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Junge Union: Neuanfang nur mit uns

Boris Rhein will die Hessen-CDU jünger, bunter, weiblicher machen. Der Parteinachwuchs hofft auf mehr Einfluss. Aber ist er nicht selbst zu unmodern, unsexy und männerdominiert? Ein Interview mit JU-Landeschef Sebastian Sommer.

Maximal 35 Jahre alt darf man sein, um Mitglied der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) zu sein. Es stehen am Samstag aber ein Parteikollege mittleren Alters (50) und ein deutlich älterer (70) im Mittelpunkt des zweitägigen Landestages in Baunatal (Kassel).

Der zum Ministerpräsidenten gewählte Boris Rhein kommt zum Antrittsbesuch, sein Vorgänger Volker Bouffier verabschiedet sich.

Als künftiger Landesvorsitzender der Hessen-CDU will Rhein die Partei "jünger, bunter und weiblicher" machen, als sie nach der Bouffier-Ära dasteht. Darüber haben wir mit dem JU-Landesvorsitzenden Sebastian Sommer gesprochen.

hessenschau.de: Herr Sommer, werden Sie sich am Landestag Kritik verkneifen, wenn die Junge Union Volker Bouffier verabschiedet? Genug Meinungsverschiedenheiten gab es.

Sebastian Sommer: Unsere Kritik war die ganze Zeit, dass wir einen geregelten Übergang brauchen, eine Zukunftsperspektive für die hessische CDU, aber auch an der Spitze der Landesregierung. In der Landesregierung ist das gelungen, in der Partei steht es bevor. Insofern gibt es keinen Grund für Kritik.

hessenschau.de: Es lief auch politisch nicht harmonisch. Die JU hat einen konservativeren Kurs gefordert. Sie haben für die Merkel-Nachfolge auch den Kandidaten unterstützt, den Bouffier verhindern wollte: Friedrich Merz.

Sommer: Wir haben selbstverständlich als Junge Union eine eigene Meinung und vertreten sie auch immer gegenüber der Mutterpartei hier in Hessen, sei es in Personalfragen oder in inhaltlichen Debatten. Wir verstehen uns auch als Stachel im Fleisch der Union und sprechen Themen an, die der Parteispitze unangenehm sind.

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Zur Person

Sebastian Sommer ist 28 Jahre alt und wohnt in Wehrheim (Hochtaunus). Er arbeitet im hessischen Innenministerium. Vorher war er Standesbeamter in Bad Homburg.

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hessenschau.de: Die JU hat bis zum Ende der Ära Bouffier jedenfalls merklich an Präsenz und Einfluss verloren. Kein einziges JU-Mitglied sitzt derzeit im Landtag. Der jugendpolitische Sprecher der CDU-Fraktion wird 40.

Sommer: Wir haben ganz klar den Anspruch, nach der Wahl im kommenden Jahr wieder mit Vertretern der Jungen Union dem Landtag anzugehören und der CDU-Fraktion ein Update zu verpassen. In der Kommunalpolitik sind wir mit 500 Mandaten schon sehr gut aufgestellt. Wir haben inzwischen auch einige CDU-Kreisvorsitzende und treiben so die Modernisierung der Partei voran.

hessenschau.de: Derzeit ist selbst der Posten als JU-Landeschef karrieretechnisch nicht attraktiv. Ihre Vorgänger waren im U35-Alter weiter als Sie: Stefan Heck und Peter Tauber im Bundestag, Ingmar Jung als hessischer Staatssekretär.

Sommer: Den JU-Landesvorsitz macht man vor allem, um die jungen Themen voranzubringen und die CDU zu modernisieren. Da haben wir noch viel vor, da habe auch ich noch viel vor. Der Vorsitz ist ein Ehrenamt, das mir sehr viel Freude bereitet.

Wenn man mich fragt, ob ich mir vorstellen könnte, beruflich Politik zu machen, ist das wie bei einem kleinen Jungen, der gerne Fußball spielt und der gefragt wird, ob er Profi werden will. Dann antworte ich selbstverständlich: Klar kann ich mir das vorstellen, aber es muss sich auch die passende Gelegenheit dazu ergeben.

hessenschau.de: Unter Boris Rhein soll die CDU ab Juli dann ja jünger werden. Hat er mit Ihnen darüber schon gesprochen?

Sommer: Ja, wir haben vor einigen Wochen sehr intensiv miteinander gesprochen. Da habe ich ihm schon einmal die Forderungen der jungen Generation nähergebracht. Einen glaubwürdigen Neuanfang an der Spitze der hessischen Union kann es nur mit der Jungen Union geben. Deshalb machen wir auch ein selbstbewusstes Angebot für die Positionen im Landesvorstand und hoffen auch auf seine Unterstützung.

hessenschau.de: Bei der Landtagswahl kann Herr Rhein vielleicht gar nicht so viel für Sie tun. Die CDU hat zuletzt alle Mandate in Wahlkreisen geholt, nicht über die Landesliste. Die Entscheidung fällt die Basis.

Sommer: Deshalb ist es auch unser Ansatz, vor Ort in den Wahlkreisen anzusetzen. Wir wollen Direktmandate holen. Es ist an den jungen Leuten dort, zu sagen: Ich habe den Mut und werfe meinen Hut in den Ring. Nur so können wir der CDU das Update verpassen.

hessenschau.de: Vielleicht bräuchte die JU selbst ein Update. Ihr Programm und Ihr Auftreten sind ernsthaft, es wirkt aber nicht eben sexy. Mit Repräsentanten wie Philipp Amthor wirken Sie nicht einmal jung.

Sommer: Täuschen Sie sich da mal nicht: Wenn wir nicht jedem Trend hinterher laufen, heißt das nicht, dass wir verstaubt sind. Wir sind sehr jung, und auch unsere Themen sind jung. Ein Thema wie generationengerechte Finanzen und ob wir mit Schulden zugeschüttet sind oder noch Spielraum haben, ist gewiss ernst. Aber es beschäftigt junge Leute sehr. Das gilt auch für Bildung oder Digitalisierung. Wir haben da viele innovative Ideen und wir sprechen damit auch viele junge Menschen an.

hessenschau.de: Bei der Bundestagswahl sah das anders aus. Die CDU liegt bei Unter-25-Jährigen auf Platz vier. Wer jung und vor allem für Klimaschutz, Gerechtigkeit und Diversität ist, wählt meist Grüne, dann kommt SPD - für Wirtschaftsfreundlichkeit und Modernisierung die FDP.

Sommer: So schwarz-weiß, wie Sie es darstellen, ist es nicht. Wir gehen die Probleme mit Pragmatismus an. Das ist der Ansatz, den die Junge Union immer wieder vorantreibt. Wir wollen eben nicht radikal Klimapolitik umsetzen. Wir setzen auf ein Umdenken und Innovationen statt auf Brechstange und Verbote. Wie wir mit unseren Daten umgehen oder die Infrastruktur ausbauen – auch dafür braucht es vernünftige Politik und keine Ideologie.

hessenschau.de: Bunter und weiblicher will die Hessen-CDU auch noch werden. Da haben Sie selbst viel zu tun. Der engere, fünfköpfige JU-Landesvorstand zum Beispiel ist reine Männersache.

Sommer: Der gesamte Landesvorstand besteht aber fast zur Hälfte aus Frauen. Die meisten Bezirksvertretungen sind weiblich. Dazu kommen unsere Justiziarin, die Vorsitzende der Antragskommission oder die Chefredakteurin des Mitgliedermagazins. Wir haben an den wichtigen Positionen viele sehr gute Frauen.

Aber klar, wir haben da auch noch was zu tun. Wenn man Volkspartei sein will, muss man möglichst viele Gruppen in der Bevölkerung ansprechen. Auch auf dem Gebiet sind wir der Mutterpartei allerdings schon einen Schritt voraus. Solche Fragen lösen wir aber nicht mit der Quote.

hessenschau.de: Klingt nicht danach, als würden Sie nächstes Jahr bei der Wahl des JU-Landesvorsitzenden mal einer Frau den Vortritt lassen. Oder wenigstens ein Führungsduo bilden.

Sommer: In der Union steht immer die Frage der Kompetenz an erster Stelle, dann folgen Fragen wie Alter und Geschlecht. Eine Doppelspitze ist nicht das, was wir wollen.

Das Gespräch führte Wolfgang Türk.

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