Männer sind im Hessischen Landtag - hier bei der Vereidigung von Ministerpräsident Bouffier (CDU) - klar in der Überzahl.
Männer sind im hessischen Landtag - hier bei der Vereidigung von Ministerpräsident Bouffier (CDU) - klar in der Überzahl. Bild © picture-alliance/dpa

Im neuen hessischen Landtag sitzen doppelt so viele Männer wie Frauen. Ein ungesundes Verhältnis, meint Landtagspräsident Boris Rhein. Eine festgeschriebene Frauenquote wie in Brandenburg hält er dennoch für den falschen Weg.

"Wir brauchen mehr Frauen in der Politik und den Parlamenten", fordert Landtagspräsident Boris Rhein. Eine gesetzlich vorgeschriebene Quote im Landtag sei aber womöglich nicht mit der Verfassung vereinbar. "Denn dies greift schon sehr stark und möglicherweise unzulässig in das Wahlrecht ein", gibt der CDU-Politiker zu bedenken.

Neu gewählter Landtagspräsident: Boris Rhein (CDU) am Freitag im Landtag
Neu gewählter Landtagspräsident: Boris Rhein Bild © picture-alliance/dpa

Brandenburg hatte vor kurzem als erstes Bundesland ein Gesetz beschlossen, nach dem alle Parteien für die Landtagswahl gleich viele Frauen und Männer als Kandidaten aufstellen müssen. Ausgenommen bleiben allerdings Direktkandidaten in den Wahlkreisen. "Ich glaube, dass man hinterfragen muss, ob der Brandenburger Weg der richtige Weg ist", sagt Rhein. Es sei viel wichtiger, dass die Bedingungen für eine gleichberechtigte Teilhabe an der Politik gegeben sind.

91 Männer, 46 Frauen

Im neu gewählten Hessischen Landtag sitzen 91 Männer und 46 Frauen. "Da sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert und es gibt noch Luft nach oben", bilanziert Rhein. Er betont aber auch, dass ein Abgeordneter grundsätzlich die Interessen aller Bürger vertrete. "Ein Mann vertritt nicht nur Männerinteressen und eine Frau vertritt nicht nur Fraueninteressen." Außerdem sei es zu allererst die Sache der Parteien, die Listen aufzustellen. "Und dann ist es am Ende immer der Wähler, der entscheidet, wem er seine Stimme gibt", sagt Rhein.

Das Parlament in Wiesbaden repräsentiert nach seiner Einschätzung einen Querschnitt durch die Bevölkerung. "Wir haben eine große Vielfalt und Spannbreite an Berufen und Lebenserfahrungen, die hier zusammenkommen." Es seien nahezu alle Berufsgruppen vertreten, der jüngste Abgeordnete ist 22 Jahre und der älteste Abgeordnete 73 Jahre alt.

Keinen Nachbesserungsbedarf sieht der Landtagspräsident bei den rhetorischen Fähigkeiten der Parlamentarier. "Nein, ich finde, es muss nicht immer alles geschliffen klingen", sagt er. "Auch in der Bevölkerung gibt es Menschen, die sich besser und solche, die sich weniger gut ausdrücken können." Wenn jemand rhetorisch nicht perfekt sei, sich dafür aber mit vollem Engagement und erfolgreich für die Bürger einsetze - "dann erfüllt er seine Aufgabe genauso".