Mathe-Unterricht in einer 7. Klasse der Offenbacher Bachschule.
Mathe-Unterricht in einer 7. Klasse der Offenbacher Bachschule. Bild © hessenschau.de

Die Oppositionsfraktionen SPD und FDP haben im Landtag gefordert, die Arbeitszeiten von Lehrern zu untersuchen. Zuvor hatten mehrere Schulen in Offenbach wegen Überlast einen Hilferuf ans Kultusministerium gesandt.

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An der Offenbacher Edith-Stein-Schule wissen sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr anders zu helfen: Die große Mehrheit des Kollegiums der Integrierten Gesamtschule (IGS) hat eine Überlastungsanzeige an das hessische Kultusministerium gerichtet, bestätigte Schulleiter Salvatore Caruso hessenschau.de. Zuerst hatte die Offenbach-Post darüber berichtet.

Das Schreiben sei "ein Appell und ein Hilferuf" sagte Caruso. Es fehle vor allem an personeller Unterstützung bei der Inklusion von Schülern mit Behinderungen und bei der Schulsozialarbeit.

"Machen Arbeiten, für die wir nicht ausgebildet sind"

Auch an der IGS Schillerschule und der Bachschule (Haupt- und Realschule mit Förderstufe) erwägen Lehrerinnen und Lehrer solch eine Überlastungsanzeige. "Wir sind inzwischen nicht mehr allein Lehrer, sondern auch Psychologen, Drogenberater und Sozialarbeiter - ohne dafür die fachliche Qualifikation zu haben", sagte eine Lehrerin der Schillerschule zu hessenschau.de.

Katharina Tröster, Lehrerin an der Bachschule, sieht es ähnlich: "Wir machen Arbeiten, für die wir nicht ausgebildet sind und sind überlastet."

Eine Studie im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bestätigt diese Aussagen. Demnach arbeiten Lehrer inzwischen länger als vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Lehrern seien ständig neue Aufgaben aufgesattelt worden. Als Beispiele nannte die GEW bei der Präsentation der Studie am Montag vor allem Ganztagsunterricht, Inklusion sowie Sprachförderung.

Opposition: Arbeitszeit prüfen, Schulleitungen anhören

Die Oppositionsfraktionen FDP und SPD forderten am Donnerstag im Landtag eine Überprüfung der Arbeitsbelastung von Lehrern in Hessen: "Noch immer häufen sich die Problemschilderungen und Überlastungsanzeigen durch Lehrkräfte und Schulleitungen", sagte der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich. "Und noch immer ist die Landesregierung nicht bereit, fachlich fundiert und ergebnisoffen die Arbeitsbelastungen untersuchen zu lassen."

Die SPD-Fraktion signalisierte Unterstützung für diesen Vorschlag. "Wir müssen eine Arbeitszeitstudie in Auftrag geben", sagte der Abgeordnete Christoph Degen. Zudem müssten die Schulleitungen angehört werden.

Kultusminister: Gewinnung neuer Lehrer "absolute Priorität"

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ging während der Landtagsdebatte nicht auf diese Forderungen ein. Er sagte, die Gewinnung neuer Lehrkräfte habe für die Landesregierung "absolute Priorität".

Allein in den vergangenen fünf Jahren habe man 4.350 Lehrerstellen geschaffen und eine sozialindizierte Lehrerzuweisung geschaffen - das heißt, dass unter anderem Schulen in sozialen Brennpunkten mehr Lehrerstellen erhalten.

Keine Lehrer für offene Stellen

Die Bachschule in Offenbach ist so eine Schule. Das Problem von Schulleiterin Veronika Schneider: Sie habe derzeit vier offene Lehrerstellen, die sie nicht besetzen könne, berichtete sie der hessenschau. Dazu komme ein hoher Krankenstand. Die Konsequenz: Der Pflichtunterricht könne abgedeckt werden, doch schulische Zusatzangebote oder Fördermaßnahmen seien derzeit nicht möglich. "Wir haben leider zu wenige ausgebildete Lehrer auf dem Markt", sagte sie.

Die CDU versprach am Donnerstag Abhilfe: Im Doppelhaushalt 2018/19 würden weitere 90 Studienplätze für die Ausbildung von Haupt- und Realschullehrkräften zur Verfügung gestellt", sagte der CDU-Abgeordnete Armin Schwarz. Außerdem werde der Rahmen für die Ausbildung von Haupt- und Realschullehrkräften um 400 zusätzliche Referendare in diesem und im kommenden Jahr erweitert.