Eine per Taxi zum Impfzentrum beförderte Seniorin wird von einer Helferin in Empfang genommen.

Eine Taxi-Fahrt zum Impfzentrum kann teuer werden. Zahlt die Krankenkasse nicht, wollte eigentlich das Land die Kosten übernehmen. Doch kaum ein Antrag wird bewilligt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kostenübernahme für Senioren-Fahrten zu Impfzentren klappt selten

Senioren werden mit einem Bürgerbus zum Impfzentrum Fulda gebracht.
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Die vom Land versprochene Fahrtkostenerstattung zu Corona-Impfzentren funktioniert für die meisten Senioren nicht so einfach wie gedacht. Die Hürden der Bürokratie sind offenbar zu hoch. In den wenigsten Fällen kam es bislang zu einer Kostenübernahme.

Schon die Zahl der gestellten Anträge lässt erkennen: Es ist kein Modell, das die An- und Abreiseprobleme einer großen Zahl von Impfwilligen mindern kann. Denn bis Ende März wurden gerade einmal rund 150 Anträge auf Erstattung der Taxikosten gestellt. Das teilte das für die Bearbeitung zuständige Regierungspräsidium (RP) in Kassel auf Anfrage mit.

Wenige Anträge, noch weniger Erstattungen

Und noch bemerkenswerter: In gerade einmal zehn Fällen bekam der Antragsstellende einen positiven Bescheid und damit das ausgelegte Geld zurück. Das sind nicht mal zehn Prozent der Antragstellerinnen und -steller.

Das RP erklärte zur geringen Quote: "Bei fast zwei Dritteln der Fälle mussten Dokumente nachgefordert werden, die für die finale Bearbeitung notwendig sind. Mehr als 40 Fälle wurden aufgrund mangelnder Erstattungsvoraussetzungen abgelehnt."

Geld nur unter "bestimmten Voraussetzungen"

Das Land hatte als Unterstützung für alte und nicht mobile Menschen angekündigt, die Taxikosten für die Fahrt zu Impfzentren zu übernehmen, sofern die Krankenkassen nicht zahlen. Allerdings nur für Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren. Und: nur "unter bestimmten Voraussetzungen", wie es heißt.

Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, listete das Land in einer Information im Internet auf. Anspruchsberechtigt ist, wer etwa "nicht eigenständig zum Termin kommen oder sich von Verwandten, Freunden oder Nachbarn zum Termin fahren lassen oder auf einen kostenlosen Fahrdienst zum Beispiel von der Stadt oder Kommune zugreifen kann".

Eine andere Möglichkeit besteht, wenn der Haus- oder Facharzt eine Verordnung zur Krankenbeförderung für die Fahrt zum Impftermin ausstellt und die Krankenkasse die Kostenübernahme abgelehnt hat. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte dazu klargestellt: "Wenn die Krankenkasse das, aus welchem Grund auch immer, nicht bezahlt, dann übernimmt das Land Hessen die Kosten."

Chancen für Schwerbehinderte und Pflegebedürftige

Anspruchsberechtigt sind auch Schwerbehinderte mit einem der Merkzeichen im entsprechenden Ausweis. "aG" steht für außergewöhnliche Gehbehinderung, "Bl" für Blindheit oder "H" für Hilflosigkeit. Oder die Menschen gehören der Pflegestufe 3, 4 oder 5 an. Und bei Stufe 3 auch nur, wenn die Mobilität dauerhaft beeinträchtigt ist.

Angesichts dieser Bedingungen bleiben viele Senioren auf der Strecke, wenn sie nicht wissen, wie sie die Fahrt zu mitunter weit entfernten Impfzentren organisieren und bezahlen sollen. Die vom Land angekündigte Hilfe erweist sich zuweilen als nicht praktikabel. Vor allem, wenn sie den Papierkram mit Antragsformular und Bescheinigungen nicht bewältigen können. Wie der Ablauf ist, stellt das RP Kassel in einem Schaubild und einer Anleitung dar.

"Gut gemeint, aber kaum anwendbar"

Taxi-Unternehmer Axel Krenzer aus Schotten im Vogelsberg sagte dem hr: "Das Versprechen von unserem Landesvater war zwar gut gemeint, ist aber in der Umsetzung kaum anwendbar." Das bedeutet: Die Senioren bleiben schneller, als sie denken, auf den Kosten sitzen. Und das kann teuer werden - je nachdem, wie weit der Wohnort vom nächsten Impfzentrum entfernt liegt.

Ein Beispiel: Von Schotten bis nach Alsfeld, wo sich das zentrale Impfzentrum des Vogelsbergkreises befindet, sind es rund 40 Kilometer. Für den Taxi-Transfer kämen pro Impftermin Kosten von etwa 150 Euro zusammen. Und das Ganze dann noch mal für die zweite Impfung, wie Taxifahrer Krenzer vorrechnet.

Unkompliziertere Lösungen gefunden

Das Problem tritt natürlich auch an anderen Orten Hessens auf. Inzwischen haben Kommunen, Institutionen oder auch Vereine verschiedene pragmatischere Lösungen oder Sonderregelungen gefunden.

In Hünfeld im Landkreis Fulda etwa koordiniert zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz Fahrten ins mehr als 15 Kilometer entfernte Impfzentrum in Fulda. Die Stadt übernimmt die Kosten und nutzt Bürgerbusse. Damit konnten ehrenamtlich tätige Fahrer bereits Dutzende von Senioren befördern.

Gutschein-Lösung in Frankfurt

In Frankfurt kündigte das Sozialdezernat in einer Mitteilung an, die Kosten zu übernehmen - mit per Post versandten Taxi-Gutscheinen, die man telefonisch bei einer Hotline (069/212-45065) beantragen kann. Die Gutscheine würden von allen Frankfurter Taxiunternehmen akzeptiert.

Die Stadt Fulda hat auf Eigeninitiative bereits mehr als 300 Patienten zum Impfzentrum gebracht - unbürokratisch und kostenlos. Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr helfen mit, damit es - sprichwörtlich - nicht auf der nächsten "Corona-Baustelle" brennt - und die Senioren in aufregenden Zeiten eine Sorge weniger haben.

Sendung: hr1, 26.03.2021, 11.50 Uhr