Die Doppelspitze des SPD-Unterbezirks Kassel-Nord, Andreas Siebert und Silke Engler, mit Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels

Sozialdemokraten im Bund fordern für ihre sieche Partei eine Doppelspitze. Der Unterbezirk Kassel-Land probiert das mit Silke Engler und Andreas Siebert schon mal aus - als erster in ganz Deutschland.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Silke Engler und Andreas Siebert führen gemeinsam die SPD in Kassel-Land

Andreas Siebert und Silke Engler, Vorsitzende der SPD in Kassel-Land
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Während die Sozialdemokraten in Berlin nach dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles über eine Doppelspitze nach Vorbild der Grünen nachdenken, ist der Unterbezirk Kassel-Land schon einen Schritt weiter. Dort ist am Samstag mit Silke Engler und Andreas Siebert die allererste SPD-Doppelspitze auf Unterbezirksebene gewählt worden.

Um das zu ermöglichen, schlugen die nordhessischen Genossen bei dem Parteitag einen juristischen Umweg ein. Sie wählten einen Vorsitzenden und eine erste Stellvertretung und bestimmten in einem Beschluss des Parteitags, dass die deiden gleichberechtigt sind. "Das ist der Weg, den wir jetzt gehen", bekräftigte Timon Gremmels, als Bundestagsabgeordneter der prominenteste Vertreter der SPD Kassel-Land.

Die beiden Vorsitzenden hätten die gleichen Rechte und Pflichten. "Die Zeiten von Alleinherrschern sind Gottseidank vorbei", sagte Gremmels. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige, dass Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden müsse.

Engler: Wir wollen nicht enden wie die Dinosaurier

Silke Engler rief dazu auf, trotz der schlechten Lage der Gesamt-SPD nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Die Doppelspitze sei ein guter Schritt, um verkrustete Strukturen aufzubrechen. "Man muss sich weiterentwickeln, ansonsten sind wir wie die Dinosaurier. Die sind ausgestorben, und das wollen wir nicht", sagte die 45-jährige Bürgermeisterin von Baunatal.

Delegierte des SPD-Unterbezirks Kassel-Land stimmen bei der Wahl zu einer Doppelspitze ab

Mit Blick auf die kommenden Kommunalwahlen stimmte ihr Andreas Siebert zu: "Im Unterbezirk liegen 29 Städte und Gemeinden. Als Doppelspitze können wir dort natürlich deutlich besser ganz intensiv unterwegs sein." Ein Ziel sei jetzt, genügend Mandatsträger und aktive Mitglieder zu finden, sagte der 49-Jährige Vize-Landrat des Kreises Kassel: "Wir müssen so attraktiv werden, dass meine Kinder, eure Kinder, eure Nachbarn sagen: Ihr seid die Guten, bei euch will ich mitmachen!"

Siebert: Wir müssen wieder attraktiv werden

Ihre Zuhörer am Samstag in der Mehrzweckhalle Dörnberg in Habichtswald konnten die beiden begeistern: Die Zustimmung fiel mit 99,1 Prozent für Andreas Siebert und 95,6 Prozent für Silke Engler deutlich aus. Dagegen äußerten etliche Delegierte ihren tiefen Frust über die Bundes-SPD. Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß sprach von einer Entfremdung von der Führungsspitze in Berlin. Krisen kämen zuletzt immer von ganz oben - mit einer Geschwindigkeit, die die Basis überrasche.

Silke Engler stimmte zu, mahnte aber auch die Parteibasis, an einer Verbesserung zu arbeiten: "Da hilft nur reden, reden, reden, E-Mail schreiben vielleicht auch. Twitter und Facebook helfen gar nicht." Nur das persönliche Gespräch sei zielführend.

Gremmels: Bundespartei wird Doppelspitzen ermöglichen

Ein Antrag des Parteitags nach der Wahl Sieberts und Englers könnte sich durchaus auf die gesamte Republik auswirken - zumindest den sozialdemokratischen Teil davon. In einem Antrag an den kommenden Bundesparteitag der SPD fordern die Delegierten, künftig eine paritätische Doppelspitze auf allen Parteiebenen grundsätzlich zu ermöglichen. Der Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels zeigte sich davon überzeugt, dass der Bundesparteitag im Dezember überall eine Doppelspitze ermöglichen wird.

Sendung: hr-iNFO, 15.06.2019, 15.10 Uhr