Breite und sichere Radwege wollen sie, unter anderem: Eine Gruppe von Frankfurtern hat ein Bürgerbegehren gestartet, um die Stadtpolitik unter Druck zu setzen. Zum Auftakt gab es eine Demo - natürlich auf dem Rad.

Videobeitrag

Video

zum Video Demo zum Auftakt des Radentscheids Frankfurt

Ende des Videobeitrags

Am Rand des Frankfurter Opernplatzes steht Volker Hartmann. Seit 1981 fährt er Rad in Frankfurt, damals zur Arbeit; inzwischen ist er Rentner und radelt immer noch. Den ÖPNV findet er zu teuer, das Auto zu dreckig. Aber das Fahrradfahren habe sich verändert, findet er: "Es geht konfrontativer zu auf den Straßen."

Das findet auch Norbert Szép: "Ich bin wütend, wenn ich meine Tochter in die Schule schicke und Angst um sie haben muss, weil die Radwege so unsicher sind", ruft der Allgemeinmediziner und Initiator des Radentscheids Frankfurt am Mittwoch den rund 150 Teilnehmern der Fahrrad-Demo auf dem Frankfurter Römerberg zu.

Unter ständigem Klingeln waren die Fahrradfahrer zuvor von der Alten Oper zum Römerberg geradelt, wo sie symbolisch ein goldenes Fahrrad und ein Plakat mit ihren Forderungen vor dem Rathaus anschlossen.

"Wir wollen ja nicht die Mobilität verbieten"

Die Rad-Aktivisten wollen, dass sich das Stadtparlament mit ihren Forderungen auseinandersetzt. Um das zu erreichen, haben sie ein Bürgerbegehren gestartet. 15.000 Unterschriften benötigen sie. Und die sammeln sie nun seit diesem Mittwoch. Unterstützt wird die Gruppe vom Fahrradclub ADFC und von Greenpeace.

Die Aktivisten wollen zum Beispiel sichere Radwege, breite Fahrradtrassen, Parkplätze für Räder und eine Förderung des Radverkehrs im Stadtgebiet. Würden die Ideen umgesetzt, ginge das wohl vor allem zu Lasten des Autoverkehrs.

"Wir wollen ja nicht die Mobilität verbieten. Viele, die jetzt Auto fahren, machen das ja nur, weil sie sich auf dem Fahrrad unsicher fühlen", sagt Szép. Und würden mehr Menschen Fahrrad fahren, gäbe es auch weniger Staus. "Wir sehen uns als Lösung."

Dan Orbeck, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), sagte zu hessenschau.de über die Forderungen: "Die generelle Linie finden wir alle gut, und vieles davon machen wir ohnehin schon selbst." Natürlich sei es Ziel der Stadtregierung, die Bedingungen für Fahrradfahrer zu verbessern.

Immerhin habe sich zwischen 2001 und 2016 der Radverkehr in Frankfurt vervierfacht. Aber nicht alles sei realistisch: "2,30 Meter breite Radwege sind in vielen Bereichen gar nicht möglich", sagt der Referent.

Vorbilder Berlin, Bamberg - und Darmstadt

Lehnt die Stadtverordnetenversammlung nach erfolgreichem Bürgerbegehren die Forderungen der Rad-Aktivisten ab, kommt es zum Bürgerentscheid. Dann können alle Frankfurter darüber abstimmen - nach der Vorstellung der Rad-Initiative könnte das am Tag der Landtagswahlen im Oktober sein. Um den Zeitplan zu halten, müssen die erforderlichen Unterschriften nun bis zum Sommer zusammenkommen.

Es gibt Vorbilder von erfolgreichen Radentscheiden, in Berlin und in Bamberg etwa. In Darmstadt läuft eine ähnliche Unterschriftenaktion seit Februar. Ein Sprecher der dortigen Initiative sagt, man habe die in Darmstadt erforderlichen 3.500 Unterschriften schon beisammen, sammle aber noch weiter bis Ende April. Mit den Kollegen in Frankfurt stehe man im regen Austausch.