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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found AfD bereitet sich auf Bundesparteitag vor

Die hessische AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar im Bundestag bei einer Rede am Pult

Die AfD sucht ihr Spitzenkandidatenpaar zur Bundestagswahl. Eine der Bewerberinnen ist die hessische AfD-Bundespolitikerin Joana Cotar. Sie könnte die Nachfolge von Fraktionschefin Alice Weidel antreten.

In der Führungsetage der AfD herrscht seit jeher eine große Fluktuation. Nun könnte die Gießener Bundestagsabgeordnete Joana Cotar die amtierende Fraktionschefin Alice Weidel im Wahlkampf zur Bundestagswahl als Nummer eins beerben. 2017 war Alice Weidel gemeinsam mit Alexander Gauland als Spitzenduo zur Bundestagswahl angetreten.

Cotar sitzt seit 2017 für die hessische Landesliste der AfD im Bundestag, sie ist digitalpolitische Sprecherin der Fraktion. Die gebürtige Rumäniendeutsche floh mit ihrer Familie nach Deutschland, als sie fünf Jahre alt war. Sie ist seit der Parteigründung 2013 AfD-Mitglied und baute nach eigenen Angaben "die Partei in Hessen mit auf", dort war sie zeitweise Landessprecherin. Während ihrer Studienzeit war sie Mitglied der CDU.

Cotar sieht Kandidatur als Chance für Balance

In der Internetzeitung "The GermanZ" warb sie indirekt für ein Team aus ihr und dem Co-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla: "Ost und West, Mann und Frau, Sozial und Freiheitlich." Das würde ihrer Meinung nach auch eine Balance zwischen verschiedenen Teilen der Partei herstellen.

Ihr möglicher Co-Spitzenpartner Chrupalla trat Ende 2019 die Nachfolge Gaulands als AfD-Bundesvorsitzender an. Der Sachse repräsentiert vor allem die ostdeutschen Landesverbände. Dem im Osten dominanten, formal aufgelösten völkischen "Flügel" gehörte Chrupalla nicht an. Er hat aber beste Kontakte zu dessen Vertretern, auch zu dem Thüringer Björn Höcke.

Politologin gilt als Meuthen-Vertraute

Cotar selbst gilt als Vertraute des Co-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen, der für einen wirtschaftsliberalen Kurs innerhalb der Partei steht. Sie selbst nennt sich "eine von den Freiheitlichen" in der AfD. In den Flügelkämpfen der AfD sieht sie eine Gefahr für den Bestand der Partei. Vor ihrer Zeit als Abgeordnete arbeitete die studierte Politikwissenschaftlerin als Eventmanagerin bei Finanzinstituten in Deutschland und der Schweiz, zuletzt als Projektmanagerin in der IT-Branche.

Die 48-Jährige rückte Ende 2020 als Beisitzerin in die engere Parteispitze auf - wodurch Meuthen seine knappe Mehrheit im Bundesvorstand ausbauen konnte. Sollte sich die Vertraute Meuthens als Spitzenkandidatin durchsetzen, wäre das ein Sieg für die wirtschaftsliberalen Kräfte um den AfD-Vorsitzenden.

Unklar, wann Spitzenfrage geklärt wird

Doch die Frage, wann sich die Partei für ihr Spitzenduo entscheidet, ist derzeit noch offen. Die Mehrheit der AfD-Delegierten hat auf dem Parteitag am Samstag gegen die Wahl eines Spitzenduos gestimmt, wie der Spiegel mitteilte. Stattdessen sollen die Parteimitglieder zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Fraktionschefin Alice Weidel galt bis vor kurzem eigentlich als wahrscheinliche Kandidatin für die Spitzenkandidatur. Doch das schlechte Abschneiden ihrer Baden-Württemberger AfD bei der Landtagswahl sowie eine seit länger brodelnde Affäre um dubiose Spenden aus der Schweiz an ihren Kreisverband Bodensee kratzen an ihrem parteiinternen Standing. Ob Weidel erneut antritt, ließ sie zunächst offen.

Sendung: hr-iNFO, 09.04.2021, 9.00 Uhr