Gottesdienst mit Abstand in spärlichen besetzten Kirchenbänken

Die Politik will wegen gestiegener Infektionszahlen auf Präsenz-Gottesdienste zu Ostern verzichten. Die Bitte, Gottes Segen virtuell zu erteilen, findet bei den Kirchen aber wenig Anklang.

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hessenschau vom 23.03.2021
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Mit Befremden und Unverständnis haben die großen Kirchen auf die Empfehlung der Politik reagiert, auf Ostergottesdienste mit Besuch von Gläubigen in den Kirchen zu verzichten. Der katholische Bischof Georg Bätzing (Limburg) sagte als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag: "Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk. Zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie wir mit Vorsicht Messe feiern können." Darauf wolle man an Ostern nicht verzichten. Dies werde man in Gesprächen mit der Politik einbringen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (dpa)

Bund und Länder hatten in der Nacht zum Dienstag einen harten Lockdown von Gründonnerstag (1. April) bis Ostermontag (5. April) beschlossen. Zu Gottesdiensten heißt es in dem Beschluss: "Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen."

Dabei, so kündigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstagabend an, werde es wohl bleiben: "Selbstverständlich bereden wir das miteinander. Weil es eine ganz besondere Rechtsbeziehung zwischen Staat und Kirchen gibt, werden wir das nicht in einer Verordnung regeln." Er setze auf den gemeinsamen Dialog. "Es ist am Ende – und das kann ich schon mal vorwegnehmen – eine dringliche Bitte." Zuvor hatte sein bayerischer Amtskollege Markus Söder angekündigt, keinen Druck auf die Kirchen ausüben zu wollen.

Kein Druck, nur eine Bitte

Nach Auskunft des Vertreters der Bischofskonferenz bei der Bundesregierung, Karl Jüsten, finden nun Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und den entsprechenden Stellen auf Landesebene statt - in Hessen nach Angaben von Bouffier diesen Donnerstag. "Wir setzen darauf, dass einerseits die Religionsfreiheit gewahrt bleibt und die Religionsausübung an diesem höchsten Festtag der Christenheit möglich ist", sagte Jüsten. "Zugleich wird die Kirche alles tun, um die notwendigen Hygieneregeln einzuhalten."

Fuldaer Bischof: Sensibilität erforderlich

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sagte dem hr, er wolle nach Möglichkeit an der Ausrichtung von Ostergottesdiensten festhalten. Er wolle und könne die Kirchgänge nicht einfach absagen. "Wir feiern jetzt die wichtigsten Gottesdienste im Jahr. Da braucht es eine hohe Sensibilität, damit umzugehen."

Gerber in Kirche

Gerber sagte, er wolle sich nun mit den leitenden Geistlichen in Hessen und Vertretern der Landesregierung abstimmen, wie man verantwortbar Gottesdienste feiern könne. "Es bräuchte eine sehr gute Begründung dafür, dass man die nicht feiert", betonte Gerber. Die Kirche habe funktionierende Hygienekonzepte. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Gottesdienste Infektionstreiber seien. Man sei aber bereit, sich von der Politik und Virologen die neuesten Erkenntnisse mit Blick auf die noch gefährlicheren Coronavirus-Mutationen darlegen zu lassen.

Krisenstab tagt im Bistum Mainz

Vom Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gab es am Dienstag keine persönliche Stellungnahme. Ein Sprecher sagte allerdings, dass sich Kohlgraf der Position des Limburger Bischofs Bätzing anschließe. Im Bistum Mainz, das auf dem Gebiet von Hessen und Rheinland-Pfalz liegt, werde am Mittwoch ein Krisenstab tagen, um den weiteren Fortgang zu besprechen. Die Pfarreien hielten eine Dienstanweisung vom Bistum für wichtig.

Mit Verwunderung reagierten auch Vertreter der evangelischen Kirche. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte: "Der Beschluss des Corona-Gipfels hat uns sehr überrascht, zumal davon das wichtigste Fest der Christen betroffen wäre." Man werde sich in den angekündigten Gesprächen "zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdienste haben, nun nicht mehr ausreichen sollen". Anschließend werde man beraten, "wie wir mit der Bitte umgehen", sagte er laut Mitteilung.

Abstimmungsgespräche am Donnerstag

Eine Sprecherin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sagte in Kassel, man sei von der Empfehlung total überrascht worden. Bei der Bewertung der Lage schließe sich man sich der EKD an. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) rief ihre Gemeinden dazu auf, sich vermehrt auf Online-Veranstaltungen vorzubereiten. Mehr Informationen seien am Donnerstagabend nach bundesweiten Abstimmungsgesprächen zu erwarten. Am Donnerstag soll es Absprachen von Kirchenvetretern mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) geben.

katholischer Geistlicher predigt vor leeren Kirchenbänken, Kameramann filmt

Im vergangenen Jahr hatten die Kirchen im Lockdown auf öffentliche Ostergottesdienste verzichten müssen. Zu Weihnachten gab es Gottesdienste mit besonders strengen Regeln. Viele Gemeinden verlagerten die Feiern nach draußen, Voranmeldungen wurden verlangt und die Besucherzahlen stark begrenzt.

Weitere Informationen

Stichwort Ostern

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 23.03.2021, 19.30 Uhr