Christine Lambrecht am Mittwoch in Berlin bei ihrer Vorstellung.
Christine Lambrecht am Mittwoch in Berlin bei ihrer Vorstellung. Bild © picture-alliance/dpa

Die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht (SPD) aus dem Kreis Bergstraße wird neue Bundesjustizministerin. Sie wurde an ihrem 54. Geburtstag als Nachfolgerin von Katarina Barley vorgestellt und berichtete von einem Gänsehaut-Moment.

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Als Christine Lambrecht am Mittwochmorgen einen Anruf von der SPD-Bundesspitze bekam, rechnete sie zunächst mit Glückwünschen zu ihrem 54. Geburtstag, wie sie am Mittwoch in Berlin berichtete.

Doch nach den Geburstagsgrüßen habe ihr die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus dem kommissarischen SPD-Führungstrio mitgeteilt, dass sie neue Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz werden soll. "Ein Gänsehaut-Moment", sagte Lambrecht bei ihrer Vorstellung in der SPD-Parteizentrale.

Barley-Nachfolge wochenlang offen

Bislang arbeitet Lambrecht als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium. Zudem ist sie stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Mitglied des hessischen SPD-Landesvorstands und seit über 20 Jahren Bundestagsabgeordnete ihres Heimat-Wahlkreises Bergstraße. Sie lebt mit ihrem Sohn in Berlin.

Nun soll die 54-Jährige Nachfolgerin von Katarina Barley werden, die ins Europaparlament wechselt. Seit mehr als einem halben Jahr steht fest, dass Barley nach Brüssel zieht. Doch ihre Nachfolge blieb nach der Europawahl wochenlang offen. Kandidaten hätten abgesagt, hörte man, wollten nicht mehr.

"Ausgewogenheit zwischen Freiheit und Sicherheit"

Nun also Lambrecht. Sie sagte bei ihrer Vorstellung, das Justizressort sei ganz besonders. "Man muss immer darauf achten, für eine Ausgewogenheit zwischen Freiheit und Sicherheit zu sorgen." Es sei aktueller denn je, den Rechtsstaat zu verteidigen.

Sie versprach, direkt loszulegen. Als erstes stehe die Reform der Strafprozessordnung an, sagt sie. Da geht es um schnellere Gerichtsverfahren, vor allem der Richterbund hatte zuletzt Druck gemacht, man könne sich hier keine Verzögerung leisten.

Vornehmen will sich Lambrecht auch betrügerische Geschäftsmodelle im Internet. Außerdem müsse der Rechtsstaat dafür sorgen, dass rechter Terror in Deutschland nie wieder zu Angst führe, sagt sie mit Blick auf den Mordfall Lübcke.

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Christine Lambrecht spricht im Bundestag

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SPD-Ziel: Vereidigung in der kommenden Woche

Begleitet wurde Lambrecht am Mittwoch im Willy-Brandt-Haus in Berlin vom Führungstrio-Mitglied Thorsten Schäfer-Gümbel, der auch hessischer SPD-Vorsitzender ist.

Schäfer-Gümbel lobte Lambrechts Sachverstand in der Innen- und Rechtspolitik. "Es gibt praktisch kein rechtspolitisches Feld, in dem sie sich nicht auskennt." Er habe bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Personalvorschlag informiert.

Laut Koalitionsvertrag hat die SPD das Vorschlagsrecht für die Minister-Nachfolge. Ziel sei Lambrechts Vereidigung und Ernennung in der kommenden Woche, sagte Schäfer-Gümbel.

Seit 1998 im Bundestag

Lambrecht ist Juristin und war von 1985 bis 2001 SPD-Stadtverordnete in Viernheim (Bergstraße) sowie von 1989 bis 1997 Abgeordnete im Kreistag Bergstraße. Seit 1998 ist sie Bundestagsabgeordnete.

Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU nach der Bundestagswahl 2017 leitete sie gemeinsam mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die AG Finanzen und Steuern.

Sendung: hr-iNFO, 19.06.2019, 13:20 Uhr