Kunden desinfizieren ihre Hände am Eingang eines Textilgeschäfts auf der Frankfurter Zeil.

In Hessen dürfen drei Gemeinden das Prinzip "Tübinger Modell" ausprobieren. Bis 1. Mai sollen hier kontrollierte Öffnungen erprobt werden. Auch Abbruch-Szenarien sind jetzt schon klar.

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Auch in Hessen wird es bald Corona-Modellkommunen geben. Bis 1. Mai können Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Kultureineinrichtungen in Baunatal (Kassel), Alsfeld (Vogelsberg) und Dieburg kontrolliert für Menschen mit einem aktuellen, negativen Corona-Test-Ergebnis öffnen.

Die Kommunen können den Beginn des Modells selbst festlegen. "Wir sind der Überzeugung, dass das verantwortet werden kann", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag, fügte aber hinzu: "Wir müssen dabei sehr vorsichtig sein."

Insgesamt bewarben sich knapp 100 Kommunen und Landkreise für das Modell. Bouffier und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) betonten, dass nur kleinere Kommunen in Betracht gezogen wurden. Diese sollten zudem in verschiedenen Kreises des Landes liegen. "Außerdem musste das jeweilige Gesundheitsamt vor Ort zustimmen", so Klose. Alsfeld und Dieburg haben jeweils rund 16.000, Baunatal knapp 28.000 Einwohner.

"Wir schaffen damit ein Stück weit Perspektive"

Wenn sich der Test in den drei Kommunen als erfolgreich erweise, könne er, so Bouffier, erweitert werden für Städte und Kreise, die noch nicht zum Zuge kamen. "Wir wollen daraus Erkenntnisse gewinnen. Das ist die Grundüberlegung", betonte Bouffier: "Wir schaffen damit ein Stück weit Perspektive."

Es gibt daher Kriterien, die die Kommunen während der Testphase einhalten müssen. Die Sieben-Tage-Inzidenz muss beispielsweise stabil unter 200 liegen. Dazu müssen die Kommunen ausreichend Tests bereitstellen und deren Finanzierung sichern. Sollten die Krankenhäuser vor Ort überlastet sein, die Inzidenz über 200 liegen oder die Kontaktverfolgung nicht mehr möglich sein, wird der Versuch abgebrochen.

Merkel gegen das Projekt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte das Prinzip dieser Modellregionen am Sonntag in der ARD-Talksendung "Anne Will". Mit Blick auf das Saarland, wo Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ebenfalls ein solches Projekt plant, sagte sie, dass es aufgrund der Corona-Infektionslage nicht der richtige Zeitpunkt für derlei Planungen sei. "Wir müssen die dritte Welle brechen", betonte die Bundeskanzlerin.

Dieburg öffnet für alle - in begrenzter Zahl

Dieburg will Mitte April starten, wann genau, das ist noch unklar. Dann werden der Einzelhandel in der Fußgängerzone und auch im Gewerbegebiet Nord sowie die Außengastronomie unter Auflagen öffnen.

Für den Besuch soll es eine begrenzte Anzahl an Tagestickets geben - die sollen dann nicht nur für Menschen aus Dieburg und dem Landkreis sein, sondern auch für Personen aus anderen Kreisen und Gemeinden. Um die umfangreiche Testung möglich zu machen, sollen "zwei bis drei" neue Teststellen entstehen.

Euphorie in Alsfeld

Der Alsfelder Bürgermeister Stephan Paule (CDU) zeigte sich sehr erfreut, dass seine Stadt ausgewählt wurde. Erste Schritte habe man mit der Schaffung von Testkapazitäten bereits unternommen, diese würden nun weiter ausgebaut. Der Modellversuch beginne am 8. April, dem Donnerstag nach Ostern.

Kunden könnten dann ihre tagesaktuellen negativen Corona-Tests in Geschäften vorlegen und nach der Abgabe ihrer Kontaktdaten einkaufen. Für die Einzelhändler vor Ort sei die Entscheidung eine gute Nachricht. Sie hofften, dass sie ihre Umsatzeinbußen etwas eindämmen könnten, sagte Paule.

Test als "Eintrittskarte" in Baunataler Innenstadt

In Baunatal sei das Modell auf die Innenstadt begrenzt, um eine Kontrolle der Maßnahmen gewährleisten zu können, teilte die Stadt dem hr mit. Im Innenstadtbereich soll der negative Schnelltest als "Eintrittskarte" funktionieren - allerdings nur für Baunataler Bürger. Die dürfen dann im Restaurant sitzen, ins Kino und einkaufen gehen.

"Es ist eine große Freude, dass wir einen aktiven Beitrag mit einem solchen Projekt leisten dürfen", sagte die Baunataler Bürgermeisterin Silke Engler (SPD). Noch gibt es allerdings keinen Starttermin, der sei jedoch "zügig" geplant, hieß es von der Stadt. Denn am 1. Mai wird das hessische Modellprojekt schon wieder enden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.03.2021, 19.30 Uhr