Blick aufs Rathaus in Wiesbaden.

Das riecht nach Stichwahl: Bei der OB-Wahl Ende Mai konkurrieren sieben Politiker um die Nachfolge des über eine Reiseaffäre gestolperten Amtsinhabers Gerich (SPD). Ein Bewerber entschloss sich spät, ein anderer vermutlich zu spät.

Zwei Kandidaten machten es spannend und meldeten sich erst am Montag. An diesem Tag endete um 18 Uhr die amtliche Bewerbungsfrist. Jetzt steht fest: Bei der Oberbürgermeisterwahl in Wiesbaden am 26. Mai können sich die mehr als 200.000 Wahlberechtigten einen von sieben Bewerbern als Wunsch-Nachfolger von Amtsinhaber Sven Gerich (SPD) aussuchen.

Der Wahlkampf wird zur Belastung der Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Jeder von ihnen hat einen Bewerber am Start, außerdem auch die im Stadtparlament vertretenen Fraktionen von AfD, FDP, Linkspartei und Freien Wählern.

Genug Vordrucke, zu wenig Unterschriften

Als Last-Minute-Kandidat warf noch der in der Stadtpolitik bislang unbekannte Elmar Krebber am Montag seinen Hut in den Ring, wie die Wahlleitung am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Die Chancen, dass der Überraschungsbewerber auch zugelassen wird, tendieren aber gegen Null.

Der Mann war offenbar wirklich kurz entschlossen gewesen: Er hatte sich erst am Freitag die Vordrucke für die nötigen Unterstützerunterschriften im Rathaus abgeholt. Statt der nötigen 162 gültigen Unterschriften habe er aber lediglich 79 zusammengebracht, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Der Wahlausschuss wird ihn daher voraussichtlich nicht zulassen können.

Amtsinhaber verzichtete unter Druck

Erst am letztmöglichen Tag hatte auch Christian Bachmann von den Freien Wählern bekannt gegeben, dass er antritt. Er gab als Begründung an, die kommunalpolitischen Affären der vergangenen Wochen hätten "selbst seine schlimmsten Befürchtungen übertroffen". Unter den bereits feststehenden anderen Kandidaten gab es laut Bachmann auch niemanden, den die Freien Wähler hätten empfehlen können.

Die Wahl steht unter dem Eindruck des Verzichts von Oberbürgermeister Gerich, noch einmal anzutreten. Der einstige SPD-Hoffnungträger war wegen einer Klüngel-Affäre unter Druck geraten. Er spricht von einer "Schlammschlacht", die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Auch die CDU ist involviert: Ihr Ex-Schatzmeister Ralph Schüler hat die Schlüsselrolle in der Affäre inne. Auch gegen ihn wird ermittelt.

Die OB-Kandidaten im Einzelnen:

  • Statt Amtsinhaber Gerich wird der 56 Jahre alte Gert-Uwe Mende für die SPD antreten. Er ist Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion.
  • Die CDU hat den 52 Jahre alten Dachdeckermeister Eberhard Seidensticker aus Schierstein nominiert.
  • Für die Grünen tritt die 57 Jahre alte Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, Christiane Hinninger, als Kandidatin an - bereits zum dritten Mal.
  • Die AfD vertritt der 71-jährige Kreisvorsitzende Eckhard Müller.
  • Die FDP nominierte den 42 Jahre alten Stadtverordneten Sebastian Rutten.
  • Die Linke wählte den 32 Jahre alten Stadtverordneten Ingo von Seemen zu ihrem OB-Kandidaten.
  • Der 44-jährige Christian Bachmann ist stellvertretende Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgerliste Wiesbaden im Stadtparlament.