Maskenpflicht in der Schule

Die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht ist höchst umstritten. Selbst viele Schülerinnen und Schüler halten die Lockerung der Landesregierung für einen Schnellschuss. Die Lehrergewerkschaft GEW warnt vor einem Rückfall. Doch wer sind die Befürworter?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadrat Majer für Fortsetzung der Maskenpflicht in Frankfurter Schulen

Schüler mit Masken vor einem Hinweisschild zur Maskenpflicht
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Hessens Schülerinnen und Schüler verhalten sich nun im Unterricht anders als von Lothar Wieler, dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), empfohlen: Sie tragen im Klassenzimmer keine Masken mehr.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte in dieser Woche einige Lockerungen der Corona-Regeln verkündet, die seit Freitag in Kraft sind. Unter anderem diese: Die Maskenpflicht an den Schulen entfällt. Zumindest auf dem Schulhof und eben im Unterricht - auf dem Weg dorthin sollen die Schülerinnen und Schüler weiterhin den Mund-Nase-Schutz tragen.

RKI-Chef Wieler für Maskenpflicht bis zum Frühjahr

"Grundsätzlich ist das ein schöner Schritt in Richtung Normalität und ein Zeichen der Erleichterung", sagt Mika Schatz. Der 16-Jährige aus dem Lahn-Dill-Kreis ist Landesschulsprecher und schränkt bei aller Erleichterung ein: "Man sollte diese Maßnahme in Kreisen und Städten differenziert sehen und nicht pauschal geltend machen."

Wo geringe Inzidenzen herrschen, sei es durchaus vertretbar, die Maskenpflicht im Klassenzimmer abzuschaffen. "Aber vielleicht war dieser Schritt angesichts der immer stärker auftretenden Delta-Variante etwas undurchdacht", sagt Schatz. Nach nun eineinhalb Jahren Pandemie habe man doch mittlerweile gelernt, dass sich die Entwicklung schwer voraussagen lässt.

Genau davor warnte auch Lothar Wieler in der Bundespressekonferenz. "Das Ziel ist es, die Schulen aufzuhalten, aber eben mit einem sicheren Unterricht", sagte der RKI-Chef. Zuvor hatte er in der Rheinischen Post empfohlen, die Test- und Maskenpflicht in Schulen noch bis zum nächsten Frühjahr aufrecht zu erhalten.

Sorgen durch die Delta-Variante

Wieler sagte, er rechne mit einem steigenden Infektionsgeschehen an Schulen, denn man sehe dort schon jetzt größere Ausbrüche der Delta-Variante.

"Der Ansteckungsort ist aber nicht grundsätzlich an die Schulen gebunden", entgegnet Landesschulsprecher Schatz. Viele Schülerinnen und Schüler träfen sich nun - da zum einen das Wetter besser geworden ist und zum anderen die Kontaktbeschränkungen ebenfalls aufgehoben wurden - auch privat wieder öfter. "Da hätte es prinzipiell nicht viel geändert, hätten wir die Maskenpflicht bis zu den Sommerferien aufrecht belassen", sagt Schatz.

Genau das ist eine der Forderungen von Kritikern der Maskenpflicht-Lockerung: Lieber bis zu den Ferien auf Nummer sicher gehen, als dass möglicherweise aus dem Urlaub eine Quarantäne wird.

"Wir hätten uns gewünscht, dass wir an den Schulen bis zu den Sommerferien mit den Masken weitermachen wie bisher", sagt auch Birgit Koch, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen (GEW). Die Ferien hätten dann genutzt werden können, um die Schulgebäude mit dem Einbau von Luftfiltern auf den Herbst vorzubereiten. Der Gesundheitsschutz für Schüler und Lehrer müsse die oberste Priorität sein.

Oberste Priorität: Präsenzunterricht

Die GEW gehöre zum "Team Vorsicht", sagt Koch. Entsprechend halte die Gewerkschaft nicht viel von Bouffiers Lockerungsmaßnahme. "Wir dürfen nichts riskieren, wir müssen erhalten, was wir erreicht haben." Die sinkenden Infektionszahlen sprächen zwar eine deutliche Sprache. Doch angesichts der drohenden Delta-Variante stehe wieder das Thema Wechselunterricht in Aussicht. "Wenn man die Politiker so reden hört, macht man sich Sorgen", so Koch.

Für Hessens Lehrkräfte dürfe aber genau wie für Hessens Schülerinnen und Schüler dieses Thema keines sein, fordert Koch: "Die Schulen dürfen nicht noch einmal geschlossen werden."

Keine Beteiligung an Entscheidung

"Der Präsenzunterricht hat für uns oberste Priorität", betont auch Mika Schatz. Für ihn leidet die Qualität des Unterrichts mit Masken vor allem in Fremdsprachen, und nach mehreren Stunden sei das Tragen generell "irgendwann bedrückend" - aber beides müsse dem Vermeiden von Ansteckungen untergeordnet werden.

Koch und Schatz sind sich noch in einem anderen Punkt einig: Sie wären gerne in die Entscheidungsfindung eingebunden worden. Doch Koch und Schatz zufolge holten die politischen Entscheider weder bei der GEW noch bei der Landesschüler:innenvertretung Hessen (LSV) Rat ein. "Das wäre schon schön gewesen", sagt Schatz. "Es zieht sich durch die ganze Pandemie, dass mit uns kaum kommuniziert wird", meint Koch.

"Wenn die Dinge sich ändern, werden wir nicht zögern"

Dass die Maskenpflicht auch ohne Rücksprache mit Lehrenden und Lernenden abgeschafft wurde, sei eine Frage der Abwägung gewesen, sagte Ministerpräsident Bouffier: "Die einen sagen, ohne Masken ist es viel zu gefährlich. Die anderen fragen, wie lange ihre Kinder bei der Hitze noch unter Masken leiden sollen."

Die Landesregierung glaube, dass es verantwortbar sei, ohne Maske im Klassenzimmer zu sitzen. "Wir wissen auch, dass Kinder in aller Regel nicht ernsthaft erkranken", ergänzte Bouffier: "Wenn die Dinge sich ändern, werden wir nicht zögern, die Maßnahmen wieder in Kraft zu setzen."

Maskenpflicht nach Inzidenz?

Wenn die Dinge sich ändern. Für Mika Schatz keine befriedigende Aussage. "Was bedeutet das denn konkret?", fragt er. Sei die Entscheidung, ob im Klassenzimmer wieder Masken getragen werden müssen, künftig von Landes- oder Kreis-Inzidenzen abhängig? Darauf habe er bislang keine Antwort gefunden.

Noch eine andere Frage tut sich auf: Wenn weder Lehrende noch Lernende davon begeistert sind, Masken im Klassenzimmer abzusetzen - von wem kam dann die Forderung danach?

Kinder zeigen Verständnis für Masken

Die GEW-Vorsitzende Birgit Koch sagt, sie habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder Verständnis fürs Maskentragen zeigen und sich daran halten. "Von daher kann ich nicht verstehen, warum diese Maßnahme nun so plötzlich von der Landesregierung beschlossen wurde."

Noch habe sie diesbezüglich keine Rückmeldung von der Landeselternvertretung Hessen (LEB) bekommen. Die hat gerade einen neuen Vorstand gewählt: Vorsitzender ist nun Volkmar Heitmann aus Friedberg. Dieser verweist auf hr-Anfrage auf die erste inhaltliche Sitzung des LEB am Wochenende - erst danach könne er sich zum Thema Maskenpflicht äußern.

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Ihre Kommentare Weniger Maske in der Schule - sinnvoll?

82 Kommentare

  • Unverantwortlich so mit der Gesundheit unsere Kinder umzugehen.
    Klar es wird in September gewählt und die meisten Politiker haben Ihren Kinder in irgendeiner teure Internat mit moderne Luftfilter abgeschottet...

  • Wir quälen die Kinder schon lang genug. Gut das die Maskenpflicht beim Unterrichten jetzt entfällt. Im Sommer ist die Zahl der Infizierten wie wir wissen sehr gering. Warum soll bei einer Inzidenz von 0 eine Maske getragen werden?
    Für meine Kinder ist es eine Befreiung. Nachmittags sehen sich sowieso eine Vielzahl der Kinder aus der Klasse jetzt wieder bei Sport, Musik, Spielen, etc.

  • Schön zu sehen dass hier doch so viele vernünftige Menschen kommentieren! Ich hatte schon Angst dass sie auf die Panikmache von Herrn Professor Wieler und so weiter hereinfallen!

    Laut Statistik sind angeblich vier insgesamt Kinder gestorben, was natürlich schrecklich wäre, aber das zeigt auch gleichzeitige dass dieses Virus für Kinder so gut wie überhaupt keine Gefahr aus macht! im straßenverkehr und anderen Situationen kommen wesentlich mehr Kinder zu Schaden! ich bin vollkommen gegen die Masken Pflicht. Masken schützen nicht gegen Viren, sie werden auch nirgendswo sonst normalerweise verwendet, lediglich Chirurgen und Zahnärzte tragen sie, damit kein Speichel in die Wunde tropft, gegen Viren und Bakterien haben die noch nie was genutzt!

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