Homeschooling in Hessen

Die Landesregierung hat erklärt, was die erweiterten Lockdown-Regeln ab Montag für Hessen bedeuten. Unter anderem wird in den hessischen Corona-Hotspots die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt, viele Schüler bleiben zuhause.

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In Hessen werden ab Montag (11. Januar) die bestehenden Corona-Regeln verlängert und verschärft, wie das Corona-Kabinett der Landesregierung am Mittwoch entschieden hat - zunächst bis zum 31. Januar. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) informierten am Nachmittag über die Details.

Ein zentraler Punkt waren die Kontaktbeschränkungen: Ab Montag darf ein Hausstand in der Öffentlichkeit nur noch eine weitere Person treffen. Kinder werden dabei mitgezählt. "Weiterhin erlaubt ist wie bisher die Begleitung und Betreuung minderjähriger oder unterstützungsbedürftiger Personen", heißt es zudem in dem Beschluss.

Bouffier betonte, dass diese Regel "im öffentlichen Raum" gelte. Aus Respekt vor dem geschützten Bereich der Wohnung wolle man es dort bei einer dringlichen Empfehlung belassen.

Nur noch bis Sonntag dürfen sich landesweit in der Öffentlichkeit zwei Hausstände treffen mit maximal fünf Menschen. Kinder sind bei dieser bisherigen Berechnung ausgenommen. Bund und Länder hatten am Dienstag eine Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns beschlossen.

15-Kilometer-Radius in Hotspots

Dazu gehört auch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für Menschen aus sogenannten Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. "Wir versuchen, das praktikabel zu halten", sagte Ministerpräsident Bouffier. Hessen erweitere das bestehende Eskalationskonzept für solche Hotspots um diese Regel.

Bewohner dürften einen Radius von 15 Kilometern rund um ihren Wohnort, ihre Unterkunft, ihren Arbeitsplatz oder ihr Grundstück dann nicht mehr für Freizeitaktivitäten und tagestouristische Ausflüge verlassen, sagte Bouffier. Wer aus anderen Gründen diesen Radius überschreiten müsse, darf das laut Bouffier aber auch weiterhin. In den hessischen Corona-Hotspots mit Inzidenzen von über 200 galt bislang unter anderem eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr.

Aktuell betroffen wären in Hessen zwei Landkreise: Der Kreis Gießen mit einer Inzidenz von 282,2 und der Kreis Limburg-Weilburg mit 244,3. Am geringsten war die Inzidenz am Mittwoch in Darmstadt mit 68,8.

In Hessen war die Gesamtzahl der registrierten Neuinfektionen mit dem Coronavirus am Mittwoch (Stand 0 Uhr) laut dem Robert-Koch-Institut binnen 24 Stunden um 1.907 gestiegen. Im selben Zeitraum starben 116 Menschen an oder mit Covid-19. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch bei 129,8.

Das Ziel von Bund und Ländern ist es, dass die Inzidenz bundesweit unter 50 fällt, sodass Gesundheitsämter Infektionen wieder nachverfolgen können und die Krankenhäuser entlastet werden. Bouffier bewertete die aktuelle Corona-Lage als "weiterhin außerordentlich ernst", auch an den hessischen Kliniken.

Präsenzpflicht an Schulen wird ausgesetzt

Die fortgesetzten Einschränkungen und Verschärfungen betreffen auch die Schulen: Schüler der Klassen 1 bis 6 müssen ab Montag bis Ende Januar nicht für den Unterricht in die Schulen kommen, sie dürfen es aber. Die Präsenzpflicht werde für sie ausgesetzt, sagte Kultusminister Lorz.

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Er appelliere aber an die Eltern: "Wenn immer es möglich ist, lassen Sie Ihre Kinder zuhause." Wenn das aber nicht möglich sei, stünden die Schulen in diesen Jahrgängen zur Verfügung. Dort gelte der eingeschränkte Regelbetrieb mit festen Lerngruppen. Lorz versprach, einen Unterschied im Lernfortschritt bedeuteten Präsenz- oder Distanzunterricht nicht. "Jeder kann sein Kind mit gutem Gewissen zuhause lassen."

Für Schüler ab Klasse 7 werde grundsätzlich Distanzunterricht angeboten. Sie kommen nach den Ferien vorerst nicht in die Schule, Klassenarbeiten finden in der Regel nicht statt. Eine Ausnahme sind Abschlussklassen. Deren Schüler sollten unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln grundsätzlich in den Präsenzunterricht gehen, sagte Lorz. "Wir sind es diesen jungen Menschen schuldig, dass sie ihren Schulabschluss machen können."

Bei der Kinderbetreuung in Kitas ändert sich laut Landesregierung grundsätzlich nichts. Ein Betretungsverbot werde es nicht geben, sie bleiben geöffnet, sagte Ministerpräsident Bouffier. Er appellierte aber an die Eltern, die Kitas nur in dringenden Fällen in Anspruch zu nehmen. "Wenn Sie können, betreuen Sie die Kinder bitte zuhause."

Die Landesregierung verwies darauf, dass ein Elternteil bis zu zehn zusätzliche Tage Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen könne, wenn Kinder zuhause betreut würden.

Wirtschaftsminister: Zumutung für Unternehmen

Wirtschaftsminister Al-Wazir sagte, man wisse, was man Einzelhändlern, Gastronomen und anderen Branchen mit der Verlängerung des Lockdowns zumute.

"Wir tun alles dafür, dass die von der Bundesregierung zugesagten Hilfen in Hessen so schnell wie möglich ausgezahlt werden können." Bei der Auszahlung der sogenannten Novemberhilfen hatte es massive Verzögerungen gegeben. Sie sollen ab Montag im großen Stil ausgezahlt werden, hatte Al-Wazir zuvor dem hr gesagt.

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Seit Mitte Dezember vieles geschlossen

Zahlreiche Geschäfte und Dienstleister sind seit Mitte Dezember geschlossen, darunter Friseure. Auch Freizeit- und Kultureinrichtungen mussten dicht machen - etwa Museen, Spielhallen und Schwimmbäder. Geöffnet bleiben dürfen unter anderem Supermärkte, Drogerien, Banken und Tankstellen. Abhol- und Lieferdienste bleiben erlaubt, auch Auto- und Fahrradwerkstätten können weiterarbeiten. Es gilt eine weitreichende Maskenpflicht, unter anderem in Geschäften, Bussen und Bahnen sowie in einigen Fußgängerzonen. Besuche in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen bleiben unter strengen Vorgaben möglich. Die Präsenzpflicht an den Schulen war zwei Tage vor dem Beginn der Weihnachtsferien aufgehoben worden. Die Ferien enden in dieser Woche.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.01.2020, 19.30 Uhr