Für Weidetiere dürften Wölfe zunehmend zur Gefahr werden. Das Auftauchen der Raubtiere bringt die Politik aber nicht nur beim Herdenschutz auf Trab: Jetzt steigt Hessen in die Förderung einer chronisch unterbezahlten Öko-Leistung ein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Weidetierprämie kommt

Eine Schafherde auf einer Weide auf dem Heiligenstock bei Frankfurt.
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Hessen wird für Halter von Schafen und Ziegen als eines der ersten Bundesländer noch in diesem Jahr eine Tierprämie einführen. Das sieht ein Antrag vor, den CDU und Grüne am Mittwoch im Wiesbadener Landtag auf den Weg gebracht haben. Auch aus der Opposition und von Schäfer-Vereinigungen kamen zustimmende Signale.

Die Prämie hatten beide Fraktionen schon in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag als Option vorgesehen, falls die Bundesregierung nichts für eine deutschlandweite Regelung tut. Jetzt ging es auf einmal ganz schnell. Eine Millionen Euro wird das Land demnach für 2020 bereitstellen.

Die Initiative kommt nur wenige Wochen nach einer Demo in der Landeshauptstadt. Einige hundert Besitzer von Schafen, Ziegen oder Rindern hatten für besseren Schutz vor Wölfen demonstriert.

Noch gibt es Schlimmeres als den Wolf

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) erhöhte die Prämien für Schutzzäune. Als tiefgreifendes Problem hatten in einer anschließenden Parlamentsdebatte aber fast alle die auch ohne Wolf bestehenden wirtschaftlichen Nöte der Tierhalter identifiziert: steigende Kosten für Pachtland sowie niedrige Preise für Wolle und Fleisch bei hoher Arbeitsleistung.

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Die komplette Debatte können Sie sich hier in den Videos aus dem Landtag anschauen.

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Und fast alle Fraktionen begrüßten am Mittwoch bei unterschiedlichem Zufriedenheitsgrad auch die Prämien-Einführung. Lediglich die AfD sprach von einem "wirkungslosen Placebo". Ob CDU, Grüne, SPD, Linke oder FDP: Unumstritten ist aber auch unter den Befürwortern, dass die Prämie das Problem nur angeht, ohne es zu lösen.

Nicht genug - und nicht für alle

Es geht um 120.000 Tiere. Macht bei einer Gesamtsumme von einer Million Euro rechnerisch 8,33 Euro pro Tier. "Nötig sind mindestens 30 Euro pro Tier", befand Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Linke).

Wer kriegt also was, wenn es nun mal nicht für die große Lösung reicht ? Das soll im Agrarauschuss noch diskutiert werden. Es deutet sich eine Staffelung an: Wer weniger als zehn Tiere hat, ginge leer aus. 5.100 Halter gibt es, für die meisten ist es ein Hobby.

Paarhufer gegen den Klimawandel

Hans-Jürgen Müller von den mitregierenden Grünen räumte ein: "Mit der Prämie können wir noch nicht so viel erreichen, wie nötig wäre." Schaf- und Ziegenhalter hätten die Förderung zum Einstieg aber am Nötigsten. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung von Grünland, das durch die starke Humusbildung große Mengen an klimaschädlichem CO2 speichere.

Hessen will die Prämie so lange zahlen, bis es eine "bundeseinheitliche, auskömmliche Weidetierprämie" gibt. Dafür soll sich die Landesregierung im Bundesrat einsetzen, weil Schafe und Ziegen eine so wichtige Aufgabe im Ökosystem erfüllten.

Und der Wolf?

Die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell vermisste aber etwas von Schwarz-Grün: "Der Wolf wird in Ihrem Antrag gar nicht erwähnt." Grund seien wohl Differenzen in der Koalition. Sie wiederholte die Forderung der Liberalen nach wolfsfreien Zonen. Auch Gerhard Schenk (AfD) warnte noch einmal vor "Wolfsromantik".

Umweltministerin Hinz hielt dagegen: "Bei aller berechtigten Sorge" gebe es keinen Grund zur Dramatisierung. Noch würden in Hessen mehr Wölfe überfahren als lebendig gesichtet.

Sendung: hr-iNFO, 19.2.2020, 12 Uhr