Klinikum Frankfurt Höchst
Klinikum Frankfurt Höchst Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Angesichts haarsträubender Vorwürfe gegen die Psychiatrie in Frankfurt-Höchst geben sich die Verantwortlichen von Land, Stadt und Klinik betroffen. Klare Antworten bleiben sie dagegen schuldig - auch zukünftigen Patienten.

Was war das denn? War das die Öffentlichkeitsoffensive, auf die das Klinikum Frankfurt Höchst alle Interessierten seit zehn Tagen vertröstend hingewiesen hat? Vielen kam diese Pressekonferenz im Landtag wie Hohn vor. Das zeigen die Kommentare, die den hr schon während der Live-Übertragung der Konferenz auf Facebook erreicht haben. Und mir ging es genau so.

Das fing an mit der Besetzung des Podiums. Da saßen Sozialminister Kai Klose, der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (beide Grüne) und Klinik-Chefin Dorothea Dreizehnter. Deren Botschaft lautete: Uns hat die RTL-Reportage auch schockiert - falls das alles stimmt. Jetzt klären wir aber auf.

Wo aber war eigentlich der Chefarzt der Höchster Psychiatrie, Dr. Michael Grube? Wenn jemand etwas dazu sagen kann, wie es auf der Station D42 zugeht und warum es dort so zugeht, wie es offenbar zugeht, dann er.

Einer wurde vermisst

Er war nicht dabei, ich habe ihn vermisst. Denn er hätte viel zu erklären: Warum wurden offenbar depressive, ruhebedürftige Patienten zusammen mit aggressiven Patienten untergebracht - mit Patienten, die laut schreien und Angst einflößen? Wenn es passiert ist, wofür vieles spricht: Passiert es immer noch? Keine Antwort.

Warum fanden offensichtlich Arztvisiten auf dem Flur statt, ohne Wahrung der Privatsphäre der Patienten? Gibt es das immer noch? Keine Antwort. Waren die Arzt-Visiten wirklich nur so kurz, wie in der RTL-Reportage dargestellt? Stinkt es auf der Station tatsächlich so, ist es dort so düster, wie es viele Menschen nun berichten? Auch dazu keine Auskunft.

Allgemeinplätze schaffen kein Vertrauen

Minister, Dezernent und Klinik-Chefin hüllten sich in Allgemeinplätze, die Klinik-Chefin wollte nicht mal von Missständen, sondern nur von Mängeln reden, an deren Beseitigung ohnehin schon lange gearbeitet werde. Und warum überhaupt gab der arglos erscheinende Klose gemeinsam mit der Klinik-Chefin diese Pressekonferenz - angesichts so unterschiedlicher Rollen und Interessen? Sein Sozialministerium ist schließlich die Aufsichtsbehörde der Klinik, Klose ist der Oberprüfer.

So lässt sich Vertrauen in die Höchster Psychiatrie gewiss nicht wieder herstellen. Und ohne Vertrauen in Ärzte und Klinik kann keiner gesund werden - gerade bei psychischen Erkrankungen.

Jeder, der in Frankfurt in eine Lebenskrise gerät, kann sich unversehens in der Station D42 in Höchst wiederfinden. Das Klinikum hat nämlich einen Auftrag für die Notfallversorgung. Und wer würde nach dieser Pressekonferenz jetzt sagen: Geh ruhig nach Höchst, dort bist du in besten Händen? Ich würde nicht dort hingehen.

Sendung: hr1, 28.03.2019, 16.20 Uhr