IS-Flagge

Erneut ist eine mutmaßliche Ex-Anhängerin der Terrormiliz "Islamischer Staat" über den Frankfurter Flughafen nach Deutschland zurückgekehrt. Die aus Niedersachsen stammende Frau wurde umgehend festgenommen. Sie kam zusammen mit vier Kindern.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nach Ankunft Festnahme - Weitere IS-Rückkehrerin landete in Frankfurt

Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen Frankfurt
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Eine mutmaßliche Unterstützerin der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist am Dienstagabend mit einem Flug aus der Türkei in Frankfurt gelandet. Die 30 Jahre alte Frau traf an Bord einer Turkish-Airlines-Maschine mit vier Kindern am Frankfurter Flughafen ein, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte.

Die Frau wurde unmittelbar bei ihrer Ankunft festgenommen. Gegen sie lag ein Haftbefehl aus Niedersachsen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Mitarbeiter des Jugendamtes nahmen die Kinder in Obhut.

Aktiv im "Schwesternnetzwerk"

Der aus der Türkei zusammen mit ihren vier Kindern abgeschobenen Frau wird laut Generalstaatsanwaltschaft vorgeworfen, sich an der terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" (IS) beteiligt zu haben. Dem Haftbefehl zufolge reiste sie im Dezember 2014 über die Türkei nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen und dessen bewaffneten Kampf zu unterstützen. 

Als Teil eines sogenannten "Schwesternnetzwerks" soll sie die Ausreise mehrerer Frauen von Deutschland in das Herrschaftsgebiet des IS organisiert und die Heirat mit IS-Kämpfern vermittelt haben. Unter einem "Schwesternnetzwerk" wird ein Netzwerk radikalisierter Frauen verstanden, die weitere Frauen für den IS gewinnen und in die Aktivitäten eingliedern.Zudem habe sie es ihrem später getöteten Ehemann ermöglicht, für den IS zu kämpfen.

Im Laufe des Mittwochs sollte sie laut einem Bericht des NDR in Celle einem Haftrichter vorgeführt werden.

Zwei Rückkehrerinnen im November

Bereits im November waren zwei mutmaßliche IS-Anhängerinnen über den Frankfurter Flughafen nach Deutschland zurückgekehrt. Der 21 Jahre alten Nasim A. waren neben der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung auch Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Waffenkontrollgesetz vorgeworfen worden. Die Frau aus Hessen wurde noch direkt am Flughafen festgenommen. Sie war zuvor von der Türkei abgeschoben worden.

Vorerst auf freiem Fuß befindet sich die 30-jährige Laura H. Gegen sie wird wegen ihrer Mitgliedschaft im IS und wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht ermittelt. Laura H. soll sich 2016 zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf den Weg nach Syrien gemacht haben. Auch sie stammt aus Hessen.

Der Mann fiel als IS-Kämpfer. Laura H. und die Kinder landeten in kurdischer Gefangenschaft und wurden auf Betreiben der Bundesregierung nach Deutschland überstellt.

Justizministerin will Strafen für Ausreise mit Kinder

Angesichts der Rückkehr mutmaßlicher IS-Anhängerinnen mit Kindern hatte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sich am Wochenende dafür ausgesprochen, Eltern auch strafrechtlich in Verantwortung zu nehmen, wenn sie ihre Kinder von Deutschland aus in Gebiete der Terrormiliz IS gebracht haben.

"Wer sein Kind in einer religiös extremistischen Art und Weise erzieht, wer es bewusst gesundheitlichen Gefahren in Konfliktgebieten aussetzt oder wer seine Kinder den Erziehungsmethoden des IS ausliefert, der sollte sich dafür auch strafrechtlich verantworten müssen", sagte die Ministerin.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte damit, weitere mutmaßliche IS-Anhänger nach Europa abzuschieben. Im November hatte die Türkei eine siebenköpfige deutsch-irakische Familie mit Kontakt ins Salafisten-Milieu nach Deutschland abgeschoben sowie zwei Frauen, die sich dem IS angeschlossen haben sollen. Eine der mutmaßlichen IS-Anhängerinnen war nach ihrer Abschiebung in Deutschland in Untersuchungshaft genommen worden.

Sendung: hr-iNFO, 04.12.2019, 06.00 Uhr