Ein ICE fährt in den Bahnhof Fulda ein.

20 Dämme, 13 Tunnel, sechs Brücken: Die Schnellstrecke der Bahn zwischen Hanau und Fulda soll ausgebaut werden. Bürgerinitiativen befürchten das Schlimmste.

Der Ausbau der überlasteten Bahnstrecke zwischen Hanau und Fulda wird von Verkehrsplanern dringend empfohlen. Bei den seit Jahren laufenden Planungen gibt es eine Vorzugsvariante zum vorgeschlagenen Streckenverlauf. Im dazu derzeit laufenden Teil des Genehmigungsverfahrens verstreicht bald eine wichtige Frist.

Bis Ende September müssen Kritiker des Schienenbau-Projekts ihre Einwendungen bei den Genehmigungsbehörden eingereicht haben. Eine der in Osthessen betroffenen Bürgerinitiativen (BI) arbeitet derzeit in den letzten Zügen an ihrer Argumentation gegen den Ausbau. Bis Monatsende will die BI "Keine weitere Bahntrasse durch Kalbach" ihre Unterlagen bei den Behörden einreichen.

BI befürchtet "Vernichtung" von Mittelkalbach

Für den Vorsitzenden der Kalbacher BI, Jakob Brähler, sind die Ausbaupläne ein Horror-Szenario. Der ehemalige Sozialjurist drückt es drastisch aus: "Wenn die Pläne Realität werden, wird unser Ort Mittelkalbach vernichtet."

Der Vorsitzenden der Kalbacher BI, Jakob Brähler

Mit dem Wort "Lärm" seien die Auswirkungen der Bauarbeiten nur unzureichend beschrieben, findet Brähler. "Mittelkalbach wird dann ein Trümmerfeld", sagt der 68-Jährige und verweist auf die Errichtung von sechs Tunnel-Portalen und zwei Brücken. "Das bedeutet: Baustellenlärm und -verkehr - und zwar über Jahre."

Bürgerbeteiligung bis Monatsende

Die Gemeinde Kalbach im Landkreis Fulda wäre mit ihrem Ortsteil Mittelkalbach zweifelsohne stark von der Streckenführung betroffen. Sie liegt auf dem Abschnitt von Gelnhausen (Main-Kinzig) nach Kalbach. Für diese Passage läuft noch bis Ende September die Öffentlichkeitsbeteiligung. Bürger, Kommunen, Vereine, Verbände und Institutionen sind gefragt.

Die Stellungnahmen können über eine Online-Plattform oder per E-Mail und per Post eingereicht werden. Die Antragsunterlagen zum Bauprojekt sind online bei den Regierungspräsidien (RP) Darmstadt und Kassel einsehbar.

Behörde zählt Einwendungen

Eine Flut an Stellungnahmen ist bisher noch nicht eingegangen, wie das RP Darmstadt auf Anfrage berichtete. Bis zum 9. September (16.00 Uhr) hätten 58 Einwendungen die Behörde erreicht. "Im Vergleich zu anderen Verfahren ist das eher wenig", sagte RP-Sprecher Guido Martin. Allerdings gehe erfahrungsgemäß der Großteil erst gegen Ende der Frist ein.

Davon ist auch Jakob Brähler überzeugt. An vielen Orten werde noch an der Argumentation gewerkelt. Die Gemeinde Kalbach ist nicht allein betroffen. Die geplante Neubaustrecke über 44,4 Kilometer von Gelnhausen nach Kalbach betrifft auch die Kommunen Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Biebergemünd, Birstein, Brachttal, Eichenzell, Flieden, Gelnhausen, Kalbach, Linsengericht, Neuhof, Schlüchtern, Steinau an der Straße und Wächtersbach.

Die Karte zeigt die geplante Trassenführung zwischen Mittelkalbach und Gelnhausen.

Überall dort, wo die Bahnstrecke entlangführen soll, erhebt sich Widerstand. Die Kommunen, denen der Lärm und das Ungemach der Bauphase erspart bleiben, atmen dagegen auf.

Auch Kritik vom BUND

Gegen den Streckenvorschlag richtet sich auch der BUND. Der Umweltschutzverband erklärte, dass ein Ausbau nahe der bestehenden Strecke sinnvoller sei.

So sieht es auch die BI in Kalbach mit ihren 1.500 Mitgliedern und Unterstützern. Sie wirft der Bahn Planungsfehler vor. "Die Bahn hat gegen das Bündelungsgebot verstoßen", beurteilt Brähler. Bereits im Regionalplan 2009 sei festgeschrieben worden, dass ein Neubau entlang der Bestandsstrecke zu erfolgen habe. So sollen die Eingriffe in Natur und Umwelt reduziert werden.

Bürgerinitiative: keine Trasse durchs Kinzigtal

Auch die Bürgerinitiative (BI) "Oberes Kinzigtal" hat sich im laufenden Raumordnungsverfahren positioniert - und zwar gegen jedwede Lösung, die irgendwo durch das Kinzigtal führt, wie die Fuldaer Zeitung berichtete.

Die BI begründet: Das Kinzigtal sei durch Autobahn, Bahntrasse, Fluglärm, Strom- und Gastrassen bereits belastet. Zudem werde die Landschaft verschandelt. Auch den Baustellen- und später der Verkehrslärm wolle man vermeiden.

Bügerinitiative präsentiert Alternativvorschlag

Die BI "Oberes Kinzigtal“ hat einen Alternativ-Vorschlag erarbeitet. Statt mit 20 Dämmen, sechs Brücken und 13 Tunneln komme diese Variante mit vier Dämmen, einer Brücke und zwei Tunneln aus. Die Trasse vertrage auch höhere Fahrgeschwindigkeiten, sei aber auch länger, dafür aber kostengünstiger.

Die DB Netz AG in Frankfurt entgegnet der Kritik am geplanten Streckenverlauf: Es sei eine "relativ konfliktarme Variante" mit Blick auf die Umwelt. Zudem gebe es nur eine "geringe Anzahl von betroffenen Bürgern während der Bauausführung" im Vergleich zu anderen Varianten. In Kalbach und im Kinzigtal sehen sie das anders.

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Vorteil: 13 Minuten kürzere Fahrzeit

Die Bahnstrecke von Hanau über Gelnhausen nach Fulda gilt als einer der größten Engpässe im hessischen und bundesweiten Schienennetz. Die Neubaustrecke soll zusätzliche Kapazitäten schaffen. Damit können mehr Fern- und Regionalzüge auf der Strecke fahren. Im Personenfernverkehr soll zudem die Fahrzeit um etwa 13 Minuten verkürzt werden.

Wenn das Raumordnungsverfahren positiv abgeschlossen wird, folgt ein Planfeststellungsverfahren für die Vorzugsvariante. Beim Raumordnungsverfahren geht es um die Findung der in der Gesamtschau aller Aspekte günstigsten Variante und um die Beurteilung und Optimierung der Raumverträglichkeit. Am Ende des Planfeststellungsverfahren kann dann eine Baugenehmigung erfolgen.

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