islamunterricht

Kultusminister Lorz will auf jeden Fall weiter Islam-Unterricht an hessischen Schulen anbieten - auch wenn die Zusammenarbeit mit dem türkischen Ditib-Verband beendet werden sollte. Ein Pilotprojekt könnte zur Dauerlösung werden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) will "Schüler muslimischen Glaubens nicht ohne Angebot lassen". Das sagte Lorz im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Wiesbaden. Dass die Entscheidung über eine weitere Kooperation mit Ditib erst bis zum Jahresende fällt, begründete er mit der notwendigen sorgfältigen Prüfung um sicherzustellen, dass sie auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalte.

Überprüfung von Ditib bis Ende des Jahres

Es handele sich ja "um eine komplexe juristische Fragestellung". Der bekenntnisorientierte Religionsunterricht mit Ditib als Partner werde schon seit dem Schuljahr 2013/14 angeboten. "Da braucht man schon gewichtige Gründe, um zu sagen: Das beenden wir jetzt", fügte Lorz hinzu. Das Land wolle in einem etwaigen Gerichtsverfahren nicht unterliegen. Deshalb müsse eine Entscheidung, gleich wie sie ausfällt, so gut wie möglich abgesichert sein. Das Kultusministerium hatte Zweifel an der erforderlichen Unabhängigkeit der Ditib vom türkischen Staat geäußert und weitere Unterlagen von der türkisch-islamischen Union angefordert.

Nach Angaben von Lorz hat Ditib inzwischen auch wie verlangt Mitgliederlisten vorgelegt. "Es war ein ganzes Paket an Unterlagen, das uns erreicht hat. Und das muss jetzt eben sorgsam geprüft werden", fügte der Minister hinzu. Es gehe jetzt darum, ob die Voraussetzungen damit erfüllt seien oder weitere Unterlagen nachgefordert werden müssten. "Genau in dieser Prüfungsphase befinden wir uns jetzt", betonte Lorz. Auch die vom Land eingeschalteten Gutachter sollten vor einer endgültigen Entscheidung noch einmal konsultiert werden.

Weitere Informationen

Partner ohne Vertrauen

Bis zu 15.000 Mitglieder zählt der türkische Moscheenverband Ditib allein in Hessen. Zumindest präsentierte der Verein Anfang dieses Jahres ein Mitgliedsregister mit eben so vielen Namen. Kritiker werfen Ditib vor, verlängerter Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet zu sein. Ein Gutachten im Auftrag der Landesregierung kam 2018 zu einem ähnlichen Schluss. Das Kultusministerium forderte Ditib Hessen auf, seine Unabhängigkeit nachzuweisen. Der Verband änderte daraufhin seine Satzung und schränkte den Einfluss des Ditib-Bundesverbandes ein. Dem Land reicht das noch nicht; es kündigte eine Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit bis Ende des Jahres an.

Ende der weiteren Informationen

Pilotprojekt ohne Ditib-Einfluss

Im neuen Schuljahr wird als Pilotprojekt mit zunächst 144 Schülern der siebten Klassen Islamunterricht in rein staatlicher Regie eingeführt, also ohne Einfluss von Ditib. Dieser Unterricht könnte gegebenenfalls relativ schnell auch auf die ersten bis sechsten Klassen übertragen werden, erklärte Lorz.

Dies sei dann aber kein bekenntnisorientierter Religionsunterricht mehr im Sinne des Grundgesetzes. Stattdessen nähere sich dieser Unterricht dem Islam aus einer anderen Perspektive, "nicht auf Grundlage des Glaubensbekenntnisses, sondern in einer wissenschaftlichen Betrachtung. Das ist eine fundamental andere Herangehensweise", sagte Lorz.

Schulversuch würde rasch zum Lehrfach

Wenn sich dieser Unterricht in den siebten Klassen als erfolgreich erweise und die Curricula sich bewährten, sei eine Übertragung auf die anderen Klassen nicht schwierig. Die vom Land und nicht von Ditib ausgebildeten und angestellten Lehrkräfte stünden ja zur Verfügung.

Wenn sie sich auch zur Erteilung des nicht bekenntnisorientierten Unterrichts bereiterklärten, erhielten sie noch eine Zusatzqualifikation. Dann müsste dieser staatliche Unterricht nur noch vom derzeitigen Schulversuch der siebten Klassen in ein ordentliches Lehrfach überführt werden.