Foto der Frankfurter Skyline, im vordern Bild ist der Main zu sehen.

Erstmals sind die Grünen stärkste Fraktion im Frankfurter Römer. Auch nach Auszählung der kumulierten und panaschierten Stimmen liegen sie vor CDU und SPD.

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Audioseite Kommunalwahl in Frankfurt: Grüne vor CDU und SPD

Flagen von Frankfurt, Hessen, Deutschland und Europa vor dem Römer
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Vier Tage nach der Kommunalwahl steht fest: Die Grünen stellen künftig die stärkste Fraktion im Frankfurter Römer. Mit 24,6 Prozent der Stimmen halten sie 23 Sitze - und damit drei Sitze mehr als die CDU, die nach Auszählung der kumulierten und panaschierten Stimmen auf 21,9 Prozent kommt. Bei der Kommunalwahl 2016 hatten die Grünen in Frankfurt nur 15,3 Prozent erreicht.

Das Säulendiagramm zeigt das Wahlergebnis der Stadtverordnetenwahl in Frankfurt.

Die SPD, die mit Peter Feldmann den Oberbürgermeister stellt, ließ deutlich Federn: Mit 17,0 Prozent büßte sie 6,8 Prozentpunkte ein und hält künftig nur noch 16 Sitze. Die FDP konnte sich leicht verbessern auf 7,6 Prozent (+0,1), die Linke verlor 0,1 Punkte und kam auf 7,9 Prozent.

Die AfD, die nach dem Trendergebnis noch bei 5,8 Prozent gelegen hatte, erhielt weniger kumulierte und panaschierte Stimmen als andere Parteien. Sie rutschte mit dem vorläufigen Ergebnis auf 4,5 Prozent und verlor damit insgesamt 4,4 Punkte.

Die erstmals bei Kommunalwahlen angetretene proeuropäische Bürgerpartei Volt, die sich Chancengleichheit, Solidarität und Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat, erzielte auf Anhieb 3,7 Prozent und kommt damit auf vier Sitze.

Feldmayer: "Das wäre historisch"

Das gute Abschneiden der Grünen liegt hessenweit im Trend. Auch in Kassel oder Wiesbaden konnten sie zulegen, in Darmstadt ihre ohnehin starke Position behaupten. Die Spitzenkandidatin der Frankfurter Grünen und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag, Martina Feldmayer, zeigte sich schon am Sonntagabend begeistert. "Wenn sich das bestätigen sollte, wäre das historisch", sagte sie.

Nach möglichen Bündnispartnern befragt, erklärte Feldmayer, es komme darauf an, mit wem die Grünen beim sozial-ökologischen Aufbruch die größten Schritte machen könnten. Entscheidende Themen seien dabei etwa Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit und der Kampf gegen Rassismus.

CDU sieht Ursachen in Berlin

Die CDU verlor im Vergleich zu vorigen Kommunalwahl 2,2 Prozent - und damit mehr, als das Trendergebnis zuerst vermuten ließ. "Die Ursachenanalyse ist schwer. Wir hatten nicht wirklich Rückenwind aus Berlin", sagte der Frankfurter Parteivorsitzende Jan Schneider am Sonntagabend. Probleme bei den Corona-Impfungen oder die Maskenaffäre um CDU-Bundespolitiker seien "massiver Gegenwind für unsere Wahlkämpfer" gewesen.

Der örtliche SPD-Chef Mike Josef räumte ein, dass sich die AWO-Affäre um Oberbürgermeister Peter Feldmann negativ auf das Abschneiden seiner Partei ausgewirkt haben könnte. Zudem sei auch für die SPD der "Bundestrend eher bescheiden".

Feldmann selbst nannte als Siegerin der Wahl die Demokratie. "Geschätzte 140.000 Briefwahlstimmen sprechen eine eindeutige Sprache", sagte er. Die Menschen hätten sich von der Pandemie das Wählen nicht vermiesen lassen. Der Oberbürgermeister dankte allen Wahlhelferinnen und -helfern für deren Einsatz.

Wie geht es weiter in Frankfurt?

Im Römer regierte bislang eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Eine Neuauflage wäre möglich - allerdings war das Bündnis keine Liebesbeziehung. Zwischen den drei Fraktionen gab es immer wieder Streit, etwa über die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr. Ein Jahr lang sollte dort nach dem Willen der SPD kein Auto fahren. Die CDU war gegen das Pilotprojekt, das letztlich wegen der Corona-Krise vorzeitig abgebrochen wurde.

Für ein Zweierbündnis reicht es nach den vorläufigen Ergebnissen nicht. Denkbar wäre eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP, die auf Bundesebene zuletzt gescheitert war. Rechnerisch möglich wäre auch eine Viererkoalition - beispielsweise aus Grünen, SPD, Linken und der neuen Partei Volt.

Sendung: hr3, 18.03.2021, 14 Uhr