Der Limburger Neumarkt mit seinen Platanen

Wie weiter mit dem Neumarkt und den 20 Platanen, die dort stehen? Diese Frage beschäftigt Limburg schon lange. Entschieden wird aber frühestens in drei Jahren - die Stadt hat aktuell kein Geld dafür.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadtverordnete entscheiden über Platanen

Platanen auf dem Limburger Neumarkt.
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An sich sei es ja super, dass sich die "einzig vernünftige Lösung" nun doch noch durchsetze, sagt Angelika Seip von der Bürgerinitiative "Rettet die Platanen". Sie räumt aber ein: "Nur schade, dass dafür erst eine Pandemie kommen musste." Egal: Der Beschluss, den die Limburger Stadtverordnetenversammlung an diesem Montagabend aller Voraussicht nach treffen wird, "erspart uns eine Menge Arbeit", sagt Seip.

Andernfalls müsste Seip sich so langsam Gedanken machen um den Wahlkampf für den Bürgerentscheid am 1. November. Dann hätten die Menschen in Limburg darüber abstimmen dürfen, ob die 20 Platanen auf dem zentralen Neumarkt erhalten oder gefällt werden. Ersteres will Seip und ihre Initiative, letzteres will die Mehrheit der Stadtverordneten - oder wollte es vielmehr, bis Corona kam.

Bürgerentscheid erzwungen

Mit der Krise brechen den Kommunen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer weg. Für Christopher Dietz, Chef der CDU-Fraktion, heißt das: "Wir werden ab sofort nur das absolut Notwendige machen." Eine breite Mehrheit der Stadtverordneten will wohl beschließen, das Neumarkt-Projekt zurückzustellen. Man will wohl auch den ohnehin darbenden Einzelhandel nicht zusätzlich durch eine Dauerbaustelle schwächen. Die Platanen dürften vorerst bleiben.

Vergangenes Jahr entschied das Parlament nach Jahren des Streits (siehe auch diese Chronik bei der FNP), den Platz, wo ein Wochenmarkt, der Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen stattfinden, komplett neu zu gestalten - mit anderen Bäumen.

Gegen die Umbaupläne formierte sich die Bürgerinitiative und sammelte doppelt so viele Unterschriften wie notwendig. Sie erzwang ein Bürgerbegehren und - weil die Stadtverordneten es ablehnten - einen Bürgerentscheid.

Die Infrastruktur ist veraltet

Dass am Neumarkt etwas passieren muss, ist dagegen weitgehend unstrittig. Die Infrastruktur ist veraltet, Strom- und Wasserleitungen gehören ausgetauscht, Toiletten und schönere Sitzgelegenheiten täten Not. Zudem fehlen Konzepte oder Möglichkeiten, um den Platz nicht nur für Märkte, sondern auch für Konzerte oder Fußball-Public-Viewings besser nutzen zu können.

Das "Herz der Innenstadt" und das "Bindeglied zwischen Neu- und Altstadt" sei der Neumarkt, sagt IHK-Geschäftsführerin Monika Sommer, die eine Aufwertung grundsätzlich will. Das stärke den Handel vor Ort und belebe die Innenstadt. Ob die Platanen diesem Ziel im Weg stehen oder den Weg ebnen, sagt sie freilich nicht. Nur, dass alle Beteiligten bei den Plänen mitreden sollten.

Der Marktfrau ist die Verschiebung ganz recht

Das sei durchaus passiert, berichtet Sandra Forciniti. Seit über 30 Jahren verkauft sie Obst und Gemüse auf dem großen Stand in der Mitte des Platzes. Die Marktbeschicker seien immer wieder eingeladen worden. "Wir haben so viel Zeit dafür aufgeopfert."

Aber mit den Vorschlägen der Stadt, etwa wo die Stände nach dem Umbau stehen sollten, "waren wir nicht zufrieden". Die Platanen findet die Marktfrau gut: "Ich brauche fast keine Schirme für das Gemüse." Forciniti fordert vielmehr die Wiedereröffnung des 2018 geschlossenen Parkplatzes auf dem Neumarkt.

Platanen "gut für Klimawandel gewappnet"

Das beantragt auch die FDP-Fraktion. Die größte Fraktion, die der CDU, ist jedoch dagegen. Auch die Grünen lehnen das ab: "Wir haben den Neumarkt erst von einem Parkplatz in einen Platz verwandelt. Jetzt müsste man auch Konzepte entwickeln, ihn zu nutzen", sagt Fraktionschef Sebastian Schaub.

Zentrales Element seien dabei die Platanen, denn die seien "so gut für den Klimawandel gewappnet wie wenige Bäume". Nur würden sie in Limburg nicht fachgerecht geschnitten, weshalb sie auf dem Neumarkt oft etwas trostlos ausschauten.

Nun bleiben sie wohl mindestens noch drei Jahre lang stehen. Erst dann soll wirklich ein Bürgerentscheid klären, was mit den Platanen passieren soll. Dann beginnt doch noch die Arbeit für Angelika Seip und die Bürgerinitiative.

Sendung: hr4, die hessenschau für Mittelhessen, 29.06.2020, 12.30 Uhr