AfD-Fraktionschef im Landtag und AfD-Hessen-Sprecher Robert Lambrou.

Ein Dienstwagen des Landtags steht jedem Fraktionvorsitzenden zu. Seit kurzem nutzt auch AfD-Chef Lambrou das Privileg - wegen Sicherheitsbedenken. Vor Monaten hatte er noch über die "Luxusschlitten" geschimpft.

Als die AfD im Januar des vergangenen Jahres erstmals in den Landtag einzog, präsentierte sie sich wie schon im Wahlkampf als Gegenmodell zu den "Altparteien". Eine der symbolträchtigen Handlungen folgte später: Fraktionschef Robert Lambrou verzichtete im Gegensatz zu seinen Amtskollegen kategorisch und öffentlich auf das Privileg, einen Dienstwagen zu nutzen.

Dass er in dieser Frage laut übereinstimmenden Medienberichten und eigener Bestätigung schon im März den Rückwärtsgang eingelegt hat, beschert ihm parteiübergreifend Spott und Kritik. Vorwurf: Populismus und Heuchelei. Denn Lambrou hatte die Dienstwagen der Kollegen - mal Audi, mal Mercedes, mal BMW - als "Luxusschlitten" bezeichnet. Und angekündigt, selbst keinen zu beanspruchen.

Security-Ausbildung beantragt

Für den diesmal nicht öffentlich bekannt gegebenen Sinneswandel macht der Politiker Sicherheitsaspekte geltend. "Nach den zunehmenden Anfeindungen gegenüber AfD-Politikern in der letzten Zeit musste ich den Schritt gehen", äußert er in einer schriftlichen Stellungnahme. Weiter heißt es, das gefalle ihm zwar selbst nicht, aber: "Ich möchte mehr Sicherheit für mich und meine Familie."

Der AfD-Chef verweist auf Angaben der Bundestagsverwaltung, wonach seine Partei im vergangenen Jahr häufiger Ziel von Eigentumsbeschädigungen, Brandstiftungen und auch tätlichen Angriffen geworden sei als alle anderen Parteien zusammen. Und der Dienstwagen, ein 7er BMW, sei deutlich sicherer "als mein altes Auto". Die Landtagsverwaltung bat der AfD-Chef nach eigenen Angaben auch um eine Security-Ausbildung für seinen Fahrer.

Linke: "Das ist absurd"

Das Verständnis der anderen Parteien hält sich fraktionsübergreifend in Grenzen. Nicht nur für Jürgen Frömmrich, den parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, ist es der gesamte Vorgang ein Beleg für den Populismus der AfD: "Dieses Vorgehen folgt den leider schon üblichen populistischen Versuchen dieser Partei, die parlamentarischen Institutionen zu diskreditieren, um dann selber in den Genuss demokratischer Gepflogenheiten zu kommen."

Eine Äußerung, die Lambrou gegenüber der Frankfurter Rundschau machte, bringt Linken-Fraktionschefin Janine Wissler in Rage. "Ausgerechnet die AfD tut so, als ob sie das Opfer wäre. Das ist völlig absurd. Denn sie sind die geistigen Brandstifter“, sagte Wissler am Dienstag dem hr. Lambrou hatte die Dienstwagen-Nutzung zunächst auch mit einem Hinweis auf eine Folge jener Morde verteidigt, die ein vermutlich psychisch kranker Rassist in Hanau begangenen hatte.

Hass und Hetze gegen seine Partei hätten seit dem Anschlag zugenommen, weil die AfD zu Unrecht mitverantwortlich gemacht werde, sagte Lambrou. In der später veröffentlichten Stellungnahme kommt der Hinweis auf Hanau nicht mehr vor.