Stefan Naas Portrait

Die hessische FDP geht mit einem neuen Spitzenkandidaten in die Landtagswahl 2023. Dazu hat die Partei den 48-jährigen Stefan Naas bestimmt. Diese Entscheidung hat der Vorstand in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig getroffen.

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Stefan Naas ist neuer FDP-Spitzenkandidat

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Die FDP will mit einem neuen Spitzenkandidaten in die Landtagswahl im kommenden Jahr gehen. Statt des Fraktionsvorsitzenden René Rock soll Stefan Naas die Freien Demokraten in den Wahlkampf führen. Eine entsprechende hr-Meldung vom Dienstag bestätigte die Partei am Mittwoch offiziell. Der Landesvorstand habe Naas einstimmig vorgeschlagen.

Themen Wirtschaft und Infrastruktur voran treiben

Naas betonte am Mittwoch in Wiesbaden seine Freude über das klare Votum. "Es ist für mich gleichermaßen Auftrag und Ansporn aufzuzeigen, wie wir Freie Demokraten Hessen aus dem unter Schwarz-Grün eingetretenen Mittelmaß herausholen wollen. Wir brauchen jetzt Fortschritt statt Durchschnitt." Er wolle besonders die Themen Wirtschaft und Infrastruktur voran bringen. "Dafür braucht es einen klaren marktwirtschaftlichen Kompass statt Ideologien." Das gelte aufgrund der aktuellen Krisen und weil die amtierende Landesregierung diese Themen "sträflich missachtet".

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Stefan Naas soll René Rock an FDP-Spitze ablösen

Landtag 280219
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Naas sei nicht nur der Spitzenkandidat, sondern auch der Bewerber um einen Ministerposten in der nächsten Landesregierung, betonte die die FDP-Landesvorsitzende Bettina Stark-Watzinger am Mittwoch. "Stefan Naas ist ein erfolgreicher Landes- und Kommunalpolitiker sowie überzeugter Verfechter liberaler Politik, der breite Erfahrungen in politischer Gestaltung und aus Verwaltungen mitbringt."

Neun Jahre Bürgermeister im Hochtaunuskreis

Mit Stefan Naas übernimmt jemand, der aus dem Lehrbuch des klassischen FDP-Abgeordneten stammen könnte: gelernter Bankkaufmann, danach Jurastudium und Promotion, Arbeit im Finanzamt, im Wirtschafts- und Finanzministerium, schließlich wurde er zum ersten FDP-Bürgermeister im Hochtaunuskreis gewählt, in seiner Heimatgemeinde Steinbach.

Das blieb er über neun Jahre lang, bevor er in den Landtag wechselte. Dort machte der heute 48-Jährige als angriffslustiger Redner schnell klar, dass er sich dauerhaft nicht auf der Hinterbank des Parlaments sieht. Nun beerbt Naas laut hr-Informationen seinen Fraktionsvorsitzenden René Rock als Gesicht der FDP-Wahlkampagne, angeblich in beiderseitigem Einvernehmen.

René Rock setzte auf Soziales

Mit Rock als Spitzenkandidaten hatte die FDP bei der vergangenen Wahl 2,5 Prozentpunkte dazugewonnen und war mit 7,5 Prozent in den Landtag eingezogen. Die einzige - wenn auch unwahrscheinliche - Chance auf eine Regierungsbeteiligung der FDP wäre eine Ampel unter grüner Führung gewesen. Die FDP lehnte es damals allerdings grundsätzlich ab, einen Grünen-Politiker zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Vorsitzender der Landtagsfraktion René Rock.

René Rock ist nicht der typische FDP-Vertreter für Wirtschaftsthemen. Sein Herzblut gilt vor allem frühkindlicher Bildung, er macht sich beispielsweise seit Jahren für einen Landeselternbeirat für den Kita-Bereich stark. Das macht ihn für viele sympathisch, aber nicht gerade zum unangefochtenen Spitzenmann einer FDP, die auf wirtschaftlichem und finanziellem Feld punkten will. Dabei hat er zusammen mit der SPD einen erfolgreichen Kampf gegen den Corona-Fonds der Landesregierung geführt; dieser wurde schließlich für verfassungswidrig erklärt.

FDP sucht ihre Rolle

Der Auftrag der FDP an Naas als Spitzenkandidat wird sein, die Partei zurück in die hessische Landesregierung zu führen. Dieses Ziel dürfte nicht einfach zu erreichen sein: wenn CDU, Grüne und SPD wie erwartet mit Boris Rhein, Tarek Al-Wazir und vermutlich auch Nancy Faeser in den Wahlkampf ziehen, wird die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen politischen Schwergewichten liegen. Eine vergleichsweise kleine Partei wie die FDP wird um Aufmerksamkeit hart kämpfen müssen und wird für die Regierungsbildung womöglich gar nicht gebraucht.

Publicity bekommt sie dafür durch ihre Arbeit in der Ampelkoalition im Bund – aber derzeit auch nicht die gewünschte. An der Parteibasis wird vor allem die Politik von Finanzminister Christian Lindner mit sehr viel Unruhe verfolgt. Die FDP, die eigentlich für finanzielle Solidität stehen wollte, ist plötzlich die Partei, die schuldenfinanzierte Sonderfonds in Milliardenhöhe für Klimaschutz oder das Militär auflegt – genau das, was sie in Hessen vor Gericht gestoppt hat.

Keine einfache Ausgangslage also für die FDP und ihren künftigen Spitzenkandidaten. Deshalb könnte es gut sein, dass die Spitzenkandidatur gar nicht in die erste Reihe, sondern doch auf einen hinteren Platz führt. Dann nämlich, wenn der Mann an der Spitze nicht das Ergebnis liefert, das er liefern soll.

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