Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken

Die SPD-Basis hat eine neue Doppelspitze gewählt - und sich überraschend für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans entschieden. Hessische Sozialdemokraten forderten jetzt Zusammenhalt in der Partei. Sympathiebekundungen kamen von einem CDU-Politiker.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die Brandenburgerin Klara Geywitz sind beim SPD-Mitgliederentscheid über den Parteivorsitz gescheitert. Viele Beobachter in Berlin hatten das Duo im Vorfeld favorisiert, doch es kam anders: Mit 53,06 Prozent der Stimmen gewannen der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken.

Nancy Faeser, die neue Landesvorsitzende der hessischen SPD, gratulierte den beiden auf Twitter - nicht ohne dem unterlegenen Duo zu danken. Faeser setzte hinzu, jetzt gelte es zusammenzustehen für eine starke SPD.

Herzlichen Glückwunsch an @EskenSaskia & @NowaboFM zur Wahl zum Parteivorsitz! Herzlichen Dank und großen Respekt an @klara_geywitz & @OlafScholz Jetzt gilt es zusammenzustehen für eine starke @spd .

[zum Tweet]

SPD-Generalsekretär Christoph Degen postete auf Instagram ein - nicht mehr ganz taufrisches - Foto von sich mit dem designierten neuen SPD-Ko-Vorsitzenden Walter-Borjans. Ähnlich wie Faser appellierte er: "Jetzt ist der Wahlkampf vorbei und wir müssen alle gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und zusammenstehen."

"Klatsche" für Hauptstadtjournalisten

"Das Ergebnis ist zu respektieren", twitterte der Kasseler SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels eher nüchtern. "Jetzt heißt es, die #SPD zusammenzuhalten." Dazu seien auch die unterlegenen Kandidaten notwendig. Der südhessische Bezirksvorsitzende Kaweh Mansoori reagierte deutlich euphorischer auf das Votum der SPD-Basis: "Die Unterstützung aus Hessen-Süd ist euch sicher, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit."

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach stufte das Votum als Niederlage für Scholz und Geywitz ein, fügte aber auf Twitter hinzu: "Die eigentliche Klatsche erhielten die Hauptstadtjournalisten, die wieder mal glaubten, sich ihre Wunschkonstellation herbeischreiben und -kommentieren zu können."

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) bekannte auf Instagram, sein früherer Ministerkollege Walter-Borjans sei von Anfang an sein Favorit für den SPD-Bundesvorsitz gewesen. Sie hätten "oft die politische Klinge gekreuzt", aber "persönlich ist er ein netter Kerl", schrieb Schäfer: "Das Feierabendbier war mit Norbert immer ein Vergnügen!"

Wie geht es weiter mit der GroKo?

Unionspolitiker in Berlin forderten die SPD nach der Urwahl der Parteispitze zu einer Fortsetzung der Großen Koalition auf. Auch der Frankfurter Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour (Grüne) erklärte, der SPD-Parteitag müsse nun entscheiden, wie es mit der GroKo weitergeht. "Was nicht geht, ist eine Hängepartie in die deutsche #EU-Ratspräsidentschaft hinein", twitterte Nouripour. "Das wäre das letzte, was Europa nun braucht."

Walter-Borjans und Esken machten am Samstagabend klar, dass sie den Fortbestand der Koalition von Nachverhandlungen mit der Union abhängig machen. Darüber wollen sie den Bundesparteitag Anfang Dezember entscheiden lassen, der sie am 6. Dezember zu Parteivorsitzenden wählen soll.

SPD-Mann Weiß: "Eine wirklich schlimme Wahl"

Während FDP-Bundeschef Christian Lindner zum SPD-Votum knapp erklärte "Ich bin völlig baff", reagierte die hessische FDP-Politikerin und Vizepräsidentin des Europaparlaments Nicola Beer mit einer Frage: "Die Lust am Untergang?" Die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) kommentierte das Mitgliedervotum der SPD auf Twitter noch drastischer: "Der Moment, in dem neue Illusionen über eine verrottete Partei geschaffen werden."

Humor bewies am Samstagabend der SPD-Landtagsabgeordnete und erklärte Fußballfan Marius Weiß. "Eine wirklich schlimme Wahl eben", twitterte er, kurz nachdem im Willy-Brandt-Haus in Berlin das Ergebnis des SPD-Mitgliederentscheids bekanntgegeben worden war: "Wir bekommen Frankreich und Portugal in unsere Gruppe."