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Corona-Impfungen noch im Dezember? Dahinter stehen noch einige Fragezeichen. Das Land Hessen bereitet schon sehr konkret eine gigantische Impfaktion für fast vier Millionen Menschen vor. Von der Größe der Impfzentren hat die FDP eigene Vorstellungen.

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Die Hoffnung ist groß, die Ungewissheit ist es auch. Aber das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer sind zuversichtlich, ihren Corona-Impfstoffkandidaten vielleicht sogar schon im Dezember einsetzen zu dürfen. In der hessischen Landesregierung laufen die Vorbereitungen für diesen Fall schon sehr konkret. Nach hr-Informationen haben Innen- und Gesundheitsministerium in Wiesbaden eine erste Strategie, möglichst schnell insgesamt rund 3,8 Millionen Hessen gegen das Virus impfen zu lassen.

Das wären etwa 60 Prozent der hessischen Bevölkerung – ein Wert, bei dem mit einem Stopp der Ausbreitung des Virus infolge einer Herdenimmunität gerechnet wird. Da mit zeitlichem Abstand zwei Impfungen bei jedem Patienten nötig sind, muss die Verteilung und die Verabreichung von knapp acht Millionen Impfdosen organisiert werden.

Sieben-Tage-Betrieb in 30 Zentren

Die grobe Rechnung lautet derzeit: An 30 Impfstellen im ganzen Bundesland werden jeweils 1.000 Menschen täglich geimpft – und das an allen sieben Tagen in der Woche. Liefe bei diesem Kraftakt alles wie gedacht, wäre die größte konzertierte Impfaktion Hessens so in einem Zeitraum von knapp 260 Tagen vollendet - nicht ganz neun Monaten also.

Dazu wären logistisch jede Menge Hürden zu nehmen. In Arztpraxen wäre das nicht zu bewerkstelligen, aber in großen Hallen und Bürgerhäusern. Die Regierung erwägt unter anderem, Helfer aus dem Katastrophenschutz zu aktivieren. Auch spezialisierte private Dienstleister – nicht zuletzt Labore – würden noch gebraucht.

Lieber vier riesige Impfzentren?

Die FDP-Landtagsfraktion forderte das Land am Freitag auf, die Weichen so zu stellen, dass von Mitte Dezember an geimpft werden kann. Ihr gesundheitspolitischer Sprecher Yanki Pürsün sagte, das Impfen werde besser auf vier sehr große Zentren konzentriert. Er nannte die Frankfurter Messe und den Flughafen als Beispiele.

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Ziel muss laut Fraktionschef René Rock eine Infrastruktur sein, die bis zum Sommer eine Impfung der halben Bevölkerung Hessens ermöglicht. Im Dezember solle der Landtag darüber befinden. Als Verstärkung müssten Betriebssärzte genauso berücksichtigt werden wie mobile Impfzentren.

Tiefkühllager benötigt

Die Landesregierung geht davon aus, dass der Biontech-Impfstoff aus Mainz der erste sein wird, auf den auch Hessen zurückgreifen kann. Die Impfung damit soll nach jüngsten Angaben des Unternehmens eine ungewöhnlich hohe Wirkung von 95 Prozent haben. Noch ist aber unklar, wann und in welchen Mengen der Impfstoff beschafft werden kann. Das läuft über den Bund, der den Impfstoff auch bezahlt.

Auch Transport und Lagerung werden in Wiesbaden durchdacht: Denn der Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden, fünf Tage hält er laut Unternehmen dann bis zur Impfung auch im Kühlschrank.

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Bouffier und Klose sagen am Montag mehr

Offizielle Angaben gab es zur Impfstrategie am Freitag in Wiesbaden auf Anfrage nicht. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums bestätigte lediglich "intensive Vorbereitungen", kündigte "zeitnah" nähere Informationen an. Später kam die Einladung: Am Montag um 11 Uhr werden Ministerpräsident Volker Bouffier, Innenminister Peter Beuth (beide CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) ihre Impfstrategie vorstellen. Angesichts vieler Unwägbarkeiten stehen die Verantwortlichen auch bei Kommunikation vor einem Problem: Sie wollen keine falschen Erwartungen bei den Bürgern wecken.

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Ethische Frage: Wer zuerst?

In jedem Fall werden für längere Zeit längst nicht alle Impfwilligen zum Zuge kommen. Die bisherigen Pläne in Deutschland sehen vor, dass zunächst Risikogruppen an der Reihe sind: alte und chronisch kranke Menschen. Auch das medizinisch-pflegerische Personal genösse Priorität. Dann könnten Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und andere Berufsgruppen, die als "systemrelevant" gelten, folgen.

Ein weiteres Problem, das in den Ministerien ausgemacht worden ist: Die Menschen aus dem ersten Impfdurchgang müssen auch dazu gebracht werden, zum zweiten zu erscheinen. Bei Biontech lägen zwischen erster und zweiter Impfstoffgabe etwa drei Wochen.

Klar ist auch für Hessen: Zwangsimpfungen soll es nicht geben. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gerade noch einmal für ganz Deutschland versichert.

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Notzulassung in USA beantragt

Die Zulassung von BNT162b2, wie der Impfstoffkandidat von Biontech und Pfizer heißt, rückt näher. Am Freitag wurde in den USA die Notfallzulassung beantragt. Bei einer Genehmigung könnten innerhalb weniger Stunden erste Dosen ausgeliefert werden, teilten die Unternehmen mit. Eine Zulassung würde eine Versorgung mit dem Impfstoff von Hochrisiko-Patienten in den USA noch vor Jahresende ermöglichen. Der Impfstoffkandidat wird bereits seit Anfang Oktober auch von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren beschleunigt für die Zulassung geprüft.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.11.2020, 19:30 Uhr