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Mehr als eine Milliarde Euro sollen im neuen Jahr in Hessens Straßen und Brücken investiert werden. "Rekord", lobt sich Verkehrsminister Al-Wazir von den Grünen. Viel zu wenig angesichts der Lage, kritisiert die Opposition.

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An maroden Straßen mangelt es in Hessen seit längerem schon nicht. Mehr als eine Milliarde Euro soll 2020 in den Erhalt und Ausbau von Straßen sowie Brücken investiert werden. "Mobilität braucht eine intakte Infrastruktur", sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden dazu.

"Noch nie wurde so viel Geld für den Erhalt, den Um- und Ausbau sowie den Neubau von Straßen und Brücken in Hessen ausgegeben", sagte der Minister. Über Jahre und Jahrzehnte sei jedoch zu wenig in die bestehenden Straßennetze im Land investiert worden.

Die Verkehrsteilnehmer müssten im laufenden Jahr wegen der großen Zahl von Bauvorhaben viel Geduld mitbringen. Insgesamt sollen mit den Finanzmitteln Straßenbauprojekte mit einer Länge von 315 Kilometern in diesem Jahr fertiggestellt werden. Dabei werde weiter nach dem Prinzip verfahren, vorrangig in den Erhalt der bestehenden Straßeninfrastruktur zu investieren statt in den Neubau.

Kritik: Keine neuen Straßen geplant

Der oppositionellen SPD reichen diese Maßnahmen bei weitem nicht, und auch nicht der FDP. "Im hessischen Straßennetz wird nach wie vor die Substanz aufgezehrt – und das, obwohl der Bund in diesem Jahr erneut eine Rekordsumme bereitstellt", sagte Tobias Eckert, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Auch Al-Wazirs Vorgehen im Radwegebau zeige, dass die Mobiltätswenbde der Grünen ein Schneckenrennen sei. Die SPD-Fraktion will in der bevorstehenden Haushaltsdebatte zusätzlich 22,5 Millionen Euro für den Ausbau der Landesstraßen beantragen.

"Die Landesregierung hat keinen einzigen Kilometer Straßenneubau vorgesehen", urteilte Stefan Naas, verkehrspolitischer Sprecher der FDP im Landtag. Der Verkehrsminister hänge einer "straßenbaufeindlichen Ideologie" an. Es gebe Orte, in denen die Menschen seit Jahrzehnten auf versprochene Umgehungsstraßen warteten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Über eine Milliarde für Hessens Straßen und Brücken

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Der überwiegende Teil der Gelder komme vom Bund, erklärte Minister Al-Wazir. Hessen werde rund 132 Millionen Euro Landesmittel beisteuern. Auch das kritisiert FDP-Politiker Naas als völlig unzureichend: "Das sind gerade mal vier Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr, mit Radwegen zwölf Millionen Euro mehr."

Viele Millionen für Bundesstraßen vorgesehen

Neben Bauprojekten an Bundesautobahnen sollen aus den Bundesmitteln auch Vorhaben an zahlreichen Bundesstraßen im Land finanziert werden, kündigte Grünen-Politiker Al-Wazir an: "Für dieses Jahr sind Investitionen in hessische Bundesstraßen in Höhe von 231 Millionen Euro vorgesehen. Das sind gut 48 Millionen mehr als 2019." An den Landesstraßen sollen Projekte mit einer Gesamtlänge von etwa 183 Kilometern in diesem Jahr abgeschlossen werden.

An folgenden Orten wird 2020 unter anderem gebaut oder weitergebaut:

  • A45-Talbrücke Marbach: Sie ist eine von 22 maroden Talbrücken dieser Autobahn, die erneuert werden müssen. Der Neubau des 50 Jahre alten Stücks läuft seit Jahren, 2018 wurde eine Hälfte fertiggestellt. Bis Ende 2020 soll alles fertig sein. Kosten: 43,3 Millionen Euro, 6,5 Millionen werden es dieses Jahr sein.
  • Wiesbadener Kreuz A3/A66: Seit fast zwei Jahren läuft auch der Neubau an diesem von 200.000 Fahrzeugen täglich belasteten Verkehrsknoten. Das Brückenbauwerk samt Anschlüssen wird für knapp 48 Millionen Euro neu errichtet, gut neun Millionen Euro in 2020. Im Mai soll die Freigabe für den Verkehr erfolgen.
  • Neubau der A 44 von Kassel nach Herleshausen: Dieser ist laut Verkehrsministerium mit mehr als zwei Milliarden Euro Gesamtkosten die teuerste Aufgabe. 201 Millionen Euro fließen dieses Jahr in die 70 Kilometer lange Strecke mit 13 Tunneln und zehn Brücken.
  • Bahnunterführung am Frankfurter Berg: Die Erneuerung schlägt mit 8,2 Millionen Euro zu Buche.
  • Landesstraße zwischen Seinau a.d. Straße und Marjoß (Main-Kinzig): Auf einer knapp zehn Kilometer langen Strecke ist für 1,9 Millionen Euro eine komplette Erneuerung geplant. Das sei die längste Landstraßenerneuerung im Bundesland in diesem Jahr.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt 9.1.2020, 16.45 Uhr