Das Wort "Hass"

Hass und Hetze im Netz, sprachliche Verrohung, tätliche Angriffe: Die Zahl der Menschen in Hessen, die Hilfe und Beratung gegen rechte Gewalt suchen, ist auf einem neuen Rekordhoch.

Wachsender Rechtspopulismus, sprachliche Verrohung, Hass und Hetze im Internet und offene Bedrohungen. Immer mehr Menschen wenden sich auf der Suche nach Hilfe und Beratung gegen rechte Gewalt an die Angebote des "Beratungsnetzwerks Hessen" am Demokratiezentrum der Philipps-Universität Marburg.

Das vom Land und Bund geförderte Netzwerk berät Gewalt- und Bedrohungsopfer, Schulen, Eltern, Familienangehörige, Kommunen, Vereine und andere Betroffene in Fällen von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus und bietet Präventionsmaßnahmen an. Für das vergangene Jahr verzeichnet das Netzwerk ein neues Rekordhoch an Beratungs-und Präventionszahlen.

Demnach wurden 2019 insgesamt 295 Beratungsfälle (2018: 248) sowie 149 Präventions- (2018: 123) und 476 Bildungsangebote (2018: 288) im Beratungsnetzwerk Hessen dokumentiert - so viele wie nie zuvor. Das teilte das zuständige Demokratiezentrum in einer Mitteilung am Freitag mit.

Büchse der Pandora geöffnet

Für die Fachleute des Beratungsnetzwerks kommt das neue Rekordhoch nicht überraschend. Die Tendenz nach oben zeichne sich schon seit langem ab. Die rechte Gewalt in Hessen habe mit dem Mord an den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in Wolfhagen, den Schüssen auf einen 26-Jährige aus Eritrea in Wächtersbach und dem rassistischen Anschlag in Hanau seit dem vergangenen Jahr erkennbar zugenommen, erklärte Reiner Becker, Leiter des hessischen Demokratiezentrums. Und: Menschen mit rechten und rechtsextremen Einstellungen bräuchten keine sichtbaren Strukturen mehr, sonder vernetzten sich im Internet.

Tendenzen wie Rechtsextremismus und Antisemitismus seien zwar schon seit Jahrzehnten "weit in der Mitte der Gesellschaft verbreitet", so Becker: "Neu ist, dass mit Hilfe der sozialen Netzwerke die 'Büchse der Pandora' geöffnet wurde. Und damit sind wir täglich konfrontiert“, so der Wissenschaftler weiter.

Becker appellierte in diesem Zusammenhang auch an die Eigenverantwortlichkeit der Menschen, Haltung zu zeigen, wenn er im Alltag auf Menschen oder Meinungen mit rechten Gedankengut treffe. "Unsere Demokratie ist nicht selbstverständlich, und es braucht mehr denn je ein breites Engagement dafür", so Becker.