Hände tippen auf einer Laptop-Tastatur
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Ministerpräsident Bouffier, Grünen-Chef Klose, Oppositionsführer Schäfer-Gümbel, Linke-Fraktionschefin Wissler: Sie sind unter den mindestens 60 hessischen Spitzenpolitikern, deren persönliche Daten nach einem Hackerangriff seit Wochen im Internet abrufbar sind.

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Unbekannte haben massenhaft private Daten von Prominenten ins Netz gestellt, darunter nach hr-Recherchen auch Daten von mindestens 60 hessischen Politikern. Wie am Freitag bekannt wurde, hatte ein anonymer Twitter-Account bereits im Dezember als eine Art Adventskalender jeden Tag einen weiteren Datensatz geteilt. Warum die Informationen erst jetzt bekannt wurden, obwohl der Account mehr als 17.000 Follower hat, ist unklar.

Neben Journalisten, Schauspielern, Comedians, Youtubern und Musikern finden sich unter den Daten auch Informationen zu Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Die Daten sind zum Teil schon viele Jahre alt, reichen aber bis Ende Oktober 2018. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat zusammen mit dem Bundeskriminalamt (BKA) die Ermittlungen übernommen. Ein Sprecher sagte am Freitag, man gehe von "sehr aufwendigen" Ermittlungen aus.

Daten von mindestens 60 hessischen Politikern

Von den mindestens 60 hessischen Politikern, die in den umfangreichen Listen mit jeweils mehreren hundert Einträgen auftauchen, gehören die meisten der CDU an: insgesamt 13 Bundestagsabgeordnete und 32 Landtagsabgeordnete. Bei der SPD sind es sechs hessische Bundestagsabgeordnete, ein Europaparlamentarier sowie der hessische Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel.

Weitere Informationen

Liveblog der tagesschau

Wie die Bundesregierung auf den Hackerangriff reagiert, was Politiker dazu sagen: tagesschau.de berichtet in einem Liveblog über die aktuellen Entwicklungen in dem Fall.

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Bei den Grünen taucht ein hessisches Bundestags- und ein Landtagsmitglied auf, bei der Linken sind drei Bundestagsabgeordnete und die hessische Parteichefin Janine Wissler unter den Betroffenen. Auch der Name von FDP-Chef Stefan Ruppert taucht in den geleakten Dokumenten auf. In den Dateien finden sich zudem gestohlene Adress- und Telefonlisten, die den Kreis der Betroffenen noch größer machen könnten.

Innenministerium prüft Gefahrenlage

Das Wiesbadener Innenministerium bestätigte dem hr am Freitag, dass es im Hinblick auf die betroffenen hessischen Bundes- und Landespolitiker die Daten analysiere. Dazu stehe man in engem Austausch mit den Bundesbehörden, auch das Landeskriminalamt sei eingebunden, sagte Sprecher Michael Schaich. Anschließend werde geprüft, ob eine Gefährdung der Landespolitiker vorliege. Wenn das der Fall sei, würden entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet.

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Grafik eines Twittervogels mit Augenmaske und Nullen und Einsen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schwerwiegender Hackerangriff auf Politiker und Prominente

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Von Ministerpräsident Volker Bouffier sind in den Daten Schreiben an CDU-Parteimitglieder zu finden. Ein Sprecher der Staatskanzlei bestätigte am Freitag die Echtheit der Briefe und betonte, dass diese von Bouffier in seiner Funktion als CDU-Chef verschickt wurden.

Private Handynummern und E-Mail-Adressen von Politikern

Nicht alle geleakten Daten sind noch aktuell: Von SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel ist eine Handynummer enthalten, die nach Aussage eines Sprechers veraltet ist. Eine erste Durchsicht ergab, dass sich zu weiteren Spitzenpolitikern aller Parteien neben öffentlich verfügbaren Informationen auch persönliche Daten wie Privat- und E-Mail-Adressen sowie Handynummern finden. Wie aktuell diese Daten sind, ist unklar.

FDP-Landeschef Stefan Ruppert bestätigte dem hr, auch seine Handynummer sei veröffentlicht worden. Er habe seit Donnerstag zwei SMS aus unbekannter Quelle bekommen - diese seien freundlich gewesen und hätten seine Arbeit gelobt. Seine Nummer wolle er vorerst behalten.

Zu den Betroffenen zählen neben den Genannten auch Innenminister Peter Beuth (CDU), Grünen-Parteichef Kai Klose, Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) aus Gießen sowie der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Michael Boddenberg.

Keine politisch brisanten Dokumente

Unter den Informationen zu hunderten Politikern bundesweit finden sich auch abgelichtete Personalausweise, Briefe, Rechnungen oder Einzugsermächtigungen für Lastschriftverfahren. Sogar private Fotos, Chats mit Familienmitgliedern oder Kreditkarteninformationen aus dem Familienkreis stehen online.

Politisch brisante Dokumente sind nach Informationen des rbb aber offenbar nicht enthalten. Die Informationen seien zwar nach Parteien und Politikern sortiert, ansonsten scheinen sie aber wahllos und ohne erkennbares System zusammengestellt zu sein. Es dränge sich der Eindruck auf, dass die Kriminellen alles ins Netz gestellt hätten, was sie gefunden hätten, berichtet der rbb.

Krisensitzung des nationalen Cyber-Abwehrzentrums

In welcher Absicht die Informationen veröffentlicht wurden, ist völlig unklar. Nach tagesschau-Informationen kam das nationale Cyber-Abwehrzentrum am Freitagmorgen zu einer Krisensitzung zusammen. Dazu zählen Verfassungsschutz, BKA und BND. Der Twitter-Account des unbekannten Hackers ist seit Freitagmittag nicht mehr aufzurufen.