Diagramm zu den Ergebnissen der Umfrage: Wie würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre?

Schließungen, Lockerungen, Maskenpflicht: Die Krisenpolitik der schwarz-grünen Landesregierung findet Rückhalt in der Bevölkerung. Davon profitiert im hr-Hessentrend aber allein die CDU um Regierungschef Bouffier. Und die Sorgen um die Wirtschaft sind groß.

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Die wichtigsten Ergebnisse des Mai-Hessentrends im Überblick:

Die schwere Last der Verantwortung: Aktuell kann sie sich in der Corona-Krise politisch auszahlen. Wäre am kommenden Sonntag Wahl, dann ginge die amtierende Landesregierung gestärkt daraus hervor. Die Freude am Ergebnis wäre freilich höchst ungleich verteilt, wie die repräsentativ erhobenen Zahlen des neuen hr-Hessentrends zeigen.

1. CDU gewinnt enorm, Grüne geschwächt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found CDU legt im Hessentrend zu

Die Grafik zeigt die Ergebnisse der sogenannten Sonntagsfrage. CDU: 36% - Grüne: 20% - SPD:18% - AfD:10% - FDP: 7% - Linke: 4% - Sonstige:5%
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Es ist nicht lange her, da waren die hessischen Grünen im Allzeit-Umfragehoch und hatten beim Februar-Hessentrend ihren Bündnispartner CDU so gut wie eingeholt. Drei Monate und einen Pandemie-Ausbruch später zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab. Die Union kommt als nunmehr mit Abstand stärkste Partei auf 36 Prozent, ein enormer Sprung (+10). Das entspricht der Lage im Bund. Mitten in der Corona-Krise fuhr die CDU hier im Mai-Deutschlandtrend mit 39 Prozent gerade ihr seit Jahren bestes Ergebnis ein.

Die Grünen dagegen landen jetzt in Hessen bei 20 Prozent (-5). Sie verlieren also ungefähr das, was sie bei ihrem Höhenflug Anfang des Jahres gewonnen hatten.

2. Regierungskoalition baut Mehrheit aus

Ungeachtet der verschobenen Kräfteverhältnisse kommt die schwarz-grüne Koalition in historisch stürmischer Zeit gemeinsam auf 56 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei der Landtagswahl 2018 (47 Prozent) und in der Februar-Umfrage (51 Prozent). "Stunde der Exekutive" eben.

3. SPD leicht erholt, Linke halbiert

Eine grün-rot-rote Regierung, wie sie zuletzt rechnerisch in Reichweite schien, ist aktuell in weite, weite Ferne gerückt. Dabei hat die SPD sogar Grund zum Aufatmen: Ihr Abwärtstrend ist mit 18 Prozent gestoppt, es geht wieder ein wenig aufwärts (+2). Die AfD lässt mit 10 Prozent (-2) erneut nach, die Linke käme mit argen Verlusten und 4 Prozent (-4) nicht mehr in den Landtag. Stabil bleibt die FDP mit 7 Prozent.

Weitere Informationen

Hessentrend

Für den Hessentrend hat das Institut infratest dimap am 12. und 13. Mai dieses Jahres 1.005 wahlberechtigte Hessen telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten. Die Umfrage ist repräsentativ. Fragen und Antworten zum Thema Meinungsumfragen finden Sie hier.

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4. Bouffier beliebt wie nie zuvor

Grafik zum Thema Zufriedenheit mit Politikern: 69% sind mit Volker Bouffier zufrieden, 23% weniger zufrieden. Mit Tarek Al Wazir sind 50% zufrieden, 26% weniger.

Die unterschiedliche Wahrnehmung der Koalitionspartner zeigt sich auch am Spitzenpersonal: Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir, Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister, kann mit der Bekämpfung der Corona-Folgen nicht punkten. Im Gegenteil: Die Hälfte der Befragten zeigt sich mit seiner Arbeit zwar zufrieden, damit hat er bei diesem Sympathiewert seit Mitte Februar aber stark verloren (-10) .

Ganz anders sieht es für Regierungschef Volker Bouffier (CDU) aus: Knapp 69 Prozent (+5) der Befragten gehen mit seiner Arbeit d‘accord. Ein Rekordwert für den 67-Jährigen, der seit 2010 im Amt und dienstältester Ministerpräsident Deutschlands ist. In punkto Wählerzufriedenheit liegt er aktuell fast gleichauf mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Bis zur Beliebtheit des Amtskollegen Markus Söder (CSU) in Bayern (94 Prozent im April) ist aber noch Luft.

5. Angst vor Ansteckung bei jedem Dritten

Mehr als 9.000 amtlich bekannte Corona-Fälle gibt es in Hessen, die Zahl steigt seit Wochen langsamer. Rund 400 Menschen starben, etwa 7.800 sind genesen. Die meisten Menschen haben in dieser Situation keine große Sorge, sie selbst oder Familienangehörige könnten sich anstecken. Ernsthaft besorgt ist knapp jeder Dritte. So ähnlich ist auch der Bundestrend: Die Angst hat dort merklich abgenommen.

Die Sorge vor dem Covid19-Risiko steigt mit zunehmendem Alter, aber lediglich leicht. Sie ist bei den über 65-Jährigen mit 31 Prozent größer als bei den unter 40-Jährigen mit 24 Prozent.

Grafik zum Thema Sorgen wegen Corona.

6. Sorge um Wirtschaft weit verbreitet

Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, drohende Insolvenzen: Nach dem mehrwöchigen Lockdown zeichnen sich trotz gigantischer staatlicher Hilfen drastische ökonomische Folgen ab. Die Debatte darüber schlägt sich in wirtschaftlichem Pessismismus nieder. Drei Viertel aller Hessen befürchten, dass sich die Lage im Bundesland verschlechtern wird.

Auffällig ist dabei: Wegen ihrer eigenen Situation machen sich viele Menschen keine ernsthaften Gedanken. Jeder Vierte fürchtet bislang ernsthaft persönliche Nachteile, jeder Siebte den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes. Die Sorge, es gehe wirtschaftlich bergab, ist in der AfD-Anhängerschaft (48 Prozent) besonders ausgeprägt.

7. Ein Drittel fürchtet Freiheitsverluste

Kontaktsperre, Zwangsschließungen, Demo-Beschränkungen: Die Beschneidung der Grundrechte infolge der Anti-Corona-Maßnahmen ist vielen Hessen nicht geheuer. 35 Prozent sehen Grund zur Sorge, grundgesetzlich garantierte Freiheiten könnten nun längerfristig eingeschränkt werden. Das ist vor allem bei AfD-Anhängern verbreitet (61 Prozent).

8. Kleine Minderheit für schnellere Lockerungen

Grafik zum Thema Lockerung der Corona-Maßnahmen. 50% der Befragten finden die Lockerungen gerade richtig, 33% finden sie zu weitgehend und 15% gehen sie nicht weit genug.

Ob Läden, Restaurants oder Museen: Die Hälfte der Befragten hält das aktuelle Tempo bei der Rückkehr zur Normalität für richtig. Aber immerhin jeder Dritte sagt: Ihm geht das zu schnell. Befürworter größerer Erleichterungen sind deutlich in der Minderheit. Einzig in den Reihen der AfD sind Anhänger weitreichenderer Öffnungen in der Überzahl.

Besonders emotional läuft die öffentliche Lockerungsdebatte beim Thema Schulen und Kitas. Zurzeit kann sich die Landesregierung darauf berufen, dass eine klare Mehrheit von 60 Prozent der Bürger ihren Kurs der allmählichen Öffnung grundsätzlich befürwortet. Das gilt für alle Alters- und Bildungsgruppen. Je höher der Bildungsabschluss, desto größer ist in dieser Frage allerdings die Ungeduld.

Grafik zum Thema Öffnung von Schulen und Kitas während der Coronakrise. 60% finden das schrittweise Öffnen richtig, 22% wünschen sich eine schnellere Öffnung und 14 % sind gegen eine Öffnung.

9. Überwältigende Mehrheit für die Maskenpflicht

Noch klarer ist die Sache bei den Alltagsmasken. Fast vier Fünftel aller Hessen unterstützen die Pflicht zum Tragen in Geschäften oder in Bussen und Bahnen. Die Akzeptanz ist über fast alle Parteigrenzen hinweg zu beobachten. Auch hier steht die AfD mit leicht überwiegender Ablehnung in ihrer Anhängerschaft alleine da.

Grafik zum Thema Maskenpflicht: 77% finden sie richtig, so wie es im Moment ist. 5% wünschen sich eine Maskenpflicht auch beim Aufenthalt im Freien und 16% sind gegen jegliche Maskenpflicht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.05.2020, 16.45 Uhr