Andreas Ritzenhoff will es mit Kanzlerin Merkel aufnehmen.
Andreas Ritzenhoff will es mit Kanzlerin Merkel aufnehmen. Bild © Facebook/Screenshot

Der Marburger Unternehmer Andreas Ritzenhoff will es mit Bundeskanzlerin Merkel aufnehmen: Er kandidiert im Dezember für den CDU-Parteivorsitz. Finanzminister Thomas Schäfer und andere Parteikollegen reagieren überrascht bis irritiert.

Er traut sich zu, es mit der mächtigsten Frau des Landes aufzunehmen: Der Marburger Unternehmer Andreas Ritzenhoff will beim CDU-Bundesparteitag im Dezember gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Parteivorsitz kandidieren. "Es scheint mir dringend geboten, dass aus der CDU heraus neue politische Ziele formuliert werden, die kurzfristig zu einem spürbaren Richtungswechsel der Politik führen", hatte der 61-Jährige den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt.

Parteikollegen sind irritiert

Darüber scheint nicht jeder in der Partei glücklich zu sein. Mit einem "verwundert"-Emoji reagierte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite auf Ritzenhoffs Kandidatur. Schäfer, der auch Kreisvorsitzender der CDU Marburg-Biedenkopf ist, schrieb: "Die ersten Rückmeldungen, die ich aus der heimischen Partei erhalte, sind ziemlich eindeutig."

Es sei zwar jedem Mitglied unbenommen, für jedes Amt in der Partei zu kandidieren. Aber "gerade die, die aktuell mit viel Einsatz Wahlkampf machen, empfinden eine ziemliche Distanz zu der medialen Selbstdarstellung eines einzelnen Mitglieds, das sich berufen sieht, die Welt - zumindest aber mal die Partei - zu retten!"

Kreisverband: "Wir sind überrascht"

Der CDU-Kreisverband Marburg-Biedenkopf teilte mit, man freue sich sehr, dass Ritzenhoff vor wenigen Monaten CDU-Mitglied geworden sei. Ritzenhoff sei sehr an europapolitischen Fragen interessiert und habe durchblicken lassen, dass er sich auch eine Kandidatur für das Europäische Parlament im kommenden Jahr vorstellen könne.

Von seinen aktuellen Ambitionen habe der Kreisverband durch die Kopie einer Mail erfahren, die an die Generalsekretärin der Bundes-CDU gerichtet war. "Wir sind überrascht, dass er sich auch die Führung der Bundespartei zutraut", erklärte der Verband in einer Pressemitteilung. Man erwarte allerdings keine neue Personaldebatte, sondern die Lösung anstehender Sachfragen im Bund.

Weirich: "Alles gesagt"

Der Sprecher der hessischen CDU, Christoph Weirich, fand deutlichere Worte zur Ritzenhoffs Kandidatur: "Es handelt sich ausdrücklich um eine Einzelkandidatur. Sie wird weder vom Kreisverband noch vom Landesverband unterstützt. Damit ist alles dazu gesagt."

Seine Partei konzentriere sich auf die Landtagswahl in Hessen. Weirich verwies zudem darauf, dass einer der Delegierten auf dem CDU-Parteitag Ritzenhoff vorschlagen müsse. Sonst könne er formal gar nicht kandidieren.

Ritzenhoff: "CDU von innen erneuern"

Ritzenhoff selbst hatte seine Kandidatur als ein Signal dafür bezeichnet, dass sich die CDU von innen heraus erneuern müsse. Merkel steht seit 18 Jahren an der CDU-Spitze und will in Hamburg erneut kandidieren. Parteineuling Ritzenhoff gibt sich dessen ungeachtet selbstbewusst: "Mich sorgt, was derzeit mit Deutschland, Europa und der westlichen Welt passiert."

Wirtschaftskraft, Wohlstand, Sicherheit und die Freiheit der Kultur und des Geistes der Bevölkerung seien bedroht, wird der Unternehmer in den Zeitungen der Funke Mediengruppe zitiert. Ziel müsse es sein, "die freiheitliche westliche Gesellschaft in eine neue Phase des Aufstiegs zu führen".

Der 61-Jährige leitet als geschäftsführender Inhaber des mittelständische Unternehmen Seidel, einen Hersteller von Aluminiumdesignprodukten unter anderem für die Kosmetikbranche. Nicht nur Ritzenhoff will es mit Merkel an der Parteispitze aufnehmen. Zuvor hatte schon der 26-jährige Berliner Jurastudent Jan-Philipp Knoop angekündigt, die Kanzlerin beim Parteitag herauszufordern.

Sendung: hr4, 4.10.2018, 06:00 Uhr