Volker Bouffier

Der Erfolg der CDU beim hr-Hessentrend ist eng mit Volker Bouffier verknüpft. Der Ministerpräsident geht in persönlich wie politisch schwerer Zeit unbeirrt seinen Weg. Diese Entschlossenheit fehlt dem grünen Regierungspartner, findet hr-Landtagskorrespondentin Ute Wellstein.

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zum Video Krisenmanager Bouffier schüttelt die Grünen ab

hs
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Natürlich warnen sie, der Hessentrend sei nur eine Momentaufnahme. Aber in Wahrheit dürften Freude und Erleichterung bei der CDU immens sein. 36 Prozent Zustimmung in Hessen - auf diesem Niveau lag die Partei zuletzt bei der Landtagswahl 2013. Dann schloss sie eine Koalition mit den Grünen und die Werte sanken beständig, bis beide im Hessentrend vor drei Monaten fast gleichauf lagen. Es stellte sich schon die Frage, wer in Zukunft Senior- und wer Juniorpartner in der schwarz-grünen Beziehung sein würde.

Nun sind aus Sicht der CDU die Verhältnisse wieder gerade gerückt, die Union ist den Grünen mit einem Unterschied von 16 Prozentpunkten voraus. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dessen Beliebtheitswerte sich lange kaum von denen seines Vize Tarek Al-Wazir (Grüne) unterschieden, zum Teil sogar schon darunter lagen, ist mit 69 Prozent vom Wahlvolk so geschätzt wie nie - und Al-Wazir mit 50 Prozent ist deutlich abgeschlagen.

Bouffier schafft Vertrauen

Damit spiegelt sich in Hessen wider, was man auch andernorts sehen kann: In der Krise gewinnen die Regierungschefs, die Bürgerinnen und Bürger suchen offenbar nach einem Halt in erfahrenen Politikern, die ihnen Vertrauen einflößen. Das gilt für Angela Merkel (CDU) ebenso wie für Bouffier.

Der hat im vergangenen Jahr in besonderer Weise gezeigt, dass er krisenfest ist. Seine persönliche Krebserkrankung, die Ermordung seines Freundes Walter Lübcke durch einen Rechtsextremen, die Führungskrise der CDU auf Bundesebene, der rassistische Anschlag in Hanau und nun die Corona-Krise: Vielen nötigt es Respekt ab, dass der Regierungschef unbeirrt weitermacht. So hängt der Zwischenerfolg der CDU vor allem an der Person Bouffier, der im vergangenen Jahr eigentlich schon über seinen Abgang aus der Politik nachgedacht hatte.

Kein Vorangehen bei den Grünen

Die Grünen hingegen konnten in der Corona-Krise bisher nicht punkten, obwohl sie mit Gesundheitsminister Kai Klose und Wirtschaftsminister Al-Wazir zwei Schlüsselministerien zur Bewältigung der Krise leiten. Große Fehler sind bei ihrem Krisenmanagement nicht sichtbar geworden, aber eben auch kein beherztes Vorangehen, um die Krise mit eigenen Ideen zu bewältigen.

Was heißt das für den Ausgang der nächsten Landtagswahl im Jahr 2023? Wenig. Vor allem zeigt diese Umfrage, wie schnell sich mit den beherrschenden Themen auch die Umfragewerte der Parteien ändern können. Waren die Grünen vor drei Monaten noch auf einem Allzeithoch, weil der Klimaschutz vielen als das wichtigste Thema erschien, sind sie nun wieder deutlich abgesackt. War die CDU vor drei Monaten der Depression nahe, weil sie von ihrem kleinen Koalitionspartner eingeholt worden war, hat sie nun einen unverhofften Höhenflug, weil sie als Krisenmanagerin in Berlin und Wiesbaden glänzen kann.

Ein paar Monate später, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Krise für die Wähler fühlbar werden, wenn die andauernden Einschränkungen des persönlichen Lebens schwerer erträglich werden, dann könnten wieder ganz andere Parteien profitieren.

Die Grafik zeigt die Ergebnisse der sogenannten Sonntagsfrage. CDU: 36% - Grüne: 20% - SPD:18% - AfD:10% - FDP: 7% - Linke: 4% - Sonstige:5%

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.05.2020, 19.30 Uhr