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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Helge Braun im hr1-Interview

Kanzleramtsminister Helge Braun

In Berlin beraten Bundeskanzlerin Merkel und die Länderchefs über neue Anti-Corona-Maßnahmen. Kanzleramtschef Braun pocht auf strenge Kontrollen, auch um die Wirtschaft zu schützen - und lobt die Bürger.

Der Kanzleramtschef und Corona-Beauftragte der Bundesregierung, Helge Braun (CDU), hat das Vorgehen der Politik verteidigt, erst im August verpflichtende Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten anzuordnen. Der aus Gießen stammende Politiker sagte im hr1-Interview am Donnerstag, eine Quarantäneregel sei früh geschaffen worden.

Dann habe man festgestellt, dass vor allem Rückkehrer über Land diese Regeln nicht kannten oder nicht einhielten und trotzdem am Arbeitsplatz auftauchten. "Deshalb war es notwendig, einen schnellen Schritt zu gehen - das waren dann die verpflichtenden Tests, insbesondere an den Flughäfen, aber auch an den Straßen", betonte Braun.

"Sehr viele positiv Getestete erwischt"

Er verstehe, dass häufige Anpassungen der Regeln die Menschen verwirrten. "Aber im Ergebnis sehen wir gerade, dass wir gerade aus den Risikogebieten sehr viele positiv Getestete an den Flughäfen erwischt haben", sagte Braun weiter. "In den Bundesländern, wo die Sommerferien schon ein bisschen vorbei sind, sehen wir auch, dass die Corona-Zahlen durch die Rückkehrer erst einmal angestiegen sind." Dadurch, dass sie identifiziert und abgeschottet worden seien, gingen die Zahlen wieder herunter.

Trotz des heftigen Wirtschaftseinbruchs sieht Braun die Arbeit der Regierung als erfolgreich an: "Die wirtschaftlichen Katastrophen passieren ja dadurch, dass das Virus im Land ist und nicht dadurch, dass die Regierung handelt." In Schweden beispielsweise, wo es kaum Kontaktsperren gab, seien die Todeszahlen höher, die wirtschaftlichen Einbrüche aber nicht geringer.

"Unsicherheit schadet der Wirtschaft"

"Eines haben uns Schweden und Großbritannien gezeigt", sagte Braun: "Auch wenn wir keine Beschränkungen erlassen, wir die Infektionen aber nicht gut kontrollieren, dann entsteht am Ende eine Unsicherheit in der Bevölkerung, die der Wirtschaft schwer schadet." Vertrauen in die erlaubten Angebote und in ein nicht überlastetes Gesundheitswesen seien eine Grundvoraussetzung, dass die Wirtschaft laufe. Deutschland habe immer einen Mittelweg gesucht.

Mit Blick auf die Anti-Corona-Demonstrationen lobte Braun, selbst Arzt, den Teil der Bevölkerung, der die Maßnahmen mittrage: "Wenn das nicht der Fall wäre, dann wären die Infektionszahlen nicht so niedrig. Der Erfolg ist keiner der Politik allein, sondern von jedem Einzelnen, der sich an die Regeln hält."

Sendung: hr1, 27.08.2020, 8.20 Uhr