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Am Sonntag beginnt die UN-Klimakonferenz in Glasgow. Junge Menschen müssten dort endlich mitentscheiden dürfen, findet Alexandra Struck aus Oberursel. Die 24-Jährige reist als Beobachterin zum Gipfel. Wie sie dort mitwirken will, erzählt sie im Interview.

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Live dabei sein, wenn die Welt über den Klimaschutz verhandelt: Als eine von wenigen Aktivisten in ihrem Alter nimmt Alexandra Struck aus Oberursel (Hochtaunus) an der UN-Klimakonferenz teil, die in diesem Jahr im schottischen Glasgow stattfindet. Die 24-Jährige ist dort zwei Wochen lang als Beobachterin ganz nahe dran an den Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs. Von diesem Sonntag bis zum 12. November debattieren die Delegationen aus aller Welt über den Kampf gegen die globale Erderwärmung und über Wege zur angestrebten Klimaneutralität.

Alexandra Struck gehört der Delegation von Friends of the Earth an, dem internationalen Netzwerk des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Geografie-Studentin hofft, sich auf der UN-Konferenz mit Politikern und anderen Klimaaktivisten austauschen zu können. Seit zehn Jahren setzt sie sich ehrenamtlich innerhalb der Jugendorganisation des BUND für den Klimaschutz ein und ist Mitglied im Bundesvorstand der BUNDjugend.

Klimaaktivistin Alexandra Struck malt ein Plakat

hessenschau.de: Frau Struck, Sie sind in diesem Jahr in der Rolle als Beobachterin auf der Klimakonferenz - was heißt das genau?

Alexandra Struck: Ich bin ein Teil vieler unterschiedlicher Gruppen aus der Zivilgesellschaft, die diese Konferenz begleiten, beobachten und darüber berichten. Als Beobachterin habe ich die Aufgabe, in die Veranstaltungen reinzugehen und rauszutragen, was dort besprochen wurde, und gleichzeitig zu gucken, was gut oder was vielleicht schlecht läuft.

Wirklich auf die Verhandlungen einwirken kann ich aber nur sehr schwer, weil dort nur die Delegierten der Staaten sprechen dürfen. Ich kann mich aber beispielsweise bei Treffen mit den Delegationen, auf Netzwerkevents, Demonstrationen oder in Diskussionsrunden einbringen, die neben den offiziellen Verhandlungen stattfinden.

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„Es müssen mehr junge Menschen am Verhandlungstisch sitzen.“
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hessenschau.de: Die diesjährige Klimakonferenz ist nicht Ihre erste. Sie waren schon 2017 in Bonn und 2018 in Kattowitz dabei. Wie genau läuft so ein Gipfel ab?

Alexandra Struck: Die offiziellen Konferenzen, in denen verhandelt wird, gehen von 10 bis 18 Uhr. Der ganze Klimakonferenztag ist aber deutlich länger. Wie er strukturiert ist, hat damit zu tun, in welchen Gruppen man organisiert und aktiv ist oder welche Workshops oder Strategiemeetings man besuchen möchte. Die finden meistens schon vor oder parallel zu den offiziellen Konferenzen statt. Tagsüber gibt es also dauerhaft Programm. Da muss man sich auch gut einteilen, wann man mal eine Mittagspause macht.

Außerdem gibt es natürlich Abendveranstaltungen - da kann es dann auch mal sein, dass man das Konferenzgelände erst um 22 Uhr verlässt. Generell kann man also sagen, dass Essen und Schlafen auf den Konferenzen Mangelware sind und es meist sehr anstrengende Tage sind.

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UN-Klimakonferenz 2021

Die UN-Klimakonferenz ist eine jährlich stattfindende politische Versammlung, bei der alle vertraglichen Partner der UN-Klimarahmenkonvention teilnehmen. Die diesjährige Konferenz sollte schon im November 2020 in Glasgow stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie verschoben und findet nun vom 31. Oktober bis 12. November statt. Insgesamt nehmen Delegationen von 197 Staaten daran teil. Sie haben sich vertraglich auf ein Klimaschutzabkommen verständigt, um die von Menschen verursachte Erderwärmung deutlich abzuschwächen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu stoppen.

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hessenschau.de: Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig?

Alexandra Struck: Mir persönlich ist besonders die Rolle junger Menschen bei der Mitgestaltung der Klimakonferenz wichtig. Junge Menschen spielen in der internationalen Klimapolitik leider überhaupt keine Rolle. Es wird immer so schön gesagt, dass wir die Zukunft sind. Wir sind aber nicht nur die Zukunft, wir sind auch schon die Gegenwart.

Deshalb muss man uns und unsere Bedürfnisse jetzt mitnehmen. Ich habe das Gefühl, dass sich junge Menschen für politische Vertreterinnen und Vertreter oft sehr gut dafür eignen, schicke Fotos zu machen. Aber dass junge Menschen tatsächlich beteiligt werden, davon sind wir noch sehr weit weg. Und das ist ein wichtiger Punkt, wo ich sage: So geht es nicht weiter.

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„Das Ziel der Klimaneutralität sollte nicht auf 2050 verschoben werden.“
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Und natürlich erhoffe ich mir, dass noch mehr Länder in diesem Jahr höhere Ambitionen in Sachen Klimaschutz an den Tag legen. Seit der Klimakonferenz in Paris 2015 mussten die Länder höhere Ambitionen einreichen - beispielsweise den CO2-Ausstoß weiter verringern. Das haben bis vergangenes Jahr die meisten Länder gemacht. Und meine Hoffnung ist, dass andere Länder hier in diesem Jahr noch nachlegen.

hessenschau.de: Das heißt, die Ziele, die bisher bei den Klimakonferenzen gesetzt wurden, reichen Ihnen noch nicht aus?

Alexandra Struck: Nein, die Ziele reichen definitiv nicht aus. Das Pariser Klimaabkommen setzt ja das Ziel fest, die durchschnittliche Erderwärmung im Jahr 2100 im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf möglichst plus 1,5 Grad zu begrenzen. Aber über den Weg dahin wird seit Jahren gestritten. Fakt ist auch, dass die Ziele, die sich die Länder bisher gesetzt haben, alle nicht reichen, um 1,5 Grad zu erreichen. Und da sind dringend Handlungen erforderlich.

Auch bei der Klimaneutralität: Es war einmal die Rede davon, dass man dieses Ziel bis zum Jahr 2030 schaffen soll. Aber jetzt fällt vielen Ländern auf, dass es bis 2030 gar nicht mehr lange hin ist und man das nicht schaffen kann, wenn man so weitermacht wie bisher. Viele Länder sagen deshalb jetzt, dass wir bei dem Thema besser das Jahr 2050 als Ziel setzen sollten, und wollen sich so vor der Verantwortung drücken. Und das dürfen wir nicht zulassen.

hessenschau.de: Wie gehen Sie mit der Tatsache um, dass viele wichtige Fragen der Zukunft auf der Klimakonferenz nicht so leicht gelöst werden können?

Alexandra Struck: Das belastet einen tatsächlich schon. Deshalb sind die zusätzlichen Veranstaltungen von den verschiedenen Gruppen aus der Zivilgesellschaft für mich auch so wichtig. Oder auch die inspirierenden Klimaaktivistinnen aus der ganzen Welt - wir müssen uns gegenseitig Kraft geben und gegenseitig vom Engagement lernen und Energie tanken. Und dann ist es eben auch wichtig, dass man abends mal nett essen oder auf eine Party jenseits der Verhandlungen geht. Denn so eine Konferenz kann, wenn man sich diese ganz platt anschaut, sehr ernüchternd sein.

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„Ich habe die Hoffnung auf eine internationale Klimapolitik noch nicht aufgegeben.“
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hessenschau.de: Trotz dieser Beobachtungen - haben Sie den Eindruck, dass die Klimakonferenz wirklich etwas bringt?

Alexandra Struck: Ich glaube noch an die Klimakonferenzen und die internationale Klimapolitik und habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Deshalb fahre ich auch noch hin - und zwar mit der Bahn. Es ist wichtig, dass man sich zusammensetzt und zwei Wochen lang mit nichts anderem beschäftigt. Das ist definitiv besser als Nichtstun. Außerdem sind die zivilgesellschaftlichen Gruppen, die sich dort für ihre Belange einsetzen, wichtig. Ich denke, deren Auftritte lassen viele Regierungschefs nicht kalt. Ob eine Klimakonferenz das allerbeste Format auf der Welt ist, würde ich bezweifeln. Sie hat aber den Vorteil, dass sie sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt und viele Staaten in Handlungszwang bringt.

hessenschau.de: Auch wenn Sie als Beobachterin eher eine passive Rolle auf der Klimakonferenz einnehmen - denken Sie, dass Sie mit Ihrem Einsatz dort etwas bewirken können?

Alexandra Struck: Wahrscheinlich kann ich als einzelne Person mit meinem Einsatz dort recht wenig bewirken. Ob ich da bin oder nicht - das Gesamtergebnis der Konferenz wird sich deshalb nicht ändern. Aber die Masse macht's. Und wenn Politiker und die Regierungen sehen, dass eine große, laute Mengen ihre Stimme erhebt und sich einsetzt, können wir einen Unterschied machen.

Das Interview führte Sophia Luft.

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