Volker Bouffier

Der aktuelle hr-Hessentrend zeigt: Die schwarz-grüne Koalition macht nur einen der beiden Partner stark. Die CDU muss sich fragen, wie sie den Grünen ohne ihr Zugpferd Volker Bouffier Paroli bieten will.

Schwarz-Grün oder doch Grün-Schwarz? Nur noch ein Prozentpunkt trennt die beiden Koalitionspartner im aktuellen hr-Hessentrend voneinander. Die Differenz liegt innerhalb der statistischen Schwankungsbreite, man kann sie vernachlässigen.

Ute Wellstein

Was die CDU spätestens seit der Landtagswahl im Herbst 2018 beunruhigt, ist nun also noch deutlicher hervorgetreten: Die Grünen sind an der Seite ihres Koalitionspartners groß geworden, die CDU ist schwach wie nie. Konnte sie 2003 noch die absolute Mehrheit der Mandate gewinnen, ist sie momentan gerade noch für ein gutes Viertel der Wählerinnen und Wähler in Hessen die Partei der Wahl.

Eine Frage des Zeitpunkts

Dass sie noch knapp die Nase vorn hat, ist der Beliebtheit ihres Ministerpräsidenten Volker Bouffier zu verdanken. Der 68-Jährige ist populär wie nie. So befriedigend das für ihn persönlich sein wird: Es stellt seine Partei vor ein Dilemma. Bouffier ist das Zugpferd, wird die Partei aber gewiss nicht mehr in die nächste Landtagswahl führen wollen. Im hr-Sommerinterview hat er sogar angedeutet, dass er auch schon vor Ende der Legislaturperiode abtreten könnte, um einem Nachfolger einen besseren Start zu ermöglichen.

Seitdem wird über den Zeitpunkt seines Abgangs spekuliert. Geht Bouffier früh, verliert die CDU ihren beliebtesten Politiker. Geht er zu spät, hat sein Nachfolger keine Chance, sich gegen den beliebten Vize-Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir zu profilieren.

SPD nicht ganz abschreiben

Und schließlich ist auch noch nicht gesagt, dass CDU und Grüne das Rennen um die Staatskanzlei überhaupt unter sich ausmachen. Zwar scheint die SPD momentan weit abgeschlagen, vier Prozentpunkte trennen sie noch von der AfD. Doch hat sie traditionell in Hessen eine starke Basis. Kommt die Partei im Bund wieder auf die Beine, kann sie auch hier wieder in einen Bereich von mehr als 20 Prozent kommen.

Die neue Parteichefin Nancy Faeser ackert unermüdlich, um sich im Land bekannt zu machen. Die gelernte Wirtschaftsanwältin kann mit Bankern genauso gut wie mit Gewerkschaftern, ihre einnehmende Art ist nicht zu unterschätzen. Wenn es in dreieinhalb Jahren am Ende drei etwa gleich große Parteien geben sollte, entscheidet die Fähigkeit, Bündnisse zu schmieden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 17.02.2020, 16.45 Uhr