Schüler mit Masken vor einem Hinweisschild zur Maskenpflicht

Im Außenbereich von Schulen soll ab Ende Juni keine Maskenpflicht mehr gelten. So plant es das Kultusministerium. Wann die Masken auch im Klassenzimmer fallen, steht noch nicht fest.

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hs 16:45 Uhr 15.06.2021 Thumbnail
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Nach dem Willen von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) soll die Maskenpflicht im Außenbereich von Schulen Ende Juni fallen. Das erklärte Lorz am Dienstag in seiner Regierungserklärung im hessischen Landtag. Das derzeitige Infektionsgeschehen erlaube einen derartigen Schritt, so Lorz. Er gehe davon aus, dass die Koalition diesem Vorschlag zustimmen werde.

Nach Auskunft des Kultusministeriums soll an besonders heißen Tagen bereits jetzt Schulleitern ermöglicht werden, die Maskenpflicht im Außenbereich ihrer Schulen aufzuheben. Im Rahmen des sogenannten "Hitzefrei-Erlasses" könnten diese etwa Unterrichtseinheiten ins Freie verlegen und dort die Maskenpflicht außer Kraft setzen. Wann mit einer Aufhebung der Maskenpflicht auch in Klassenzimmern zu rechnen ist, konnte Lorz nicht sagen. Dies hänge von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Man dürfe die derzeitigen Fortschritte im Kampf gegen Corona nicht aufs Spiel setzen, sagte Lorz.

Täglicher Präsenzunterricht

In seiner Regierungserklärung betonte Lorz zudem, dass nach dem Willen der Landesregierung die Schulen mit Beginn des neuen Schuljahres weitgehend zur Normalität zurückkehren sollen. Er verwies dabei auf einen entsprechenden Beschluss der Kultusministerkonferenz von Ende vergangener Woche.

"Wir wollen, dass alle Schulen in Deutschland mit Beginn des neuen Schuljahrs 2021/22 dauerhaft im Regelbetrieb besucht werden, das heißt dass ein regulärer Schulbetrieb ohne weitere Einschränkungen bei Schulfächern und Unterrichtsstunden unabhängig vom Impfstatus der Kinder und Jugendlichen ermöglicht wird", so Lorz. Jedoch sollten auch im neuen Schuljahr weiterhin besondere Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßige Testungen, Händehygiene oder regelmäßiges Lüften gelten.

Auch schulische wie außerschulische Aktivitäten, die das "soziale Miteinander" förderten, sollten dann wieder aufgenommen werden. Dies alles müsse unter Beachtung der nach dem Infektionsgeschehen gültigen Infektionsschutz und Hygiene-Maßnahmen stattfinden."

Jahr des Aufholens

Das kommende Schuljahr werde ein "Jahr des Aufholens", prognostizierte Lorz. Der Bund stelle allein für diesen Zweck rund eine Milliarde Euro zur Verfügung - davon stünden Hessen 75 Millionen Euro zu. Zusammen mit den Landesmitteln in gleicher Höhe würden somit rund 150 Millionen Euro für den Abbau von pandemiebedingten Lernrückständen ausgegeben.

Zudem stünden nach wie vor 30 Millionen Euro aus Landesmitteln für bauliche Maßnahmen an Schulen zur Verfügung. Diese könnten beispielsweise für Abluftfilter oder mobile Luftreinigungsgeräte genutzt werden.

Opposition beklagt Versäumnisse

Bei der anschließenden Aussprache im Landtag betonten die Grünen, dass beim Umgang mit der Corona-Pandemie nach wie vor Vorsicht angebracht sei. "Die Corona-Regeln wie Maskenpflicht im Schulgebäude oder Testpflicht sichern die Öffnungen im Bereich der Schulen ab, zunächst muss weiter gelten: lieber Maske auf, statt Schule zu", erklärte Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion.

Vertreter der Opposition beklagten, dass die Landesregierung zu spät auf lange bekannte Fehlentwicklungen an den hessischen Schulen reagiert hätten. "Während Psychologinnen und Psychologen, Kinderärztinnen- und Ärzte sowie Eltern, Lehrkräfte und nicht zuletzt die Schülerinnen und Schüler selbst seit Monaten Alarm schlagen und die soziale Ungleichheit im Bildungsbereich noch größer wird, begreift der hessische Kultusminister erst jetzt, wie dringlich der Handlungsbedarf ist", sagte die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Elisabeth Kula.

Ähnlich äußerten sich die Sozialdemokraten: "Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie unterschiedlich die Lehr- und Lernbedingungen in Hessen sind. Es darf nicht weiter sein, dass der Bildungserfolg davon abhängt, wo ein Kind zur Schule geht und ob es Eltern hat, die helfen können und sich einen Laptop für jedes Kind leisten können", erklärte der SPD-Abgeordnete Christoph Degen.

AfD will Ende der Testpflicht

Deutlich fundamentalere Kritik an den Corona-Maßnahmen in den Schulen formulierten FDP und AfD. Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der Liberalen, forderte ein Ende der Maskenpflicht in den Grundschulen: "Zum einen sinken die Infektionszahlen, und es wird regelmäßig getestet, zum anderen ist ein Ende der Pflicht auch aus pädagogischen Gründen geboten."

Die AfD geht noch einen Schritt weiter. Aus ihrer Sicht, hätte es niemals zu den weitgehenden Einschränkungen des Schulbetriebs kommen dürfen: "Statt sich fast ausschließlich über Schulöffnungen und -schließungen zu unterhalten, hätte der Präsenzunterricht mit Auflagen aufrechterhalten werden müssen", erklärte Heiko Scholz, bildungspolitischer Sprecher der AfD. Zudem fordert die AfD ein umgehendes Ende der obligatorischen Corona-Tests und der Maskenpflicht an Schulen.

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