Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kassel startet Wahlhelfer-Kampagne

Wahlhelfer in Bayern bei Stimmenauszählung

Die Aufgabe klingt so machbar wie bedeutsam, und sogar ein kleiner Obolus ist drin: Weil viele ältere Wahlhelfer wegen der Corona-Risiken auszufallen drohen, suchen Städte für die kommende Kommunawahl händeringend nach Nachwuchskräften. Kassel startete sogar eine Plakat-Kampagne.

Wer jung und gesund ist und am 14. März nächsten Jahres noch nichts vorhat, gehört zu einer begehrten Zielgruppe: Die Kommunen sind auf der Suche nach Wahlhelfern für die Kommunalwahl - wegen Corona schon frühzeitig, denn der Bedarf an neuen Freiwilligen ist hoch. Denn viele Wahlhelfer, die in den vergangenen Jahren regelmäßig Stimmen auszählten, sind eher ältere Semester. Bedenken, im März stundenlang im Wahlbüro zu sitzen, könnten sie diesmal abhalten, fürchten die Kommunen. Insgesamt braucht es in Hessen rund 55.000 Wahlhelfer.

Kassel rührt die Werbetrommel

Also wird der Job von den Städten genauso verzweifelt wie vollmundig beworben. "Investieren Sie ein wenig Freizeit", appelliert Wiesbaden etwa auf der städtischen Internetseite. In Gießen wird eine "interessante und verantwortungsvolle Tätigkeit" versprochen. Biedenkopf mahnt, "verlassen Sie sich nicht darauf, dass es 'die Anderen' schon machen" und Braunfels (Lahn-Dill) findet, "gerade für Jugendliche ist die Aufgabe interessant". Allerdings müssten die "Jugendlichen" bereits im wahlberechtigten Alter sein, um mitmachen zu dürfen.

In Kassel geht man nun sogar noch einen Schritt weiter. Neben hoffnungsvollen Appellen ("Erleben Sie ein Stück Demokratie 'hautnah'") startete die Stadt am Montag eine Werbekampagne, um jüngere Wahlhelfer zu gewinnen. Studentinnen der Kunsthochschule haben dazu Plakate entworfen, die jetzt an Litfaßsäulen in der ganzen Stadt prangen werden, dazu soll es Aufrufe über Soziale Medien geben. "Jede Stimme zählt, und Du kannst sie zählen", lautet einer der Sprüche, der die jüngere Generation, oder zumindest jene jenseits der Risikogruppen, in die Wahllokale locken soll.

Mehr Helfer als üblich benötigt

2.200 Helfer werden im März in Kassel gebraucht. Das sind 400 mehr als sonst, weil mit mehr Briefwählern gerechnet wird. Die Zahl der Briefwahlbezirke wurde stark angehoben von 50 auf 91. "Jetzt ist es umso wichtiger, dass sich viele junge Menschen bereit erklären, bei den Kommunalwahlen zu helfen", sagte Bürgermeisterin Ilona Friedrich.

Von den "traditionellen" Ehrenamtlichen, die teils seit Jahren bei Wahlen helfen, seien allein 500 über 60 Jahre alt, so Friedrich. Sie rechnet damit, dass sich wegen Corona einige gegen einen Einsatz in diesem Jahr entscheiden. Das Land empfiehlt den Kommunen, dass Risikogruppen oder gefährdete Angehörige nicht als Wahlhelfer berufen werden sollen.

"Erfrischungsgeld" inklusive

Der Aufruf an die jüngere Zielgruppe solle aber nicht heißen, dass die Ü60-Generation ausgeschlossen werde, unterstrich Bürgermeisterin Friedrich. Der älteste Ehrenamtliche, der Corona trotzen und nächstes Jahr wieder mit auszählen will, sei 78 Jahre alt. Trotzdem setzt die Stadt dieses Mal besonders auf das Verantwortungsgefühl der Jüngeren: Die Universität Kassel hat bereits in der vergangenen Woche Mails an Studierende und Mitarbeiter geschickt und zum Auszählen aufgerufen, erfolgreich: Rund 360 potenzielle Helfer meldeten sich bei der Stadt.

Die Stadt Kassel und Studierende der Kunstuniversität präsentieren die Litfaßsäulen-Plakate - so sollen junge Wahlhelfer gewonnen werden.

Zwei kleine Erleichterungen gibt es auch für künftige Wahlhelfer: Das Ehrenamt wird in Hessen mit einem sogenannten "Erfrischungsgeld" von 35 Euro vergütet. Und wer nicht mehr vollständig parat hat, was Kumulieren und Panaschieren bedeutet, kann trotzdem mitmachen: Am Wahlsonntag müssen Helfer in Kassel nur die sogenannten Kopfstimmen zählen - der Rest wird an den Folgetagen von städtischen Mitarbeitern ausgewertet.

Sendung: hr4, 24.11.2020, 7.50 Uhr