Porträtfotos der drei Kandidaten.

Eine Grünen-Kandidatin und ein CDU-Bürgermeister wollen Anita Schneider den Posten als Landrätin des Kreises Gießen streitig machen. Was wollen die drei gegen die drängendsten Probleme des Kreises tun und was unterscheidet sie? Ein Überblick.

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Audioseite Landratswahl in Gießen

Wählerin wirft Umschlag in eine Wahlurne
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Die Kandidatinnen und Kandidaten:

  • Kerstin Gromes, Grüne, Schulamtsdirektorin, Jahrgang 1969
  • Peter Neidel, CDU, Bürgermeister der Stadt Gießen, Jahrgang 1969
  • Anita Schneider, SPD, Amtsinhaberin, Jahrgang 1961

Die Ausgangslage

Seit 2010 ist Anita Schneider (SPD) Landrätin des Kreises Gießen. Bei der letzten Wahl 2015 konnte sie ihr Amt noch mit rund 62 Prozent im ersten Wahlgang verteidigen. Dieses Mal dürfte das für sie schwieriger werden, denn im Gegensatz zur Wahl vor sechs Jahren haben die Grünen eine eigene Kandidatin aufgestellt.

Die Wahlbeteiligung war 2015 mit rund 30 Prozent außerdem ziemlich niedrig. Dieses Mal dürfte sie höher ausfallen, da am 26. September parallel der Bundestag gewählt wird.

Klimaschutz: Solardächer und Klimageld

Bis spätestens 2050 soll der komplette Kreis klimaneutral sein. So hat es der Kreistag beschlossen. Aber ginge das nicht vielleicht schon früher? Falls Anita Schneider (SPD) Landrätin bleiben darf, will sie den Kreistag beauftragen, einen "realistischen früheren Zeitpunkt" zu finden. Ihre Herausforderer Kerstin Gromes (Grüne) und Peter Neidel (CDU) betonen, dass sie beim Klimaschutz bei den Immobilien und Fahrzeugen des Kreises anfangen wollen.

"Einsparpotentiale müssen solide analysiert werden", meint Neidel. "Dächer sollen mit Solaranlagen in Verbindung mit Energiespeichern versehen werden. Vorhandene Fahrzeuge werden zeitnah durch klimaverträglichere ersetzt." Auch Gromes will zum Beispiel die Schulen im Kreis mit weiteren Photovoltaik-Anlagen ausstatten und wo nötig energetisch sanieren. "Neue Schulen möchte ich als Energie-Plus-Häuser bauen."

Amtsinhaberin Schneider weist darauf hin, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien alleine nicht ausreichend für effektiven Klimaschutz sei. Eine vom Kreis beauftragte Studie habe ergeben, dass es ebenso wichtig sei, Gebäude energetisch zu sanieren und ohne fossile Energien zu heizen.

Neidel und Gromes setzen außerdem auf ein Klimageld: Wer durch die Sanierung seines Hauses künftig CO2 sparen könnte, soll finanziell durch den Landkreis unterstützt werden. Schneider will, dass die einzelnen Kommunen im Kreis sich zum Beispiel bei neuen Gewerbeflächen zusammenschließen und diese auch nach ökologischen Kriterien aussuchen.

Verkehr: Stadtbusse auf dem Land, Bahnstrecken reaktivieren

Auch beim Thema Verkehr geht es natürlich um den Klimaschutz. Gerade Orte, die weiter von der Stadt Gießen entfernt sind, stellt das vor ein Problem: Einerseits sind zu viele Autos schlecht fürs Klima, andererseits ist gerade im Umland die Anbindung an den ÖPNV nicht immer ausreichend.

Bei den Konzepten liegen alle drei Kandidaten in vielen Punkten nah beieinander: Sie wollen den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Neidel (CDU) setzt darauf, das nähere Umfeld der Stadt Gießen besser mit dem Stadtbusnetz zu verbinden. "Stadtbuslinien müssen über die Stadtgrenze hinaus auch die nächsten Gemeinden mit ansteuern."

Gromes (Grüne) möchte mehr Querverbindungen der Gemeinden, damit nicht so oft der Umweg über die Stadt Gießen genommen werden muss. Außerdem möchte sie die Schnellbuslinie Gießen-Laubach dauerhaft etablieren.

Schneider (SPD) weist darauf hin, dass der Landkreis ein Radverkehrskonzept für schnelle und sichere Alltagsrouten vorgelegt hat. "Der Ausbau von Radwegen ist mit diesem Konzept voranzutreiben."

Auch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken spielt im Wahlkampf eine Rolle. Schneider und Gromes sind der Meinung, dass eine bessere Anbindung des östlichen Landkreises an den Rhein-Main-Ballungsraum durch die Reaktivierung der Horlofftalbahn gelingen kann. Mit der Lumdatalbahn sollen die Bewohnerinnen und Bewohner des nördlichen Landkreises künftig leichter in die Stadt kommen.

Digitalisierung: Glasfaser und WLAN für alle Schulen

Schnelles Internet für alle und überall - vor dieser Herausforderung steht auch der Kreis Gießen in den kommenden Jahren. "Ziel muss es sein, einen Breitbandanschluss in jedem Haus zu haben", sagt Grünen-Kandidatin Gromes. Auch alle Schulen sollen spätestens im nächsten Jahr einen Breitbandanschluss und WLAN überall im Schulgebäude haben, verspricht sie.

CDU-Kandidat Neidel hat dasselbe Ziel. Er findet, das hätte schon längst geschehen müssen, und will außerdem den IT-Service an den Schulen im Kreis ausbauen. Bei der Verwaltung sieht er ebenfalls Aufholbedarf: "Die Internetseite des Landkreises ist nicht mehr zeitgemäß und längst überfällig für eine Erneuerung."

SPD-Amtsinhaberin Schneider betont, dass es bereits konkrete Pläne gebe, in diesem und im nächsten Jahr alle Schulen im Kreis an das schnelle Glasfasernetz anzuschließen. Außerdem habe der Landkreis dieses Jahr einen Zuschlag für 5,1 Millionen Euro Fördergeld vom Bund für die Digitalisierung bekommen.

Bezahlbarer Wohnraum: Neubau vs. Nachverdichtung

Wohnen wird nicht nur in der Universitätsstadt Gießen immer teurer - auch im Umland steigen die Preise. CDU-Kandidat Neidel setzt auf den Bau vieler neuer Wohnungen, um das Angebot zu vergrößern. Außerdem will er durch ein Klimageld die energetische Sanierung von bestehenden Häusern fördern: "Auch damit wird nicht oder gering genutzter Wohnraum aktiviert", sagt er.

Grünen-Kandidatin Gromes hat ein ähnliches Konzept. Sie meint, dass durch energetische Sanierungen wie eine bessere Dämmung die Nebenkosten sinken. Auch das sei für Mieter eine Entlastung. Dabei wolle sie vor allem Häuser in den alten Ortskernen der Städte erneuern: "Hier steht teilweise sogar Wohnraum leer oder es gibt Möglichkeiten der Innenraumverdichtung."

SPD-Amtsinhaberin Schneider findet, dass sie sich in den letzten Jahren schon für Lösungen eingesetzt habe: "154 neue Wohneinheiten wurden bereits geschaffen, fast noch mal so viele sind derzeit in Planung. Diesen Weg will ich weiter forcieren."

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