Ein Arzt verabreicht einer Frau eine Corona-Impfung (dpa)

Vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt? Für Ungeimpfte in Hessen dürfte das bald teuer werden. Wie auch andere Länder will Hessen den Verdienstausfall nicht mehr zahlen.

Videobeitrag

Video

zum Video Druck auf Ungeimpfte steigt

hessenschau vom 10.09.2021
Ende des Videobeitrags

Wer nicht geimpft und mit einem positiv auf Corona Getesteten in Kontakt geraten ist – auf der Arbeit, im Restaurant oder anderswo – den schicken die Gesundheitsämter bis zu zwei Wochen lang vorbeugend in Quarantäne.

Bislang ersetzt der Staat den daraus resultierenden Verdienstausfall. Damit wird auch Hessen mit ziemlicher Gewissheit demnächst Schluss machen. Und zwar dann, wenn die Betroffenen sich schon hätten impfen lassen können.

Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) bestätigte dem hr am Donnerstag Medienberichte über entsprechende Pläne der Landesregierung - wenn auch zurückhaltend: "Wir diskutieren, wie wir das angehen", sagte Klose. Einen konkreten Termin, ab wann dies gelten wird, könne er aber noch nicht nennen.

Nachbarländer machen es schon

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Gesundheitsminister Klose: "Damit rechnen, dass kein Verdienstausfall gezahlt wird"

Sozialminister Klose bei einer Pressekonferenz
Ende des Audiobeitrags

Zuerst hatten FAZ und Bild über die Pläne berichtet. Das Corona-Kabinett des Landes trifft sich am Montag und könnte dann eine Entscheidung treffen, die in zwei Nachbarbundesländern bereits gefallen ist. Baden-Württemberg stoppt die Zahlungen für Ungeimpfte ab 15. September, Rheinland-Pfalz ab 1. Oktober. Für Meldungen, wonach Hessen ebenfalls Anfang Oktober so verfahren will, gab es zunächst keine Bestätigung der Landesregierung.

Klose wies darauf hin, dass das neue Infektionsschutzgesetz des Bundes keine solche Entschädigung mehr vorsehe, wenn Betroffene die Quarantäne durch Impfung hätten vermeiden können. Bislang haben die Bundesländer laut FAZ bereits rund 600 Millionen Euro für Verdienstausfälle in Quarantäne-Zeiten gezahlt. Das lief weitgehend so, dass die Unternehmen den Lohn in allen Quarantäne-Fällen zahlten und vom Staat über das Land Hessen entschädigt wurden.

Wer geimpft ist und Kontakt mit einem Infizierten hatte, muss in der Regel keine Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamtes befürchten. Denn er trägt nicht nur ein viel geringeres Risiko, selbst schwer zu erkranken. Er ist auch für andere eine geringere Gefahr, ansteckend zu sein.

Erst 60,9 Prozent voll geimpft

Neben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Mittwoch auch Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), die Pläne der Länder begrüßt. Hintergrund sind neben den finanziellen Belastungen auch die Sorgen vor einer neuen Corona-Welle, weil bislang erst gut 60 Prozent der Menschen in Deutschland vollen Impfschutz gegen Corona haben.

In Hessen lag die Quote der als vollständig vollständig geimpft registrierten Menschen laut RKI bis einschließlich Mittwoch bei 60,9 Prozent, die der einmal Geimpften bei 65,9 Prozent.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 10.9.2021, 19.30 Uhr