Die Sommerferien nahen, da dürfen sich Hessens Schülerinnen und Schüler ausruhen. Doch viele Eltern und ihre Kinder blicken bereits besorgt auf den Corona-Herbst an den Schulen. Kultusminister Lorz sagt im hr-Interview: "Im Fall der Fälle würde alles besser laufen als vor einem Jahr."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kultusminister Lorz: "Impfmüdigkeit macht mir Sorgen"

Portrait Kultusminister Alexander Lorz von der CDU.
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Ob Maske am Platz oder drei Tests pro Woche: Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kündigte an, dass die Corona-Regeln in den ersten beiden Wochen nach den Ferien verschärft werden, um das Infektionsrisiko an den Schulen möglichst gering zu halten. Im hr1-Interview gibt er sich hinsichtlich des neuen Schuljahres optimistisch - trotz Impfmüdigkeit in der Bevölkerung und einer möglichen vierten Welle. Eine Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer lehnt Lorz ab.

Herr Lorz, werden die Schülerinnen und Schüler ein Déjà-vu erleben, wenn sie nach den Sommerferien wieder in die Schule gehen?

Alexander Lorz: Wir starten nach den Ferien mit Stufe 1 des Stufenplans und hoffen auch, dort bleiben zu können. Die Schulen sind aber auch auf alle anderen Stufen vorbereitet und haben dort viele Erfahrungen gesammelt. Wir müssen uns aber vor Augen führen, dass der beste Schutz der Schulen eine hohe Impfbeteiligung der Erwachsenen ist. Daher bereitet mir die aktuelle Debatte durchaus Sorgen.

Aus Berlin kommt das Signal, dass man sich auf verschiedenste Varianten einstellen muss - ob auf erneuten digitalen Unterricht oder Wechselunterricht. Das lief im vergangenen Schuljahr oft nicht so gut in Hessen. Was haben Sie daraus gelernt?

Lorz: Wir alle haben aus der Pandemie wirklich viel gelernt. Unsere Schulen sind jetzt deutlich besser ausgestattet als noch vor einem Jahr. Es würde also alles im Fall der Fälle deutlich besser laufen als es vor einem Jahr gelaufen ist. Und trotzdem: Der perfekteste digitale Unterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen.

Wenn der Ernstfall wieder eintritt, muss der digitale Unterricht funktionieren. Dabei spielt auch die Lernsoftware für die Schulen eine Rolle. Wie wollen Sie verhindern, dass es noch mal so ein digitales Chaos gibt wie im letzten Schuljahr?

Lorz: Das ist nicht korrekt. Es geht nicht um die Lernsoftware, es geht ausschließlich um das sich derzeit im Aufbau befindliche landesweite Videokonferenzsystem. Die Lernsoftware stellen wir über unser Schulportal Hessen bereits zur Verfügung, da sind mittlerweile auch über 80 Prozent der Schulen angeschlossen. Das Videokonferenzsystem lief separat davon, den Auftrag mussten wir an externe Unternehmen erst ganz neu im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung vergeben. Diese Vergabe ist gerade gerichtlich gestoppt worden. Aber die Systeme, die die Schulen schon die ganze Zeit genutzt haben - also vor allem die kommerziellen Systeme wie Microsoft Teams - sind vom Datenschutzbeauftragten freigegeben, bis dieses andere Verfahren abgeschlossen ist.

Manche Eltern und Schüler berichten, dass viele Lehrkräfte gar nicht in der Lage oder bereit sind, digital zu unterrichten. Wie kann es sein, dass es der Neigung der Lehrkräfte überlassen bleibt, dass er digitalen Unterricht anbietet?

Lorz: Das bleibt natürlich nicht der Neigung der Lehrerinnen und Lehrer überlassen. Wenn es digitalen Unterricht geben soll, müssen die Lehrkräfte das machen. Dafür schulen wir sie seit Beginn der Pandemie. Dafür bieten wir rund 50 Online-Seminare pro Woche an, und das schon seit vielen Monaten. Es dauert aber, bis man alle erreicht hat. Auch unsere Ausbilder und Ausbilderinnen mussten selbst Erfahrungen sammeln. Wir hatten ja vor der Pandemie mit so etwas wie digitalem Distanzunterricht überhaupt keine Erfahrungen. Das wird nun sukzessive besser.

Kommen wir zum Thema Luftfilter. Sie setzen vor allem aufs Lüften, wollen die Schulträger aber vereinzelt bei der Anschaffung von Luftfiltern unterstützen. Warum schöpfen wir in Hessen nicht alle Mittel aus, wie etwa in Bayern, um die Schulen sicherer zu machen?

Lorz: Wir sind auf einem viel besseren Weg unterwegs als Bayern, denn Bayern finanziert die Luftfilter nur zur Hälfte mit, die die kommunalen Schulträger anschaffen müssen. Wir tun das zu Dreiviertel. Unsere Konditionen sind also besser als die in Bayern. Wir schaffen auch die Möglichkeiten, dass solche Luftfilter angeschafft und eingebaut werden können. Doch das Lüften können sie nicht ersetzen. Die Vorstellung, man müsse nur die Technik reinstellen und könne dann die Fenster zu lassen und den Rest erledigt das Gerät, halten Mediziner und Hygieniker für fatal.

Ein weiteres großes Thema ist das Impfen. Was halten Sie von einer Impfpflicht für alle Lehrerinnen und Lehrer in Hessen?

Lorz:  Ich glaube, wir sollten mit einer Impfpflicht sehr vorsichtig sein. Wir haben das bei den Masern ja indirekt eingeführt. Aber die Masernschutzimpfung ist seit Jahrzehnten etabliert. Covid 19 ist etwas Neues. Ich habe mich selbst auch impfen lassen, keine Frage. Aber in dieser Situation sollten wir die Entscheidung jedem einzelnen überlassen. Wer sich nicht impfen lässt, dem muss allerdings klar sein, dass er die Folgen dieser Entscheidung selbst tragen muss.

Das Gespräch führte Simone Reuthal (hr1)

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