Sebastian Schaub

Die hessischen Grünen haben ihrem bisherigen Führungsduo einen deutlichen Dämpfer verpasst: Während Sigrid Erfurth knapp wiedergewählt wurde, fiel ihr Co-Vorsitzender Philip Krämer durch. Er musste sich überraschend Sebastian Schaub geschlagen geben.

Videobeitrag

Video

zum Video Grüne wählen Schaub überraschend zum Landesvorsitzenden

hessenschau vom 20.11.2021
Ende des Videobeitrags

Die hessischen Grünen bekommen eine neue Doppelspitze: Künftig werden sie von Sebastian Schaub und Sigrid Erfurth geführt. Die 65 Jahre alte Erfurth war bereits zuvor grüne Landesvorsitzende. Schaub hingegen ist neu an der Spitze - und seine Wahl durchaus überraschend.

Das Ergebnis bei der Landesmitgliederversammlung am Samstag in Frankfurt war knapp: Erst im dritten Wahlgang setzte Schaub sich gegen den bisherigen Vorsitzenden Philip Krämer durch. Der 51 Jahre alte Schaub erhielt 226 von 437 Stimmen, auf den 29 Jahre alten Krämer fielen 200 Stimmen. Zuvor war Krämer, dessen Wiederwahl im Vorfeld als wahrscheinlich galt, in zwei Wahlgängen gegen insgesamt vier Gegenkandidaten nicht auf die erforderliche Stimmenzahl gekommen.

Erfurth nur knapp wiedergewählt

Auch die amtierende Co-Landesvorsitzende Erfurth erzielte mit 255 von 455 gültigen Stimmen ein eher schwaches Ergebnis. 2019 hatte die ehemalige Landtagsabgeordnete auf Anhieb fast 90 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten, am Samstag nur noch rund 56 Prozent. Gegen sie waren zwei weitere Bewerberinnen angetreten. Die grüne Basis setzte damit ein deutliches Zeichen: Sie will ein schärferes grünes Profil bis zur Landtagswahl 2023.

Sigrid Erfurth und Philip Krämer

Der neue Co-Vorsitzende Sebastian Schaub kommt aus dem Kreisverband Limburg-Weilburg. In der Stadtverordnetenversammlung von Limburg ist er Fraktionssprecher der Grünen. Seine politischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Bildung, Verkehr und Stadtentwicklung. Schaub ist promovierter Betriebswirt und seit 2009 als Unternehmensberater tätig.

Schaub peilt "erfolgreichsten Landtagswahlkampf" an

In seiner Bewerbungsrede auf der Landesmitgliederversammlung machte sich Schaub für mehr Basisdemokratie stark. Dass er antreten würde, habe er Philip Krämer vorher gesagt, betonte Schaub. Gegenkandidaturen gehörten in einer basisdemokratischen Partei dazu. "Dann ist es auch mal so, dass man sich als amtierender Landesvorsitzender mit jemandem auseinandersetzen kann, darf und auch muss, der eine andere Position hat", sagte Schaub dem hr.

"Ich möchte an den Kommunalwahlkampf anknüpfen und die Grünen in den erfolgreichsten Landtagswahlkampf führen, den wir bisher hatten." Sein Ziel sei es, nach der Landtagswahl 2023 "einen grünen Ministerpräsidenten oder eine grüne Ministerpräsidentin durchsetzen zu können", sagte Schaub in seiner Rede. Die Wahl zum Landessprecher gilt für zwei Jahre.

Gegenwind im Vorfeld der Wahl

Krämer, der seit zweieinhalb Jahren im Amt war, galt bei seiner Wahl damals als Stimme der Jungen. Doch jetzt gab es Gegenwind im Vorfeld der Wahl: Ein solch wichtiges Amt könne man nicht mit Pendeln zwischen Landes- und Bundespolitik ausfüllen, so die Kritik. Der 29-Jährige ist neu im Bundestag - und wird sich nun ganz auf sein Mandat konzentrieren können.

Krämer hatte in seiner Bewerbungsrede auf eine Frage nach der Vereinbarkeit der Rollen als Bundestagsabgeordneter und Landesvorsitzender geantwortet: "Es ist zentral, die Bundes-, Landes- und Kommunalebene zusammenzubringen." Eine Rolle als "Scharnier" zwischen den jeweiligen Ebenen hob er dabei als Stärke hervor.

Versammlung unter 3G-Regel

Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Landesmitgliederversammlung unter 3G-Regeln statt. Das bedeutet, neben Genesenen und Geimpften hatten nur Menschen Zutritt, die einen negativen Test vorweisen konnten.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen