Eine Maske hängt an einem Tisch im Klassenzimmer am Haken, an dem früher die Schultaschen hingen. Im Hintergrund sind unscharf Schüler mit Masken an Tischen sitzend zu sehen.

In den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien müssen sich Schüler dreimal pro Woche testen lassen. Die Maske am Platz feiert auch ein Comeback. So will Kultusminister Lorz die Auswirkungen durch Reiserückkehrer eindämmen.

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Um das Infektionsrisiko an den Schulen möglichst gering zu halten, werden die Corona-Regeln in den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien verschärft. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Montag in einer Pressekonferenz mit.

Demnach müssen Schülerinnen und Schüler dreimal und nicht wie bisher nur zweimal pro Woche einen Schnelltest machen. Außerdem wird die Maskenpflicht auch am Platz während des Unterrichts für diesen Zeitraum wieder angeordnet. Diese war im Zuge der Lockerungen zum 25. Juni abgeschafft worden. Die Entscheidung war bei den Schülern selbst und bei Gewerkschaften umstritten. Lorz sagte am Montag, es bestehe für die zwei Wochen nach den Ferien zudem die dringende Empfehlung zum Tragen der Maske "im Freien bei Einschulungsfeiern und vergleichbaren Schulveranstaltungen".

Appell zum Test nach dem Urlaub

"Wir alle kennen die Problematik der Urlaubsrückkehrer und ihren Einfluss auf die Infektionslage aus dem vergangenen Jahr", sagte Lorz. Deshalb sei mit Vertretern der Schul- und Lehrerverbände beschlossen worden, "die Vorkehrungen für einen Übergangszeitraum noch einmal zu verschärfen". Der Schulstart sei entscheidend für den weiteren Verlauf des Schuljahres, betonte der Minister. Lorz appellierte an Familien, sich bei der Rückkehr aus dem Urlaub vor dem ersten Schultag testen zu lassen.

Präsenzunterricht in allen Schulformen geplant

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"In der Hoffnung, dass die positive Pandemielage ebenso anhält wie die Impfung der Bevölkerung, beabsichtigen wir, im neuen Schuljahr landesweit und in allen Schulformen im Präsenzunterricht zu starten", kündigte Lorz weiter an. Er sprach von einem regulären Schulbetrieb an fünf Tagen die Woche ohne gravierende Einschränkungen.

Nach dem Übergangszeitraum von zwei Wochen gelte die Maskenpflicht am Platz nicht mehr. Aber ab einer Inzidenz von 50 werde diese wieder eingeführt, sagte Lorz. Sollte in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die 7-Tage-Inzidenz über 100 steigen, würde gemäß des Eskalationskonzepts des Landes Wechselunterricht angeordnet, sagte der Minister.

Lorz: "Anlagen ersetzen Lüften nicht"

Nach Lorz' Angaben werden zum Schuljahresbeginn alle Lehrkräfte, die es wollen, vollständig geimpft sein. Der Minister rief Eltern auf, mit ihren Kinder- und Jugendärzten die Möglichkeiten einer individuellen Impfung für Kinder zu besprechen.

Zu den "derzeit intensiv diskutierten Luftreinigungsanlagen" sagte Lorz, diese "könnten unter gewissen Bedingungen unterstützen". "Ersetzen können sie das Lüften aber nicht, wie neueste Studien zeigen", betonte der Minister. Als Land unterstütze man die Schulträger auch künftig bei der Anschaffung von Luftfiltern. So stünden aktuell noch 40 Millionen Euro für Schutzmaßnahmen an Schulen zur Verfügung.

FDP fordert vereinfachte Luftfilter-Beschaffung

Die CDU-Landtagsfraktion sprach von einem ausgereiften Corona-Konzept. Die Grünen teilten mit, Masken, Tests und Impfungen würden den Schulbetrieb sichern. Die FDP kritisierte, Lorz betone immer die Bedeutung des Lüftens. Das allein reiche aber nicht aus, sagte Landesvorsitzende Bettina Stark-Watzinger. Das Umweltbundesamt habe seine Einschätzung aktualisiert und empfehle nun den Einsatz von mobilen Luftfiltern in Räumen. Es gelte jetzt, "den notwendigen politischen Willen freizusetzen, aber auch unsinnige bürokratische Hemmnisse abzubauen".

Die Landesregierung müsse die Antragsverfahren zur Anschaffung der Filtergeräte vereinfachen. "Sofern die Schulleitungen aus einer zentralen Empfehlungsliste des Landes mobile Geräte für ihre Schule für sinnvoll erachten, sollte die Anschaffung nahezu automatisiert und zügig durch die kommunalen Schulämter erfolgen", forderte Stark-Watzinger.

Linke: Keine Strategie und zu wenig digitale Geräte

Die Linke kritisierte, Lorz' Motto "Augen zu und durch" sei fahrlässig. Eine wirkliche Strategie sei nicht zu erkennen, sagte die Abgeordnete Elisabeth Kula. "Würde das Infektionsgeschehen wieder zunehmen, bliebe zu befürchten, dass die Schulen erneut kurzfristig Konzepte erarbeiten und umsetzen müssen."

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Portrait Kultusminister Alexander Lorz von der CDU.
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Dazu komme, "dass auch nach über 15 Monaten weder alle Schülerinnen und Schüler noch alle Lehrerinnen und Lehrer mit arbeitsfähigen digitalen Endgeräten ausgestattet sind", kritisierte Kula.

SPD fordert Tests an fünf Tagen

Die SPD-Landtagsfraktion forderte die Landesregierung auf, Testkapazitäten an Schulen in den ersten zwei Wochen nach den Ferien für volle fünf Tage zur Verfügung zu stellen. Dafür müssen auch externe Anbieter an den Schulen zugelassen werden, sagte der Abgeordnete Christoph Degen.

Dass Lorz nicht mit einem normalen Schulbetrieb rechne, sei angesichts seiner Äußerungen offensichtlich. Degen kritisierte, der Minister habe "zu seinem Scheitern, eine einheitliche Videokonferenzlösung für alle Schulen zum Schulstart anzubieten", kein Wort verloren.

Neues Videosystem für Schulen verspätet sich

Das geplante System kann nicht wie geplant nach den Ferien starten, da es nach Angaben des Kultusministeriums Verzögerungen im Vergabeverfahren gibt. Ein unterlegener Anbieter habe einen Nachprüfungsantrag gestellt, der nun zunächst überprüft werden müsse.

Aus Datenschutzgründen hätten die Schulen ihren Distanzunterricht eigentlich nach den Sommerferien auf das neue, landesweite System über das Schulportal (Landes-VKS) umstellen müssen. Die coronabedingte Duldung anderer Plattformen wäre dann ausgelaufen, wird aber nun noch einmal verlängert.

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