Schüler und Schülerinnen im Unterricht

Über 300 neue Lehrerstellen, zusätzliche Deutschstunden und Vorschulkurse: Das Kultusministerium will die Sprachkompetenz von Schülern fördern. Das "Schreiben nach Gehör" ist nicht mehr zulässig.

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Um die Schüler und Schülerinnen beim Deutschlernen zu unterstützen, hat das hessische Kultusministerium ein neues Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Im Fokus steht dabei, die Lesekompetenz der Schüler und Schülerinnen zu fördern und ihre Fähigkeit, mit Texten und Sprache umzugehen.

Das Programm soll dabei im Vorschulalter ansetzen. Jedes Kind solle so vom ersten Tag an im Unterricht mitreden und Kontakte knüpfen können, betonte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag bei der Vorstellung in Wiesbaden. "Dafür ist das Erlernen der deutschen Sprache von entscheidender Bedeutung." Ohne entsprechende Kenntnisse sei die Schullaufbahn von Beginn an mit einer "schweren Hypothek" belastet.

Von der Vorschule bis zu den Abschlussklassen

Die neuen Maßnahmen umfasse Bildungsstationen der Schüler und Schülerinnen bis zu den Abschlussklassen 9 und 10, Kindern mit und ohne Migrationshintergrund soll dadurch beim Deutschlernen geholfen werden.

Das Paket sei auch ein wichtiger Baustein für mehr Chancengleichheit und angesichts der Folgen der Corona-Pandemie auf den Schulbetrieb wichtiger denn je, so Lorz. Und das ändert sich konkret für die Schüler in Hessen:

  • Vom kommenden Schuljahr 2021/22 an soll es Pflichtkurse für alle Kinder im Vorschulalter mit Deutschproblemen geben.
  • Fehler sollen in der ersten Klasse - ab dem zweiten Schulhalbjahr 2021/22 - korrigiert werden.
  • Lernmethoden wie "Schreiben nach Gehör" sind nicht länger zulässig.
  • In den vierten Klassen wird es eine zusätzliche Deutschstunde geben.
  • Zum Schuljahr 2022/23 soll verbindlich eine "verbundene Handschrift" angewendet werden.
  • Ab den Schuljahr 2022/22 gilt auch ein Grundwortschatz, den alle Kinder bis zum Verlassen der Grundschule kennen müssen.
  • In den Jahrgangsstufen 9 und 10 soll ein "Fehlerindex" eingeführt werden, der die Benotung beeinflusst.
  • Für die Extra-Deutschstunde und die Vorschulkurse sind insgesamt 310 neue Stellen vorgesehen.
  • Eingeplant sind außerdem Maßnahmen zur Leseförderung, Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Projekte mit der Stiftung Lesen und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt.

Hintergrund des Maßnahmenpakets ist dem Ministerium zufolge eine - auf Initiative Hessens - Ende 2019 ausgesprochene Empfehlung der bundesweiten Kultusministerkonferenz (KMK) zur Stärkung bildungssprachlicher Kompetenz.

SPD und GEW kritisieren Pläne

Die neuen Vorgaben sorgten bei der SPD-Fraktion im Landtag und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen für Kritik. Christoph Degen, bildungspolitische Sprecher der SPD, betonte, dass Hessen auch mit der geplanten zusätzlichen Stunde Deutsch zu den Bundesländern mit der geringsten Stundenzahl im Grundschulbereich gehöre. Er warf Lorz vor, mit dem neuen Maßnahmenpaket von der "gescheiterten Corona-Schulpolitik" ablenken zu wollen.

Susanne Hoeth, zuständig für den Bereich Grundschulen bei der GEW Hessen, bezeichnete die neuen Vorgaben als "Ohrfeige" für alle Lehrkräfte an den Grundschulen. Mehrere der angekündigten Maßnahmen wiesen in die falsche Richtung, behinderten einen erfolgreichen Spracherwerb eher.

Anstatt das Grundschullehramt und die Bezahlung der Grundschullehrkräfte zu verbessern, hagelte es nun "rigide Verbote" und konkrete Vorgaben, die einen guten Unterricht erschweren würden. "Ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer wissen am besten, anhand von welchen Methoden sich der Schriftspracherwerb unter den konkreten Bedingungen vor Ort erfolgreich gestalten lässt."

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