Säulendiagramm der Frage "Wie würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre?": 34% CDU, 22% Grüne, 19% SPD, 8% AfD, 7% FDP, 5% Linke, 5% Sonstige.

Gegner des A49-Ausbaus werfen den Grünen den Verrat von Idealen vor. Im neuen hr-Hessentrend legt die Partei aber sogar zu. Die meisten Befragten stehen hinter den Rodungen im Dannenröder Forst - und die allermeisten hinter dem Einsatz der Polizei.

Monatelange Proteste, die Räumung durch die Polizei, scharfe Kritik von Umwelt- und Klimaschützern an den in Hessen mitregierenden Grünen: Die Rodungen im Dannenröder Forst für den Ausbau der A49 haben hohe Wellen geschlagen. Und das bundesweit. Der neue hr-Hessentrend zeigt unter anderem: Im Bundesland ist eine Mehrheit für das Bauprojekt und stützt den Kurs des von Amts wegen zuständigen grünen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir.

Al-Wazirs mit der CDU regierende Partei würde derzeit bei einer Landtagswahl sogar noch leicht zulegen. Und die Rückendeckung für die Polizei bei ihrem Einsatz gegen die Besetzung des Waldes ist überwältigend. Die Hessentrend-Ergebnisse im Einzelnen:

1. Mehrheit für Rodung – aber nicht bei den Jüngeren

Grafische Auswertung der Frage, ob die Rodung des Dannenröder Forstes für den Bau der A49 "richtig" oder "falsch" ist. 53% finden "richtig", 39% "falsch".

Eine kahle Schneise mitten durch den Wald: Für Naturschützer von BUND bis Fridays for Future ist das eine symbolträchtige Katastrophe in einer Zeit, die konsequent der Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen gewidmet sein müsste. Wie sie halten immerhin 39 Prozent der befragten Wahlberechtigten in Hessen die Baumfällungen zum Lückenschluss der Autobahn für falsch. Rodungsgegner finden sich überwiegend bei den Anhängern der Grünen (59 Prozent) und vor allem bei denen der Linkspartei (75 Prozent). Die Linke hat sich am eindeutigsten auf die Seite der Protestierenden geschlagen.

Insgesamt sind jedoch 53 Prozent der Hessen einverstanden mit den Rodungen. Am deutlichsten ist der Zuspruch unter Anhängern von FDP und CDU (69 Prozent) gefolgt von AfD (61 Prozent) und SPD (60 Prozent). In der betroffenen Region ist die Zustimmungen übrigens höher als landesweit: 57 Prozent der Mittelhessen befürworten das Freilegen der Trasse.

In einer Altersgruppe, der jüngsten, zeigt sich jedoch ein umgekehrtes Bild: 56 Prozent der 18- bis 39-Jährigen in ganz Hessen halten das Bäumefällen zugunsten der A49 für falsch.

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2. Demos ja, Widerstand gegen Polizisten nein

Auswertung der Frage, welche Protestformen im Kampf um den Weiterbau der A49 berechtigt sind: Friedliche Demonstrationen finden 95% " gerechtfertigt". Besetzung der betroffenen Waldstücke finden 63% "nicht gerechtfertigt", 36% "gerechtfertigt". Widerstand gegen die Polizei finden 92% "nicht gerechtfertigt".

Vor gut einem Jahr nahm der Protest gegen den A49-Ausbau Fahrt auf. Er reichte seitdem von Demos zu Fuß und auf dem Rad über die Besetzung der betroffenen Waldgebiete bis zum Werfen von kotbefüllten Beuteln, von Böllern und Steinen auf Polizisten. Der hr-Hessentrend zeigt: Je heftiger die Proteste, desto geringer der Rückhalt der Bevölkerung.

Friedliche Demonstrationen stellt kaum jemand in Frage, 95 Prozent heben hier den Daumen. Die Besetzung des Waldes hält noch ein gutes Drittel der Bürgerinnen und Bürger für gerechtfertigt. Beim direkten Widerstand gegen Polizisten hört es für 92 Prozent allerdings auf. Während die meisten Anhänger von Linken und Grünen Waldbesetzungen in Ordnung finden, heißt es beim Widerstand gegen Polizisten auch in ihren Reihen: Eine Mehrheit billigt das nicht.

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hr-Hessentrend

Für den Hessentrend hat das Institut infratest dimap in der Zeit vom 1. bis 7. Dezember dieses Jahres 1.003 Wahlberechtigte in Hessen telefonisch befragt. In dieser ersten Dezemberwoche liefen die nun gerade beendeten Rodungsarbeiten für den A49-Ausbau noch. Die Fehlertoleranz der Umfrage liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten. Die Umfrage ist repräsentativ. Fragen und Antworten zum Thema Meinungsumfragen finden Sie hier.

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3. Kaum Kritik am Polizeieinsatz

Diagramm der Auswertung der Frage, ob das Verhalten der Polizei während des Rodung und Räumung des Dannenröder Forstes angemessen ist. 63% der Befragten finden das Verhalten der Polizei "angemessen". 11% der Befragten geht es "zu weit", 16% geht es "nicht weit genug".

Von Waldbesetzern wird die Polizei wegen ihres Einsatzes zur Räumung des Dannenröder Forstes immer wieder scharf als zu gewalttätig verurteilt. Lediglich gut jeder zehnte Befragte teilt diese Ansicht, eine überwältigende Mehrheit von 79 Prozent aber nicht. 63 Prozent halten das Vorgehen bei der Räumung vielmehr für angemessen, weitere 16 Prozent hätten sich sogar ein härteres Einschreiten gewünscht.

In Mittelhessen selbst ist dieser Anteil noch höher: 55 Prozent der Befragten wertet das Verhalten der Polizei als angemessen, 27 Prozent wünschten sich eine härtere Gangart.

4. Rückendeckung für Al-Wazir, aber…

Säulendiagramm zur Auswertung der Umfrage, ob das Verhalten von Al-Wazir bezüglich des Baus der A49 richtig oder falsch ist. 63% der Befragten wählten "richtig" und 27% "falsch".

Hier steht er und kann nicht anders: Unter wiederholten Hinweisen auf die Rechtslage und den Koalitionsvertrag mit dem größeren Partner CDU sagt Verkehrsminister Al-Wazir, dass er als zuständiger Mann in der Landesregierung den Ausbau einer Bundesautobahn nicht stoppen dürfe. Knapp zwei Drittel aller Hessen (63 Prozent) nehmen auch keinen Anstoß daran, dass der Grünen-Politiker mit umsetzt, was seine Partei wegen der von ihr verfochtenen Verkehrswende eigentlich ablehnt.

Ungetrübt wird Al-Wazirs Freude beim genaueren Blick auf die Zahlen nicht sein. Vor allem FDP-Anhänger befürworten seinen Kurs. Bei denen, die es generell mit den Grünen halten, billigen 58 Prozent sein Vorgehen. Aber immerhin 37 Prozent der Parteianhänger unterstützen es nicht. Und in der für die Zukunft bedeutsamen Altersgruppe der 18 bis 39-Jährigen ist die Zustimmung (46 Prozent) kaum stärker als die Ablehnung (45 Prozent).

5. Nur wenige für weniger Straßenbau-Engagement

Diagramm der Auswertung der Frage, ob die Politik in Deutschland sich ausreichend für den Erhalt und Bau von Straßen einsetzt: 8% der Befragten finden es "zu viel", 45% finden es "angemessen", 45% "zu wenig".

Und wie halten es die Menschen in Hessen mit dem Straßenbau allgemein? Auch wenn der Protest am Dannenröder Forst zum beispielhaften Einsatz für eine kategorisch andere Verkehrspolitik erklärt wurde: Erhalt und Bau von Straßen haben für viele Menschen im Bundesland eine hohe Bedeutung. Den Einsatz der Politik dafür halten 45 Prozent der Befragten für angemessen, genauso viele wünschen sich auf diesem Gebiet mehr Engagement in Deutschland.

Lediglich 8 Prozent finden: Die Politik übertreibt es mit den Bemühungen ums Straßennetz.

6. Grüne legen zu, AfD lässt weiter nach

Säulendiagramm der Frage "Wie würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre?": 34% CDU, 22% Grüne, 19% SPD, 8% AfD, 7% FDP, 5% Linke, 5% Sonstige.

In einer Zeit, die vor allem unter dem Eindruck der heftigen zweiten Welle der Corona-Pandemie steht, kommt es in der Sonntagsfrage zu keinen starken Verschiebungen. Deutlich stärkste Partei wäre bei einer Landtagswahl am kommenden Wochenende nach wie vor die CDU um Ministerpräsident Volker Bouffier mit 34 Prozent. Damit schneidet sie etwas schlechter ab (-2), als beim vorausgegangenen hr-hessentrend im Mai dieses Jahres.

Die Grünen als kleinerer Koalitionspartner der Union legen als zweitstärkste Kraft auf 22 Prozent (+2) zu. Das bedeutet: In der Gunst der Wähler haben ihnen die Debatten um den A49-Ausbau und die Räumung des Dannenröder Forstes aktuell jedenfalls nicht geschadet. Die SPD gewinnt bei derzeit 19 Prozent ein wenig (+1) dazu, bleibt aber auf Platz drei.

Auffällig ist nicht zuletzt die fortgesetzte Negativentwicklung der hessischen AfD in den zurückliegenden hr-Hessentrends. Sie landet bei nunmehr 8 Prozent (-2). Seit der Landtagswahl im Herbst 2018 und den damals aus dem Stand erzielten 13,1 Prozent ging es damit peu à peu nach unten. Die FDP bleibt stabil bei 7 Prozent, der Linkspartei gelänge bei einem leichten Plus (+1) derzeit gerade so der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.

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Wahlneigung und Wahlverhalten

Die Sonntagsfrage misst einen Zwischenstand: kein tatsächliches Wahlverhalten, sondern aktuelle Wahlneigungen. Die Unterscheidung ist Meinungsforschern wichtig. Denn abgeschlossen ist der Meinungsbildungsprozess erst mit Ausfüllen des Wahlzettels. Und viele Wähler legen sich erst kurzfristig fest.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 09.12.2020, 19.30 Uhr