Eine sogenannte OP-Maske liegt auf einem Tisch mit Büchern, im Hintergrund (unscharf)sitzen Schülerinnen und Schüler an Schultischen.

Wenn in allen Bereichen der Gesellschaft Corona-Maßnahmen gelockert werden, müssten sie auch in Schulen überdacht werden, sagt Kultusminister Lorz. Die Lehrer-Gewerkschaft GEW sieht das anders - und fordert vom Land eine Verlängerung von Masken- und Testpflicht.

Es ist knapp drei Wochen her, da waren die Schulen für Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) "das größte Testzentrum dieser Republik". Über Kinder und Jugendliche gebe es den besten Überblick, was Infektionen angeht, erklärte er damals. Doch nun, da die Republik ihren Weg aus der Pandemie beschlossen hat, scheint sie ihr Testzentrum dabei vergessen zu haben. Als am Mittwoch der dreistufige Lockerungsplan aller tiefgreifenden Corona-Maßnahmen bis zum 20. März verkündet wurde, waren die Schulen kein Thema.

"Das sind wir den Schülerinnen und Schülern schuldig"

Müssen sie aber sein, sagt Lorz jetzt. "Wenn jetzt also in allen Bereichen der Gesellschaft gelockert werden soll, müssen wir im Sinne der Kinder und Jugendlichen auch an den Schulen für eine Rückkehr zur Normalität Erleichterungen schaffen", meinte Lorz am Freitag und stellte damit eine Lockerung der bisherigen Regeln in den hessischen Schulen in Aussicht. Bislang müssen Schülerinnen und Schüler auch am Sitzplatz eine Maske tragen und sich drei Mal pro Woche testen lassen.

"Das bedeutet, dass wir über Änderungen bei der Maskenpflicht am Platz und den Tests sprechen müssen", sagte Lorz. "Das sind wir den Schülerinnen und Schülern nach vielen Wochen und Monaten der extremen Belastung schuldig." Konkreter wurde der Kultusminister nicht. In welchem Zeitrahmen besagte Lockerungen kommen sollten, sagte Lorz beispielsweise nicht.

GEW hatte Verschärfungen geplant

Noch am Mittwoch habe Lorz der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mitgeteilt, die derzeitigen Regeln würden mindestens bis zum Beginn der Osterferien am 8. April gelten, sagte der hessische GEW-Vorsitzende Thilo Hartmann dem hr. "Es geht ja nicht darum, wer zuerst und wer zuletzt und was genau lockert. Es geht darum, die Personen zu schützen, die nun höchst schützenswert sind", meinte Hartmann. So sehr man die Pandemie endlich ad acta legen wolle, man müsse immer noch zur Vorsicht mahnen.

Am Tag nach den Lockerungs-Verkündungen der Politik stand eine Gremiensitzung der GEW an, darin sollte es eigentlich sogar noch um Verschärfungen der aktuellen Maßnahmen gehen. "Die Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen liegt immer noch weit über der Inzidenz im Rest der Bevölkerung", sagte Hartmann. Die Kinder und Jugendlichen befänden sich in einer besonders zu betrachtenden Situation: "Sie kommen nicht freiwillig, sondern verpflichtet mit vielen Leuten auf engem Innenraum zusammen – und sind größtenteils nicht geimpft."

Thilo Hartmann, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW).

Und Daten aus England zeigten: Während der Omikron-Welle seien zwar die Todesraten insgesamt gesunken, doch der Anteil der schweren Verläufe beispielsweise bei Kindern mit Behinderung sei immer noch hoch. "Wir plädieren deswegen dafür, Maskenpflicht und Tests bis zu den Osterferien aufrecht zu erhalten", sagte Hartmann - "mindestens".

Anschlussverlust an Bildungsniveau

Auch nach zwei Jahren Pandemie sei "das das einzige, was bleibt, um auf die Infektionszahlen zu reagieren", erklärte der GEW-Chef. Noch immer gebe es zu wenige Luftfilter in Klassenräumen und keine explizit für Kinder geeigneten FFP2-Masken. Und gerade in Abschlussklassen sei es geboten, den Schülerinnen und Schülern Schutz zu bieten. Sonst drohe ihnen neben möglichen gesundheitlichen Folgen auch der Anschlussverlust an das Bildungsniveau.

Trotzdem erschien es der GEW dann doch nicht angemessen, eine Verschärfung der Corona-Regeln an Schulen zu fordern, während in allen anderen Bereichen gelockert wird. Stattdessen fordert die Lehrergewerkschaft nun vom Land, die gesetzliche Grundlage dafür zu schaffen, auch über den 20. März hinaus, wenn sonst alle tiefgreifenden Corona-Maßnahmen gefallen sind, in Schulen Maßnahmen wie Maskenpflicht und Tests anbieten zu können.

"Erst, wenn die Infektionszahlen in der Altersgruppe zwischen 5 und 14 Jahren signifikant sinken, kann man über Lockerungen reden", sagte Hartmann.

Lorz: Höhepunkt der Omikron-Welle in Schulen ist überschritten

Kultusminister Lorz sieht diesen Zeitpunkt derweil offenbar schon gekommen. Zwar sei die Belastung der Schulen immer noch enorm. Die Zahlen zur Corona-Lage zeigten ihm zufolge aber, dass wie auch in der gesamten Gesellschaft der Höhepunkt der Omikron-Welle in den Schulen überschritten sei.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Quarantäne sei von zwischenzeitlich mehr als 27.000 über zwei Wochen auf rund 18.000 gesunken. Auch die Zahl der positiven Schnelltests sei von rund 15.000 in der vierten Kalenderwoche auf nunmehr rund 10.000 zurückgegangen.

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