneefall aber nur rund ein Dutzend Aktivisten ein.

Die neue Spitzenkandidatin Hoffmann forderte die Grünen angesichts des umstrittenen Autobahnbaus dazu auf, weniger kompromissbereit in Umwelt- und Klimafragen zu sein. "So etwas wie die A49 darf nicht wieder vorkommen", sagte sie mit Blick auf den Streit um die Rodungen in Mittelhessen. Die Nordhessin gilt als ausgewiesene Umweltpolitikerin.

Sieg nach Stichwahl zwischen Wagner und Hoffmann

Die digitale Wahl Hoffmanns war am Samstag recht überraschend: Die Bundestagsabgeordnete hatte sich nach drei Wahlgängen in der Stichwahl gegen Daniela Wagner durchgesetzt, die nach 2017 gerne erneut Spitzenkandidatin geworden wäre. Für Hoffmann hatten 774 Parteimitglieder votiert, für die 63 Jahre alte Darmstädterin Wagner 664.

Hessens Grünen-Landeschef Philip Krämer, der nun auch Bundestagskandidat ist, sagte, er wolle sich im Bundestag vor allem innenpolitisch engagieren. Die Frage, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden könne, sei ein Herzensthema von ihm. Als weitere inhaltliche Schwerpunkte nannte er die Sport- und Vereinspolitik sowie den Kampf gegen den Antisemitismus.

Krämer, der zusammen mit Sigrid Erfurt an der Spitze der hessischen Grünen steht, kündigte an, bei der Wahl zum Landesvorstand im November erneut antreten zu wollen. Krämer ist seit dem Jahr 2019 Parteivorsitzender der Grünen in Hessen.

Landesmitgliederversammlung der Grünen

Sendung: hr-iNFO, 23.01.2021, 15.19 Uhr