Collage, links Schloss Erbach von außen, rechts Gemälde aus der Sammlung
Dem Land Hessen gehören nun das Schloss sowie die komplette Kunstsammlung. Bild © picture-alliance/dpa/Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten (Collage: hr)

Neben dem Schloss Erbach gehört nun auch die darin befindliche Kunstsammlung komplett dem Land. Für mehr als 300 Werke flossen zwei Millionen Euro an die gräfliche Familie. Das dürfte vor allem kunsthistorische Forscher freuen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erbacher Kunstsammlung gehört vollständig dem Land

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Es sei ein "wahrer Glücksfall", freute sich Monika Grütters (CDU), Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, "für das Schloss Erbach, das Land Hessen und nicht zuletzt für die Kulturnation Deutschland." Der Grund für ihre Freude: Das Land hat 326 Kunstwerke aus den Sammlungen des Erbacher Schlosses gekauft und besitzt damit nun neben dem Schloss selbst auch die kompletten dazugehörigen Kunstbestände.

Unter den Stücken sind vor allem Gemälde und Bestandskataloge, aber auch ein Altar aus dem 15. Jahrhundert zählt dazu. Hochbedeutend seien vor allem die 13 Porträts niederländischer Künstler wie Gerard van Honthorst. Sie seien die Hauptstücke einer 300 Jahre umspannenden Ahnengalerie. Damit sei erstmals auch die Erforschung von teils wenig bekannten dynastischen Familienbildnissen möglich, hieß es am Donnerstag. In den Kauf hat das Land mit Unterstützung vom Bund und mehrerer Kulturstiftungen zwei Millionen Euro investiert.

Umstrittener Kauf

Damit ist nun ein von Anfang an umstrittenes Geschäft des Landes abgeschlossen. Schon 2005 hatte der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Schloss Erbach mitsamt dem größten Teil der Kunstsammlung für über 13 Millionen Euro gekauft - trotz starker Kritik seitens der Opposition im Landtag.

Die gräfliche Familie, der das Schloss gehörte, war damals in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Landesregierung befürchtete, Graf Eberhard zu Erbach-Erbach wolle einen Teil der wertvollen Kunstsammlung aus Geldnot versteigern, und schritt ein. Damit habe man einen schweren kulturellen und touristischen Verlust für die strukturschwache Region im Odenwald verhindern wollen, so das Argument. Damals war auch ein Vorkaufsrecht des Landes für die übrigen Kunstwerke vereinbart worden.

Neben dem Geld erhielt die Familie ein Wohnrecht im Schloss. Der Graf bezeichnete den Verkauf einer Zeitung gegenüber seinerzeit als den "größten Deal", den seine Familie je gemacht habe, und sorgte damit für zusätzlichen Ärger bei den Kritikern, aber auch bei Roland Koch selbst.

Hohe Kosten, wenige Besucher

In den Unterhalt des Schlosses und die Restaurierung der Sammlung flossen noch einmal rund zwei Millionen Euro, dazu kamen laufende Kosten von etwa 700.000 Euro. Roland Koch rechnete anfangs noch damit, dass perspektivisch jährlich 100.000 Besucher in das Schloss kommen würden und dadurch ein guter Teil der Betriebskosten gedeckt sei.

Doch die Besucherzahlen blieben von Anfang an weit unter den Erwartungen: Im Jahr 2005 kamen gerade einmal um die 18.000 Menschen nach Erbach, um die Sammlung aus Gemälden, Trophäen, Waffen und Ritterrüstungen zu sehen. Ein Jahr später fanden immerhin rund 27.000 Besucher den Weg in die Ausstellung. 2014 waren es dann allerdings nur noch rund 14.000.

Sendung: hr-iNFO, 04.07.2019, 11.44 Uhr